Quintessenz
Januar 3, 2013

Quintessenz

02.01.2013

Mit dem Rückblick auf die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahren fällt auf, dass sich eine Basis der Wahrnehmung manifestiert hat, die man vielleicht am besten mit Präsenz beschreiben könnte.

Diese  Präsenz könnte man als unzusammengesetzte Basis einer unpersönlichen Wahrnehmung, von Allem was erscheint, bezeichnen.

Diese Präsenz ist an sich nicht nur eine Erfahrung, sondern in dieser Präsenz tauchen alle Erfahrungen auf.

Es sollte klar sein, dass das nur Bezeichnungen für etwas Unbeschreibbares sind.

Diesem formlosen Unbeschreibaren wird durch Worte ein Gewand übergestülpt und damit Form verliehen. So wird es betrachtbar.
Scheinbar.

Die Nacktheit der direkten Sicht geht allerdings somit zwangsläufig verloren. Was bleiben kann, ist ein verhüllter Hinweis in Richtung Wahrheit.
Vielleicht.

Die Frage warum es überhaupt beschrieben werden muss, kann nicht zufriedenstellend beantwortet werden.

Die Bandbreite der möglichen Antworten reicht von Wichtigtuerei bis zum Verlangen in tiefem Mitgefühl den leidenden Menschen zu helfen.

Beide Pole haben ihren jeweils bedingten Beigeschmack.
Denn es wird unmittelbar gesehen, dass tatsächlich helfen zu können, aus den verschiedensten Gründen, hier kaum möglich ist.

Wenn Wichtigtuerei die Basis für all diese Gespräche und Aufzeichnungen sein sollte, wäre ein Höchstmaß an Heuchelei erreicht.

Das Gute an dieser Nicht-Antwort ist, der darin verborgenen Aufforderung nachzugehen und selber die Wahrheit zu finden.

Was hier bleibt ist Achtsamkeit gegenüber der Motivation, die dem Ausgedrückten zu Grunde liegt. Oft erscheint keine Motivation und das was ausgedrückt wird erscheint einfach so.
Das ist möglicherweise ein gutes Zeichen.

Somit kann hier zumindest festgestellt werden, dass keine Motivation erscheint den jeweiligen Gesprächspartner zu verändern oder zu verbessern.

So wie es erscheint ist es perfekt, spontan und aus sich heraus frei von jeglichen Makeln.
Somit erscheinen die Worte unkonstruiert direkt aus der Klarheit der Präsenz.

In den Gesprächen, von denen hier ein Teil wiedergegeben wurde, wird ausschließlich auf das anfangslose unbedingte immer vorhandene in jedem menschlichen Wesen existierende Potenzial zur absoluten Befreiung hingewiesen.

Wenn irgendetwas einen Wert haben könnte, von den Worten die hier niedergeschrieben wurden, dann sind es die fünfundzwanzig Gedichte, die unter der Überschrift >Kuss der Stille< zusammengefasst sind.

Diese Zeilen haben sich in einer Ektase mit einer Eindeutigkeit und Klarheit manifestiert, die nicht zurückzuweisen war.

Da das in keinster Weise eine persönliche Leistung war, ist es möglich, dass sie einen gewissen Wert, in Sinne von Fingerzeig auf Wahrheit, beinhalten bzw. ausdrücken könnten.

Obwohl nicht explizit über all diese Erfahrungen gesprochen werden mochte, haben Gespräche darüber stattgefunden.

Sicher kam es dabei, bei aller Klarheit, zu Missverständnissen. Bei dem durchsehen der Texte, die diese Gespräche wiedergeben, musste festgestellt werden, dass sie genügend Potenzial für weitere Missverständnisse  bieten.

Sicher ist es dem ohnehin nicht einfachen, im Grunde unbeschreibbaren, Thema geschuldet, allerdings auch zum anderen der eigenen mangelnden Kapazität und Fähigkeit.

Das herausreißen der Texte aus der Gesamtstimmung, aus der Gesprächsatmosphäre und aus dem Kontext des Fragestellers hat es bestimmt nicht einfacher gemacht überhaupt irgendetwas verständlich zu vermitteln.

Doch es ist nun so wie es ist.

Zur möglichen Klärung kann gesagt werden, dass sich immer zwei grundsätzliche Themen für Missverständnisse anboten.

Zum Einem ist es der Wert und die Sinnhaftigkeit eines, wie auch immer gearteten, spirituellen Pfades mit seinen Methoden und zum Anderen die Diskussion über den Stellenwert und Notwendigkeit eines Meisters, Gurus oder spirituellen Lehrers.

Hier wurde nie Propaganda für oder gegen irgendeine Lehre und ihre Protagonisten gemacht und auch jetzt wird das nicht geschehen. Alles hat seinen inhärenten Wert und in irgendeiner Art und Weise wird diese Erfahrung jedem an einem bestimmten Punkt bewusst.

Letztlich spiegeln alle Formen der spirituellen Lehren und alle Arten von Menschen, die als Meister, Gurus oder Lehrer bezeichnet werden und die dem Individuum begegnen, den jeweils eigenen aufscheinenden Bewusstseinszustand wieder.

Die Umstände und Erscheinungen sind nur der Spiegel, in dem die eigene Unwissenheit, unser Begehren und unsere Ablehnung wie Reflexionen erscheinen können.

Sie sind immer die Antwort auf unsere Flucht vor der Wahrheit.

Die Falschheit oder die Wahrhaftigkeit mit dessen man sich, besonders bei der spirituellen Suche, konfrontiert sieht, ist letztlich das Maß der Falschheit oder Wahrhaftigkeit des Ausdruckes als Individuum selbst.

Aus dieser Perspektive kann es keine falschen oder richtigen Wege geben.
Aus dieser Perspektive kann es keine falschen oder richtigen Meister geben.
Aus dieser Perspektive erscheint unseren Sinnen immer nur das eigene Potenzial in Form von Objekte in der individuellen Dimension.

Was jedoch eindeutig gesagt werden kann, dass keine Lehre, kein Pfad, kein Mensch, kein Wesen unserer anfangslos wahren perfekten lichthaften Natur irgendetwas hinzufügen oder wegnehmen kann. Es ist anfangslos rein, ewig unberührt und aus sich heraus ohne Makel.

Das zu erkennen kann man Klarheit und Weisheit nennen.
Das nicht zu erkennen kann man Ignoranz und Unwissenheit nennen.

Was ein wahrhaftiger Pfad und ein wahrhaftiger Mensch vermag, ist uns auf unsere Unwissenheit bzw. unsere Ignoranz über diese wahre Natur hinzuweisen.

Die Wahrheit über die wahre Beschaffenheit der wirklichen Natur zu entdecken, liegt ausschließlich bei jedem Individuum.
Niemand kann das für einen erledigen.

Es ist individuelle Erfahrung von Ignoranz, die die wahre Natur überdeckt und es ist die individuelle Erfahrung von Klarheit, die sie enthüllen wird.
Es ist intelligent wenn dabei alle notwendigen geschickten Mittel angewendet werden, die zur Verfügung stehen.

Unsere antrainierte Trägheit und Bequemlichkeit verleitet uns Menschen nur zu oft sich an etwas zu hängen, sei es eine Methode, ein Mensch oder ein Gegenstand, in der Hoffnung, dass diese den ureigenen Job für uns erledigen.
Diese Hoffnung ist unberechtigt.

Etwas was ebenfalls auffällt, sind endlose intellektuelle Diskussionen. Wir Menschen sind in einem beindruckenden Maße süchtig danach unseren Verstand bei jeder Gelegenheit einzusetzen.

Es ist kein Plädoyer für oder gegen den uns gegebenen Verstand und seinen Funktionen. Ein trainierter scharfer Verstand ist ein wertvolles Instrument.

Es ist wie mit einem gut trainiertes Pferd oder einem gut erzogener Hund, manchmal hilfreich und notwendig.

Doch aus einer bestimmten Perspektive kann man beobachten, dass die Sucht des Denken-Müssens und die Früchte, die diese Sucht trägt, die Ursache für die Furchtbarkeit zu sein scheint, die wir auf diesen Planeten als menschliche Gesellschaft erleben müssen.

Letztlich kann klar werden, dass der Verstand mit seinem Funktionen nicht mehr ist als ein Sinnesorgan, wie unsere Ohren oder unser Nase. Er ist besitzt seine Komplexität, doch es wird nie über seinen Funktionsbereich hinausweisen können. Er hat seine Aufgaben und im optimalen Fall werden diese mit höchstmöglicher Präzession erledigt und das war es auch schon damit.

Alles was in der Dimension des Verstandes erdacht werden kann, gehört zu seinem  mentalen Universum, es wird zwangsläufig zu einem erscheinenden Objekt und hat damit ein Zerfallsdatum.

Aus einer bestimmten Perspektive kann wahrgenommen werden, dass Denken nur eine Erfahrung an sich ist, die wiederum Erfahrungen produzieren kann. Das wird vor lauter Denken-Müssen schnell übersehen.

Viele spirituelle Pfade benutzen unter anderem auch mentale Methoden um Erfahrungen zu erzeugen. Erfahrungen haben für sich genommen nur den Wert den wir ihnen geben. Ihr tatsächlicher objektiver Wert liegt jedoch nicht in der Erfahrung selbst, sondern sie können uns darauf hinweisen dass Erfahrungen in etwas erscheinen.

Somit bietet das Erzeugen von Erfahrungen die Möglichkeit auf die Potenzialität des Erscheinen-Könnens aufmerksam zu machen. Da alle möglichen Erfahrungen erscheinen können, besteht eine Möglichkeit zu bemerken, dass diese Potenzialität universal sein könnte.

Das könnte also bedeuten, dass Potenzialität absolut unkonditioniert und eigenschaftslos sein muss, damit Erfahrungen, die Träger von Eigenschaften zu sein scheinen, überhaupt frei erscheinen können.

Wird versucht diese eigenschaftslose unkonditionierte Potenzialität direkt zu erfahren, erscheint die Erfahrung, dass das nicht geht.

Alles erscheint als Erfahrung, inklusive die Erfahrung, dass alles was erscheint aus einer scheinbaren persönlichen Perspektive wahrgenommen werden muss.

Wir müssen das für die einzige wahre Perspektive halten, bis diese Erfahrung einfach rückstandslos verschwindet.
Erfahrungen ändern sich einfach sobald die Basis, auf der diese Erfahrung gründet, sich verändert oder verschwindet.
Die Erfahrung der Ich-bezogenen Wahrnehmung der erscheinenden Welt kann einfach aufhören.

Das Gefühl einer Entkontraktion begleitet dieses Aufhören. Hier war es so. Ob es zwangsläufig so ist, ist unbekannt.

Ob die Kontraktion die Basis für die Erfahrung der Ich-bezogenen Wahrnehmung war oder nur ein begleitender Umstand, kann rückwirkend nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden.

Wie es auch sei, was nun aufscheint ist eine ungeahnte Stille in den Erfahrungen von Klarheit, Leerheit und Empfindungen erscheinen, die eine unvorstellbare Tiefe annehmen können.

Die Sinnesorgane funktionieren weiterhin, haben allerdings nicht mehr die Führung.

Was bedeutet hier Führung?
Die Sinnesorgane vermitteln in der Erfahrung der Klarheit, alle notwendigen Impulse zur Wahrnehmung, jedoch das Sinnesorgan Mind oder wie wir auch immer dazu sagen wollen, liefert nicht sofort die gewohnten konzeptuellen Beschreibungen mit, die das Wahrgenommene normalerweise augenblicklich als ein uns bekanntes Objekte präsentieren.

Was sie dort vermitteln kann nicht sinnvoll beschrieben werden. Doch es ist mehr als ausreichend um sich zu orientieren. Diese Vermittlung von Sinnesdaten, ohne sofortiges Eingreifen des Verstandes, wurde hier immer als >Sehen< bezeichnet.

Bedauerlicherweise vermittelt das Wort nicht annähernd das was >Sehen< aus der Klarheit heraus bedeutet. Doch da >Sehen< in der Potenzialität von jedem menschlichen Wesen liegt, kann es auch von jedem erfahren werden. Alle Menschen sind absolut frei, diese Erfahrung von Klarheit selber zu machen.

Da sich viele Fragen in den Gesprächen immer um das Konzept von Erleuchtung drehten, wird hier noch mal in aller Eindeutigkeit darauf hingewiesen, dass diese Präsenz, in der die Erfahrungen von Klarheit, Leerheit und Empfindungen erscheint, nichts mit Erleuchtung zu tun hat.

Abgesehen davon dass das Konzept von Erleuchtung sicher einer der größten Missverständnisse  überhaupt ist, kann hier zum Einem darauf hingewiesen werden, dass die Potenzialität anfangslos leuchtend und frei von allen Beschränkungen ist. Zum Anderen kann in aller Klarheit gesehen werden, wie in dieser leuchtenden unbeschränkten Potenzialität das menschliche Muster mit seinen Limitationen auftaucht.

Es kann gesehen werden, wie diese Limitationen mit Greifen und Ablehnung beginnen, noch bevor mentale Bewegungen Konzepte hervorbringen können.

Warum ist das Konzept von Erleuchtung so faszinierend?

Wir Menschen, aus der Perspektive des Ich-bezogenen verstandesgeprägten Wahrnehmungsmusters, wissen instinktiv, dass wir so gesehen, vergängliche Erscheinungen sind.

Die Erfindung des erleuchteten ICH kommt aus der Dimension des Verstandes.
ICH möchte überleben, um jeden Preis.

Schauen wir nur unser Leben an, wie wir uns tagtäglich verbiegen und erniedrigen nur um zu überleben.

Das Konzept von Erleuchtung ist ein cleveres Konzept unseres Verstandes und hat seinen Wert, wenn überhaupt, auch nur innerhalb der Dimension des Verstandes. Das bedeutet, endet die Herrschaft des Verstandes, so endet dieses Konzept.

Doch die Potenzialität in der das menschliche Muster erscheinen kann, ist jenseits des Verstandes. Gleichwohl erscheint auch Verstand darin als Erfahrung.

Die Potenzialität ist von leuchtender und erfahrungsloser Natur. Von dieser Quelle erscheinen alle Manifestationen. Genauer ausgedrückt, die Potenzialität erscheint als Manifestation. Somit erscheint auch die Erfahrungen von Klarheit, Leerheit und Empfindungen als Manifestation der Quelle.

Aus einer tiefen Sicht heraus, sind diese Erfahrungen tatsächlich mit Menschsein gleichzusetzten.

Man kann nun >Sehen< das diese Manifestationen erscheinen. Das ist nicht so selbstverständlich, da unsere Wahrnehmung üblicherweise schon von der Bewegung des Erscheinens der jeweiligen Manifestation paralysiert ist.

Doch nun wird also Erfahren, das da etwas wahrnimmt, dass in der Erfahrung der Klarheit das >Sehen< aus der Stille ermöglicht.

Doch das >Sehen< enthüllt nun ebenfalls, ohne jegliche mentale Bewegung, dass da also noch Bedingtheiten erscheinen, die diese Erfahrungen vermitteln.
Es kann somit nicht freie Wahrnehmung sein.
Es kann damit nicht Bedingungslosigkeit sein.
Es kann also nicht endgültige Freiheit sein.

Denn
Stille wird erfahren.
Klarheit wird erfahren.
Leerheit wird erfahren.
Empfindungen werden erfahren.
Es wird erfahren, dass etwas erfährt.

Ist es also das Ende?
Nein, denn das Sehen dessen kann zum Zusammenbruch von Erfahrung an sich führen. Was dann noch bleiben kann ist pure Wahrnehmung.

Das ist jenseits von Sehen, wie hier >Sehen< definiert wurde. Über das Sehen kann noch mit vielen Verrenkungen berichtet werden.

Über pure Wahrnehmung selbst kann nichts mehr gesagt werden.
Denn wenn Wahrnehmung stabil bleibt, nimmt sich DIES jenseits von Erfahrung selbst wahr.

Gleichwohl geschieht etwas scheinbar Paradoxes. Obwohl alles Erfahren endet und damit auch das was noch erfährt, wird >gewusst<, dass DIES sich selber unvermittelt wahrnimmt.

Dieses>gewusst< ist jenseits aller mentalen Prozesse und Konstrukte.
Es ist DIES als Wissen der Wahrnehmung selbst.
Es ist die erfahrungslose unberührbare Potenzialität, die sich erfährt und somit sich selbst berührt.

Wenn wir uns gehenlassen wollen, könnten wir diese Beschreibung als Beschreibung von Erleuchtung benutzen.
Allerdings taucht hier die Vorliebe auf, es nicht mehr zu beschreiben.

Es scheint nun so als ob der Zyklus des Beschreiben-Müssens endet.
Es bleibt nur ein Wunsch offen.
Mögen alle Menschen diese wahre leuchtende Natur, die wir in aller Einfachheit sind, erkennen.

Dies was erscheint und dies in dem es erscheint und dies was das Erscheinen erkennt, ist anfangslos das Selbe.
Es ist somit jenseits von Einheit, da es unteilbar ist.

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Was ist absolute Freiheit?
Mai 2, 2012

Fragen eines Freundes

19.04.2012

Was ist absolute Freiheit?

Die absolute Freiheit ist so gewöhnlich,
dass sie normalerweise einfach übersehen wird.

Wird absolute Freiheit erfahren, ist es fast ein Schock
die Außergewöhnlichkeit der Normalität zu sehen.

Oft werden diese Schocks des Sehens vom konzeptuellen Denken
vereinnahmt und so zu einer spirituellen Erfahrung verarbeitet.

Das Erfahren von absoluter Freiheit ist Wirklichkeit.
Das Rekapitulieren darüber eine Kopie des Verstandes.

So kommt es zwangsläufig zu Aussagen über Leerheit.
So kommt es zwangsläufig zu einem konzeptuellen Verständnis über Leerheit.

Das ist nicht absolute Freiheit.
Das ist Wissen von oder über Etwas.

So geschieht es dann, dass Gefangenschaft
im Wissen über Freiheit ist.

Hier der Wissende, dort die Leerheit.
Hier der Sehende, dort das aufscheinende Licht der Unendlichkeit.
Hier der Fragende, dort die absolute Freiheit.

So sieht spirituelle Gefangenschaft aus.
So sieht absolute Freiheit in der Form des Dualismus aus.

Doch auch diese Manifestation an sich,
ist die Potenzialität als Ausdruck der Essenz in sich selbst.

Dies gerade sich ausdrückend, ist Leerheit,
die sich ausdrückt als Formhaftigkeit
des ewig ungeborenen Einen Unbewegten
in Bewegung.

Auf was wartest du?
Es wird kein Licht der Erleuchtung in dein Innerstes fallen,
um dir die absolute Freiheit aufzuzeigen!

Dein Blick nach außen gerichtet, wird von den phänomenalen Erscheinungen, die nur Ausdruck der unendlichen Potenzialität der Essenz sind, verwirrt.

Dein Blick nach innen gerichtet, wird von deinem Verlangen nach etwas, das schon anfangslos als Alles erscheint, verzerrt.

Das Ungeborene spielt sich selbst den Streich, in dem es sich in der Form dieses fragenden Menschen für suchend und unwissend hält.

Das Ungeborene spielt sich selbst den Streich, in dem es sich in der Form dieses fragenden Menschen für findend und wissend hält.

Jedes Wort, natürlich auch dies, ist somit nur Brennstoff für das gespielte Verlangen in der Unwissenheit des Fragens und in der gespielten Verwirrung des Verstehens der Antwort zu verweilen.

Das ist also das Spiel des Versteckens,
vor der absoluten Freiheit des Einfach-So-Seins.

Doch nun wird dir kein Brennstoff mehr angeboten.

Schau nirgendwo hin und lass den Blick einfach in sich ruhen.
Und unabgelenkt scheint das So-Sein selbstbefreit auf.

Sieh!

Nennst du das jetzt absolute Freiheit, müssen wir von vorne beginnen.
Selbst dein Schweigen ist hier so laut wie ein donnernder Wasserfall.

Sieh, diese blühende Kirsche.
Sieh, wie diese Pracht einfach in dem leeren blauen Himmel erscheinen kann.
Hörst du den Ruf des Pfau‘s dort unten aus dem Garten?

Das ist es!

Muss ich das Ego loswerden um die Stille zu finden? Teil 1
Februar 21, 2012

Fragen eines Freundes

11.01.2012

Muss ich das Ego loswerden um die Stille zu finden? Teil 1
Ist das Ego schuld an dieser kranken Welt? Teil 2
Ich fühle mich innerlich so zerrissen. Was soll ich tun um endlich Ruhe zu haben?

Teil 1

Warum stellen wir eigentlich diese Fragen? Ist es die Hoffnung, dass die Antwort die Lösung unserer Probleme bedeuten könnte? Das die Antwort die Fähigkeit in sich trägt, unsere innere Zerrissenheit und unseren Schmerz auszulöschen? Oder das die Antwort die Welt rettet? Wenn das so wäre, dann wäre unsere Freiheit von Antworten abhängig. Doch Antworten erscheinen hier in Sprache, sie sind also Objekte.

Die Lebensdauer von Objekten ist immer von Umständen abhängig und irgendwann zerfallen alle Objekte. Auch die perfekteste Antwort wird zerfallen, spätestens wenn die Sprache, in der sie erscheint, von niemand mehr gesprochen und verstanden wird. Wenn Freiheit von Objekten abhängen würde, dann müsste die gesamte Menschheit schon lange im Paradies leben, denn Objekte, ob geistiger oder stofflicher Natur, erscheinen ständig.

Doch wenn wir die Welt und unser Leben als Menschen betrachten, müssen wir realistisch feststellen, dass der Schmerz und die Zerrissenheit nicht weniger geworden ist. Wir schauen heute auf eine Welt, die geradezu im Wahnsinn zu versinken scheint. Angeführt von blinden Narren, gefolgt von einer Menschenmenge, gleich einer Schafsherde, die das Lied von Angst, Neid und Gier singen, als ob es das Hohelied der Erlösung wäre. Immer auf der Suche nach beständiger Sicherheit durch die Welt stampfend und dabei alles zerstörend was dabei im Weg steht.

Das ist keine Theorie. Schau dich um in der Welt, der nächste Krieg, die nächste Krise, die nächste Unmenschlichkeit ist schon im Anmarsch.

Wir sollten also unseren Blick über die Antwort hinaus erheben, über das Verstehen hinaus, um zu sehen, auf was die Antwort hinweist.

Dann ist vielleicht Erkennen möglich.

Muss ich das Ego loswerden um die Stille zu finden, ist deine Frage. Wenn du bereit bist, können wir zusammen nach der Antwort forschen. Vielleicht findest du dabei in dir die Antwort auf alle deine Fragen.

Möchtest du finden, liebster Mensch?

Dann lass uns gemeinsam forschen. Doch vielleicht noch das, hier geht es nicht um Glauben oder um Nicht-Glauben. Stelle alles auf den Prüfstand, was hier gesagt wird und finde selbst heraus, ob es die Wahrheit ist. Dein Herz verneigt sich still in Demut vor der Wahrheit. Dein Herz kann durch nichts getäuscht werden. Also forschen wir mit Herz, denn in diesem Licht hat nur Wahrheit bestand.

Alle deine Fragen scheinen auf eine wesentliche Kernfrage hinzudeuten.

Gibt es eine Möglichkeit der menschlichen Existenz, die jenseits von dieser Zerrissenheit, dieser Rastlosigkeit und dieses Zerstörungswahns liegt?

Gibt es eine Existenzmöglichkeit der Menschen, die nicht dem Ausdruck dieser Dynamik des Beherrschens und des Beherrscht-werdens unterworfen ist, mit all seinen Ängsten, Grausamkeiten, Vereinsamung und der verzweifelten, vergeblichen Suche nach dauerhafter Sicherheit?

Müssen wir wieder zu Kindern werden, zurück in Unschuld und Unwissenheit fliehen, zurück in das Mutterleib kriechen, um das verlorene Paradies zu finden?

Kann Flucht zur Freiheit führen?

Also schauen wir doch erst einmal genau hin, vor was wir fliehen.

Was ist das Ego überhaupt? Nein, es geht hier nicht um psychologische Definitionen. Wir betrachten das Ego direkt. Wir betrachten uns direkt. Keine Analyse, sonst würden wir in diesem Leben zu keinem Ergebnis kommen. Analyse ist ein Instrument des Egos, es ist Gedanke. Hier wird nur ein Beobachten vorgeschlagen. Das Beobachten dessen, was in der Suche erscheint, ohne Verurteilung, ohne Verteidigung, kein Ignorieren. Keine Flucht in Selbstbetäubung. Keine Flucht in Analyse.

Beobachten wir einfach wie sich da dieser Gedankenstrom unablässig erhebt. Kreisend und wirbelnd die Bruchstücken von Gedanken verwebt, auseinanderfällt und sich wieder verbindet. Immer in Bewegung. Ruhelos. Wie gespeicherte Erfahrungen in diesem Gedankenwirbelsturm einer rastlosen Begutachtung unterzogen werden. Wie sie zu Glaubenssätzen emporsteigen, wie sie die Begutachtung als wichtig passieren dürfen oder wie sie achtlos fallen gelassen werden, wenn sie als bedeutungslos eingestuft werden.

Beobachte genau und frage dich selbst, hast du irgendeinen Anteil an diesem Vorgang? Hast du irgendeine Möglichkeit diesen Prozess zu beeinflussen oder sogar zu stoppen? Ganz direkt. Jetzt.

Also du kannst es nicht. Das ist die Wahrheit. Seltsam, oder?

Wenn wir über uns Menschen reden, meinen wir dann diesen mechanischen, sich wie ein irrer Kreisel, drehenden Vorgang in unserem Kopf? Das sollen wir also sein, dieser Gedankenmechanismus, den wir als Ego, ich oder das Selbst bezeichnen?

Oder müssten wir ehrlicherweise sagen, da er scheinbar in einer offensichtlich unbeeinflussbaren Art und Weise in uns wirkt, dass dieser Mechanismus inzwischen unser Menschsein definiert?

Doch wie kann so ein rastloser, mechanischer, sich jeder Kontrolle entziehender Gedankenwirbeln diese Aufwertung erfahren, sich für dich auszugeben?

Gehen wir doch noch etwas näher heran, vielleicht finden wir die Lösung, wenn wir tiefer in dieses Rätsel eindringen.

Was finden wir vor, wenn wir die Arbeitsweise dieses Prozesses beobachten? Nach welchen Grundsätzen und Regeln arbeitet dieser Mechanismus. Mit welchem Recht glauben wir Ego zu sein, oder erlauben wir Ego sich als du auszugeben?

Wir stellen fest, dass die Inhalte der Grundsätze, wie zum Beispiel moralische oder ethische Vorstellungen, schon von Mensch zu Mensch, geschweige dann zwischen Kulturen, unterschiedlich sind.

Es scheint keine allgemeingültige Inhalte zu geben, die Variationsbreite ist sehr groß, es scheint einfach alles sein zu können.

Aber doch wird von jedem Menschen, egal welcher Kultur, Gesellschaft oder Epoche, Ego als Ausdruck des Menschenseins fraglos akzeptiert. Dieses fraglose Akzeptieren scheint die Hauptübereinstimmung zu sein. Es scheint das verbindende Merkmal, über alle Unterschiede der Menschen, Kulturen und Epochen hinweg.

Nach welchen Regeln arbeitet dieser Gedankenwirbel, was finden wir hier vor? Wenn wir tief genug vordringen, finden wir unter allem Gedankennebel nur eine Hauptregel und das ist der Befehl zur Bewegung an sich. Der Befehl zur Funktionalität. Wir finden also bei unserer Forschung ein sich aberwitzig, permanent drehendes Gedankenkarussell, das prinzipiell frei von beschränkenden Grundsätzen, inhaltlich alles aufnehmen kann, es betrachtet, archiviert, verknüpft, verwirft usw. und als Hauptregel den Grundsatzbefehl des Funktionieren seiner selbst, sozusagen fest verdrahtet in der Hauptsteuerung, aufweist.

Wir müssen weiter feststellen, dass wir anscheinend keine Macht über diesen Mechanismus haben, um ihn z.B. zu stoppen. Die Inhalte, mit denen sich dieser Mechanismus beschäftigt, scheinen in Abhängigkeit von kulturellen Kontexten, sozialen Konditionierungsvorgängen und von genetischen bedingten Gegebenheiten definiert zu sein. Auf diese Umstände hatten wir also ebenfalls nie Einfluss.

Wir müssen feststellen, dass wir diesen Mechanismus nicht geschaffen haben können, es übersteigt bei weitem unsere Fähigkeit. Wir haben keinen Schlüssel zum Kontrollzentrum und wir haben keine Macht über ihn.

Und doch können wir diesen Mechanismus untersuchen. Wir können sogar bei genug Mut in seinen Kern eindringen. Wenn Wahrnehmung dorthin vordringt, finden wir etwas sehr Seltsames vor. Im Kern, im Zentrum des Gedankenwirbels herrscht absolute Ruhe, wie in dem Auge eines Wirbelsturms. Hier dreht sich kein Gedanke, kein Lüftchen bewegt sich.

Das kannst du selber nachprüfen, es braucht nur ein bisschen Courage und Forschungsdrang. Dein Leid könnte Antrieb genug sein, dieser Angelegenheit auf den Grund zu gehen. Denn hier finden wir tatsächlich den bewegungslosen Bodensatz des Denkmechanismus. Diese Ruhe hier ist ein wenig dumpf, man kann hier nicht lange bleiben.

Die Gravitationsauswirkungen des Denken-müssen beeinflusst hier die Reinheit der Wahrnehmung. Aus dieser Perspektive scheint die inhärente Aufgabe von Denken-müssen die Untersuchung durch unterscheidungsloses Zerlegen des Untersuchten zu sein, um schließlich unterscheidungsfähige Erkenntnisse zu gewinnen und zu speichern. Jede Methode, jedes Wort über eine auf diese Art gewonnene Erkenntnis, jede bekannte Definition, jede Schlussfolgerung und wirkt sie noch so scharfsinnig, jede philosophische Betrachtungsweise, ist von hier geborgt.

Auch diese Beschreibung, die gerade stattfindet.

Wir können uns hier nicht lange aufhalten. Die Betrachtung dieses mechanischen Zerlegungsdrangs führt recht schnell zu einer Niedergeschlagenheit, die zu einer ausgewachsenen Depression mit nihilistischen Ausprägungen anwachsen kann.

Diese Ruhe, diese Art Stille besitzt also Eigenschaften, weist Qualitäten auf. Es kann also nicht STILLE sein. STILLE IST schon ewig, jenseits von allen Eigenschaften, von allen Qualitäten. Jedoch in STILLE können alle Qualitäten, Eigenschaften erscheinen.

Doch für einen kurzen Blick, aus dem ruhigen Zentrum des Gedankensturmes auf die Struktur des Wirbels, reicht es. Was nehmen wir hier wahr? Was nimmst du von hier wahr?

Nichts.

Genau, auch das ist die Wahrheit.

Von hier wird gesehen, dass das, was von „außen“ betrachtet mächtig und beherrschend erscheint, sich als Nichts aus Nichts erhebt und auch darin wieder versinkt.

Ein dynamischer blinder Prozess, ein Abtasten der Erscheinungen, ein Aufsammeln von Ereignissen, ein Abspeichern von Geschichten, ein Zerlegen von Objekten,  ein ständiges Messen, Wiegen und Beurteilen durch das Raum und Zeit auftaucht.

Das kannst Du nicht sein, denn Du stehst gerade im Zentrum dieser Maschine und nimmst wahr.

Also wer bist Du dann, wenn Du dieser mechanische Vorgang nicht sein kannst?

Vielleicht kannst Du jetzt erkennen, dass alle Fragen nur dazu dienen, diese eine Qualität zu enthüllen. Dies was Du tatsächlich bist. Diese Qualität können wir gerne auch Intelligenz nennen. Gerne auch intelligente Wahrnehmung.

Beweglich, lebendig, leuchtend, durchdringend.

Das Verhüllen, oder das Vergessen von Intelligenz selbst, führt anscheinend zu einer Identifikation mit Etwas. Es führt zu dem großen Vergessen. Da Vergessen stattgefunden hat, führt nun ein blindes mechanisches Etwas.

Doch du kannst dieses Etwas nicht zerstören, du hast es auch nicht erschaffen. Aber es kann zum Erliegen kommen, völlig spontan und jenseits aller Vorstellungen.

Wie, fragst du?

Aber schau doch genau hin. Ist gerade Denken-müssen da? Nein, na also.

Völlige Stille, absolute Intelligenz.

Frag nicht wie Dies bleiben kann, bleib einfach ohne Greifen.

Dies kann nicht bleiben, weil es schon IST.

Hier ist kein Raum für Etwas, hier ist keine Grundlage für Ego. Hier ist nur Sehen DESSEN. Hier ist nur Hineinschmelzen in sich selbst, in den Urgrund.

Jetzt, völlig jenseits von Bewegungslosigkeit, erscheint Bewegung und Intelligenz. Schau genau hin, hat jetzt dieser verrückt rotierende Mechanismus bestand?

Schau genau hin, du strahlst höchste Lebendigkeit aus und bist nicht zu Gemüse geworden oder zu einem unwissenden Fötus.

Jetzt kann es geschehen, dass die äußere Form als Mensch zu einem leuchtenden Gefäß der Intelligenz aufscheint. Dann erkennst Du, dass Menschsein das ist, was es schon immer IST, eine Manifestation der Liebe, der Intelligenz, der unterscheidungsfähigen Wahrnehmung.

In dieser Glut schmilzt alles und Selbstlosigkeit erkennt sich als Wesen der Intelligenz.

Doch das ist nicht das Ende, das ist erst der Beginn der Reise.

weiterlesen  Teil 2

Nicht-Wissen
Januar 26, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Nicht-Wissen

28.6.2011

Es ist beim Sehen nicht so, dass die Dinge, die gerade nicht geschaut werden, auf denen der Blick gerade nicht ruht, nicht existieren würden.

Es ist so, dass es da ein Nicht-Wissen über oder von der Existenz gibt, eben wenn der Blick nicht darauf fällt. Dieses Nicht-Wissen ist aber keine Unwissenheit, sondern ist genau das Gegenteil. Es umschließt alles Wissen, weil es das Wissen Ist, das solange der Blick nicht darauf ruht, als Nicht-Wissen erscheint.

Die Totalität dessen, was gerade geschaut wird, erscheint so intensiv als Sehen in der Stille, dass dieser Blick nichts anderes zulässt, als eben das Zuschauende.

Das schließt die Inanspruchnahme durch die Totalität des Wissens des vorher Nicht-Gewussten mit ein und lässt keinen Platz für etwas außer Dieses. Für etwas, das außerhalb des momentanen Blickes existieren mag, ist in dieser Intensität kein Platz.

Gleichzeitig ist dies kein Tunnelblick, der die nicht geschauten Dinge ausblendet, oder er ist auch nicht der Blick eines Betrunkenen, der durch Betäubung des Wahrnehmungsapparates nicht in der Lage, ist die Datenmenge zu verkraften, die durch die Augen einströmen.

Das Sehen in der Stille, die hier als Schau beschrieben werden kann, ist frisch, unbetäubt und umfasst alles, was geschaut wird.

Im Schauen liegt aus sich heraus keine Wertung des Geschauten und damit auch kein Greifen nach dem Geschauten.

Der Baum wird als Baum geschaut, ohne dass eine Bezeichnung als Baum in der Wahrnehmung erscheint.

So ist das Nicht-Wissen über den Baum als Baum nur frische Wahrnehmung und in dieser nicht-wissenden Wahrnehmung, die total und absolut im Moment erscheint als der Moment, der erscheint, ist das totale Wissen enthüllt.

Nur es enthüllt sich niemandem, sondern es enthüllt sich einfach völlig mühelos und entspannt.

Es ist keine Notwendigkeit (nebenbei bemerkt: besteht auch keine Möglichkeit) in der Sicht für eine Interpretation-Reduktion (als Methode), um den Blick rein halten zu müssen, um dann Sehen zu können. So als ob man üben würde nur Zeuge zu sein, um sich aller Urteile zu enthalten, um dann das, was als das Wesentliche (geglaubt im Sinne von Essentiell) angeschaut wird, als Sehen zu bezeichnen.

Das ist eine Übung des Verstandes und hat nichts mit dem Sehen in der Stille zu tun.

Die Schau als Sehen in der Stille ist wie ein Blick, der alles umschließt und weder etwas reduziert, noch etwas hinzufügt.

Die Dinge sind somit Dies als Stille, während die Stille sieht durch die Schau. Es ist eine totale Schau, die aus sich heraus geschieht und dort auch wieder endet, um sich mit gleicher Intensität beim nächsten Blick wieder aus Stille zu erheben, völlig mühelos.

Das Gefühl, das die Schau scheinbar begleitet, ist so, als ob die Dinge gerade erst in dem Moment, in dem der Blick darauf fällt, entstehen. Deswegen werden sie auch immer wieder als völlig neu empfunden.

Das Nicht-Wissen der Existenz der Dinge, die gerade Nicht-Geschaut werden, wird völlig überlagert von dem All-Wissen der Existenz der Dinge, die jetzt gerade aus der Stille geschaut werden.

Diese Totalität möge man Sehen nennen, um den Unterschied zu dem üblichen Anschauen der Dinge herauszustellen.

Das Nicht-Wissen der Dinge, die gerade Nicht-Geschaut werden, hat nichts damit zu tun, dass gewusst wird, dass die Dinge, die gerade nicht angeschaut werden, an ihrem Platz stehen. Das ist abgespeichertes Wissen, ein eingescannter Datensatz, gespeichert auf der biologisch organischen Festplatte, oder einfach nur eine Annahme.

Hier findet sich das gewöhnliche Anschauen, das mechanisch alte Anschaudaten aus dem Kopfspeicher zu einem Bild zusammenfügt, die dann die Schau des Sehens in der Stille zu überlagern scheinen.

Das Sehen in der Stille ist immer da und wird vom mechanischen Anschauen überdeckt.

Warum das so ist, konnte nicht gesehen werden, aber dass es so ist, kann ganz klar gesehen werden.

Deswegen kann man das Sehen in der Stille nicht lernen, es gibt nichts zu lernen, was natürlicherweise immer vorhanden ist.

Die Mechanik der Anschauung kann kaputt gehen. Dann ist Sehen spontan befreit und geschieht natürlich aus sich heraus.

Die Vermutung ist, dass der Kopfspeicher nach wie vor funktioniert. Doch keine „alten“ Daten zu irgendeinem Objekt, das gerade in der Stille geschaut wird, gelangen in die Sicht. Das Sehen und das, was gesehen wird, bleibt immer neu und unberührt.

So wird gesehen, dass die Welt, wie sie erscheint in der Stille und wie sie aus der Sicht gesehen wird, perfekt ist und nichts fehlt.

Es kann nichts fehlen, es ist unmöglich, dass etwas fehlt.

Sehen offenbart, dass wenn Anschauen geschieht, mental etwas hinzugefügt wird. Da das Hinzugefügte aber nicht existiert, wird es dann als Mangel wahrgenommen, eben weil es nicht existiert, und da es keine Existenz besitzt, es nur hinzu gedacht wurde, scheint es nun die Dinge zu beflecken durch seine Abwesenheit.

Ein Vogel zwitschert im Park vor der Wohnung und die Töne schweben durch das geöffnete Fenster. Der Himmel ist blau und ohne Wolken.

Die Windstille macht die Stille scheinbar noch tiefer. Das Geräusch eines vorüberfahrenden Autos steigt hervor und sinkt darin zurück.

Völlig mühelos.

Wie wunderbar.

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