Essenz
März 3, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Essenz

3.9.2011

 

Schließlich schien sich dieses leuchtende Zentrum ebenfalls aufzulösen und das Gefühl, dass dort niemand war, verschwand.

Es offenbarte sich einfach eine leuchtende Tiefe, aus der Wahrnehmung geschieht und die mit durchdringender Klarheit sich selbst wahrnimmt.

Die Formenwelt trat einen Schritt zurück und die Lebendigkeit, die reine Essenz Dessen, offenbart sich bei jedem Blick.

Innen-und Außenwelt sind somit nur noch Begriffe, denn da ist nur Wahrnehmung, in der mit klarer Unterscheidungsfähigkeit das Hervortreten und das Vergehen der Formen zu sehen ist.

Niemand in dem leuchtenden Zentrum offenbarte sich zu leuchtendem Nichts. Die Wahrnehmung ist lebendiges Sehen des vibrierenden leuchtenden Nichts. In Zeitlosigkeit entfaltet Wahrnehmung seine Schwingen und ist Alles.

Die leuchtende Tiefe ist endlos.

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Wirklichkeit
März 1, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Wirklichkeit

23.7.2011

Die vergoldeten Dachspitzen der alten Kirche spiegeln sich im geöffneten Fenster wieder. Der leichte Wind spielt ein wenig mit der Gardine und unten auf der Straße pflastern Arbeiter den Gehsteig. Das rhythmische Klopfen der Hämmer, die auf die Pflastersteine schlagen, wechselt sich mit dem Scharren der Schaufeln ab. Manchmal erklingen beide Geräusche gleichzeitig, durchdringen sich, und ab und zu gibt ein vorbeifahrendes Auto einen Teil der Melodie dazu. Die Arbeiter rufen sich wenige Worte zu und manchmal ist ein kurzes Lachen die Antwort.

Die Stadt ist ruhig.

Es ist Sonntag und die Schulferien haben die Menschen an das Meer oder in die Berge in den Urlaub reisen lassen. Es sind weniger Touristen dieses Jahr in der Stadt und diese zieht es in die andere Richtung zu der alten Brücke und auf die Burg, die einen grandiosen Ausblick über die Stadt bereithält.

Der Aufstieg über kleine versteckte Gässchen etwas abseits vom Strom der Menschen, über Treppen und keine Nebensträßchen, ist etwas mühsam, doch belohnt letztlich, auf dem Platz angekommen, mit einer offenen Weite und mit seiner ruhigen leuchtenden Energie, die schon auf der letzten Stufe freundlich zu warten scheint.

Der Blick über die Stadt vereint den Himmel mit dem Fluss, der sich hinter Bäumen und Gebäuden versteckt, und die Erde gibt mit den Hügeln Richtung Süden ihren Teil hinzu. Gelassen trägt die Landschaft die aneinandergereihten Häuser rechts und links des Flusses und die Sonne wirft warme sanfte Farben in das Tal hinunter.

Am Horizont vereinigt sich das ganze Panorama zu einem verschwommenen Strich, um schließlich hinter der Erdkrümmung dem Blick zu entschwinden.

Das So-Sein ist mühelose Wahrnehmung, in sich ruhendes Gewahrsein, in dem die Häuser, die Menschen, der Platz, der Himmel und der Fluss auftauchen. Lichte Formen von erstaunlicher filigraner Zartheit, die in ihrer innewohnenden Zerbrechlichkeit eine geradezu überraschende Beständigkeit vermitteln möchten.

Doch diese Beständigkeit vermittelt nicht die Form selber, sondern die lichte Formlosigkeit, die durch die Formen hindurch scheint, ja aus denen sie zu bestehen scheinen.

Im späten Licht der Nachmittagssonne offenbaren die Formen ihre Verletzlichkeit und die Vergänglichkeit der Erscheinungen strahlt in direkter Unvermitteltheit auf.

Die Schönheit der Sicht ist überwältigend. Das Wahrnehmende und das Wahrgenommene verschmolzen zur Wahrnehmung Dessen.

In der Bezeichnungslosigkeit der Formen erscheint Dies, das jenseits der Bezeichnung den Formen Lebendigkeit und Erscheinungsmöglichkeit zu verleihen scheint.

Die Stille explodiert in Bewegung in sich selbst ruhend und das Schattenbild in seiner Buntheit gefriert wie ein Foto, auf dem sich die Welt abzeichnet.

Foto für Foto findet seinen Ausdruck, taucht aus dem Nichts hervor wie die bunten Feuerblumen eines Feuerwerks am Nachthimmel. Sie verbleiben scheinbar einen Moment und werfen farbige Schatten, die ganze Landschaften erschaffen, in den leeren Raum.

Bild für Bild erscheint in Zeitlosigkeit und die Aufmerksamkeit des Bewusstseins selbst wird magisch angezogen, wandert verzaubert von Erscheinung zu Erscheinung wie mit dem Blick eines Kindes. Mit Verzücktheit dem Feuerspiel der Leere folgend, betört von dem bunten Spiel der Energie, ist die Bewusstheit wie gebannt.

All dies ist kein Geschehen, sondern IST-heit, denn da ist kein Ort oder Zeit existent, wo etwas geschehen könnte.

Die Erscheinung ist das Erschienene, das in Diesem erscheint, aus dem es IST.

Das Bild als Erscheinung ist die Wirkung selbst und gründet somit die Ursache für das Erscheinen der Welt.

Das ist nur ein scheinbares Paradox, da unsere menschliche Wahrnehmung an den gefrorenen Bildern festhängt und also gefriert die Wahrnehmung ebenfalls ein, sie passt sich an alles Mögliche an, da Alles schon immer IST.

Die gefrorene Wahrnehmung ist somit die Welt an sich.

Die faszinierte Gebanntheit, der starre Blick, die gefangene Wahrnehmung ist die Geschichte der Gefangenschaft, in die das So-Sein als fühlende Wesen, als Mensch, zu fallen scheinen kann.

Doch so überwältigend die Fixierung auch erscheinen mag, eine winzige Verschiebung, ein minimalistischer Impuls, eine winzige energetische Bewegung, und das fixierte und so fest geglaubte Bild der Welt löst sich in Nichts auf.

Der Schein anderer Bilder von anderen Feuerwerken, die unbekannte oder auch unerkennbare Landschaften zaubern, genauso real oder unreal wie das, was allgemein als die vertraute Welt wahrgenommen wird, kann aus dem Nichts auftauchen.

Doch vielleicht fällt der Blick auch nur auf Nichts, das einzige wahre Nicht-Bild, der Urgrund aller Welten, die Quelle in dem Alles erscheint, auch die Wahrnehmung, die sich selbst erblickt.

Es bedarf enormer Anstrengung die Quelle nicht wahrzunehmen. Es ist eine energieverschlingende Angelegenheit glauben zu müssen, die Quelle nicht zu sein und sich separat zu fühlen wie ein Mensch.

Es ist so anspruchsvoll, dass alle fühlenden Wesen dies nur begrenzt aushalten und immer wieder in Nichts zerfallen müssen, um schließlich in einem erneuten Bild wieder zu erscheinen.

Die scheinbare Kontinuität des menschlichen Lebens ist das Selbst oder auch Ego, das fühlt und denkt separat zu sein.

Das Denken ist der Leim, mit dem der Verstand die Lücken zwischen den Bildern dieses Lebens zukleistert. Eine enorme Arbeit des Verstandes.

Das normale menschliche Leben ist somit nicht mehr als ein Daumenkino, bewegt von dem Wind der Stille, bis die letzte Seite aufgeblättert ist, der persönliche Film verlischt und in der Leere versinkt, die das Potenzial für alle Filme ist.

Das Gefühl und der Gedanke ein Leben zu haben kann allerdings auch vor der letzten Seite enden. Dann sinkt alles ein in Wahrnehmung Dessen, in dem Dies alles als Form zu erscheinen scheint.

Dann wird gesehen das Dies einfach liebende Lebendigkeit IST und auch als Form der menschlichen Existenz erscheinen kann.

Die Quelle schaut nun unvermittelt durch die Form auf Sich in bunten Bildern ohne das Geschwätz des Verstandes und freut sich mit den Augen eines staunenden Kindes an dem prächtigen Feuerwerk der Formen.

Im Bewusstsein der reinen Qualität des Spiegels beginnt die Reise der Wahrnehmung der Reflektion, ohne je davon berührt zu werden.

Ego
Februar 29, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Ego

22.7.2011

Das Bewusstsein, das sich selber reflektiert und sich selbst zum Gegenstand von Betrachtung erfährt, erlebt sich durch diesen Prozess als Selbst-Bewusstsein.

Da aber auch das sich selbst beobachtende Bewusstsein keine anderen Qualitäten aufweist als das sich nicht selbst beobachtende Bewusstsein, ist das Selbst oder auch das Ego nicht das Selbst-Bewusstsein an sich, sondern es entsteht lediglich bei dem Akt des Beobachtens des Bewusstseins, das sich selbst beobachtet, eine Reflektion, die auf sich selbst zurückgeworfen wird, ein eher unbestimmtes Gefühl.

Eine Reflektion, die sich im Spiegel der Bewusstheit selber reflektiert. Gewissermaßen ein Abfallspaltprodukt, dessen Reststrahlung eine Hintergrundstrahlung verursacht. Ein Hintergrundrauschen, das sich selber beim Rauschen hört.

Allein der Vorgang dieser Reflektion erzeugt das Gefühl der unabhängigen Selbstexistenz und wird dann durch reflektorisches Denken unterstützt.

Was für ein gewaltiger Selbstbetrug.

Dieser „innere“ reflektorische Vorgang ist schon alles, worauf der Mensch seine gesamte sogenannte eigenständige Existenz begründet.

Es entsteht der Glaube ein Leben zu haben, statt ein Ausdruck des Lebens zu sein.
Dieser Glaubenssatz wird fast nie hinterfragt.
Dieser Glaube, genannt auch Ego oder Selbst, ist alles, was trennt.
Eine winzige Reflektion auf den Wellen des Ozeans der Unendlichkeit.

Der Mensch, mit dem ungeprüften Glaubenssatz ein unabhängiges Selbst zu sein, wandelt buchstäblich in der Luft ohne festen Grund. Das erzeugt ungeheure Angst.

Diese Angst führt zu Aktivität, die mit Lebendigkeit verwechselt wird.
Willkommen in dieser Welt.

Hier wird jeder Mensch zum Priester der Sekte des heiligen Selbstbetruges ausgebildet.
Die Messe in dieser Kirche wird vierundzwanzig Stunden pro Tag und sieben Tage in der Woche zelebriert.
Sie dient der Zementierung des Glaubenssatzes der unabhängigen Selbstexistenz.
Beweise sollen die Angst bezwingen.

Jedoch sind alle Beweise vom Ego selber konstruiert worden.
Es ist ein Schneeballsystem des Selbstbetruges.

Die letzte Verteidigungslinie lautet: „Aber wenn ich Beweise konstruieren kann, die letztlich durch die Selbstkonstruktion entstehen, so bin ich!“

Das wäre so, als wenn sich die Reflektion in einem Spiegel für permanent existent erklären würde, weil es das reflektierte Objekt vor dem Spiegel als seine Wirkung erklären würde.

Das Gefühl des Egos ist eine Auswirkung des Lebendigseins und nicht die Ursache des Lebens.
Die Ursache könnte man als Quelle bezeichnen, in der Dies alles so erscheint.

Das Ego möchte nicht sterben.
Das Paradox ist, dass das Ego nie gelebt hat.

All das sind Geschichten über das Unerklärbare.
So wie diese Geschichte hier.

Ein Sonnenstrahl gleitet durch die Wolkendecke, die den blauen unendlich weiten Himmel zu bedecken scheint, und wandert über die Erde wie ein Finger aus Licht.

An einer Felswand einer Schlucht bricht sich das Licht in glänzendem Gestein und die wunderbarsten farbigen Reflektionen spiegeln sich unzählige Male wieder und wieder. Das ganze Tal ist erfüllt mit Regenbogenlichtern und glitzernden Farbspielen.

„Oh, wie wunderbar, wie wir alle glitzern und diese Welt in Farbenpracht hüllen“, jubeln die Reflektionen und rätseln über den geheimnisvollen Sonnenstrahl, der die Felswand entlangwandert.

Doch viele Reflektionen beschäftigen sich lieber mit der Farbenpracht und unterteilen sie in Kategorien und geben sich Namen, wie blau, gelb oder rot. Diese dann wurden von anderen Reflektionen wieder in Unterkategorien unterteilt, um dann diese noch weiter zu unterteilen. Denn die ersten groben Farbunterteilungen waren doch vielen Reflektionen nicht genug.

So fühlte sich oft eine Reflektion mit dem Namen Indigoblau als das bessere Blau, besonders im Vergleich mit einem simplen Hellblau.

Der Sonnenstrahl wanderte das Tal entlang. Die Reflektionen wurden geboren und vergingen. Dann erreichte der Sonnenstrahl das Ende des Tals, um schließlich seine Reise über den angrenzenden Ozean fortzusetzen.

Die letzten Reflektionen am Ausgang des Tales erzählten sich flüsternd Geschichten aus längst vergangenen Zeiten, in denen das Tal förmlich in allen Farben geglüht habe, und ihre verblassenden Farben sangen ein letztes Lied über die Kürze des Lebens. Und dann war Dunkelheit.

Der Sonnenstrahl tanzte weiter über das Meer und sein Licht brach sich an der Wasseroberfläche in wundervolle Farben und kleine Wellen warfen sich Regenbogenlichter zu.

Selbst-los
Februar 22, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Selbst-los

10.7.2011

Das Anschauen des Nichts, das alles allem gleichgestellt sein, das Bedeutungslose und Inhaltslose das sich manifestiert und auflöst. Dies öde trockene Etwas in dem Substanzlosigkeit und Sinnlosigkeit wahrgenommen wird, trocknet alles aus.

Die Wahrnehmung des Wahrgenommenen, die Bedeutung dessen oder auch die Nichtbedeutung ist durchdrungen von Trostlosigkeit und faden Geschmack.

Es ist ein dunkles Leben, dessen einziger Lebensinhalt darin zu bestehen scheint dies mit Gleichmut zu ertragen und endlos anzuschauen bis zum letzten Tag, ohne Ausweg, ohne Hoffnung da es überall zu sein scheint.

So verging eine lange Zeit.
Scheinbar.

Und dann scheinbar grundlos erhebt sich aus dieser Tristesse, die scheinbar andere Seite der Medaille, das Alles des Nichts.
Die Schau ist überwältigend.
Dort wo früher alles gleich tot aussah, wird nun die gleiche Lebendigkeit in den Formen gesehen.

Ein Schleier scheint abgefallen, der alle Formen gleich inhaltslos erscheinen ließ und Gleichmut in Gleichgültigkeit zu verwandeln drohte.
Die Verzweiflung löst sich in Rauch auf und der Rauch steigt in Stille kerzengerade in den blauen Himmel der wolkenlos die Welt umspannt.
Doch es fehlt noch mehr als dieser Schleier und die Vision der düsteren verzweifelten Welt.
Zu Rauch ist auch der geworden der in der Tristesse der Leidende war und verzweifelt nach Befreiung suchte. Diese getriebene Suche nach Glück, Liebe und Wahrheit.
Der Leidende ist weg.
Der Suchende ist weg.

Die Suche nach ihm ergab, das er nie da war, ebenso nicht die düstere Welt mit seinem Leid und den furchtbaren Geschichten.
Doch wer untersuchte jetzt das was scheinbar nie gewesen war?
Der Blick fällt nach innen und es wird niemand wahrgenommen.
Also niemand ist hier. Wer das sieht ist unbekannt.
So bleibt nur das der Jemand selbst der Schleier war der die Welt verdunkelte und die Suche nach dem Licht anstiftete.

Doch das Licht ist immer da, das kann nun mühelos gesehen werden, wenn auch von niemand. Der offenbarte Reichtum glitzert und blitzt im Schein des ewigen anfangslosen Lichtes. Hier lädt alles zum Verweilen ein, das Paradies ist offenbart.

Sonst hat sich nichts geändert und damit alles.

Subtil ist die Versuchung, fein die Falle, das hier als Ziel erfahren zu wollen, obwohl sogar das Wollen abgefallen ist. Das ist ein Rätsel.
Sogar niemand kann ergriffen werden von dieser Pracht.
Als ob Dies, als Verführung, sich selbst verführt um zu bestehen oder um nicht zu bestehen.
Alles ist willkommen, ohne etwas vorzuziehen.

Nun hilft scheinbar der trainierte Gleichmut, die gedrillte Geduld das Nichts ertragen zu müssen, als Jemand noch das Glück jagte.
Das hilft zwar niemand, doch so trägt die Ruhe oder umgekehrt diese Ruhe trägt das Alles einfach auch als Nichts gesehen wird. Und so erhebt sich Dies unberührt aus sich heraus und sinkt in Dies auch wieder unberührt ein.

Mühelose Manifestation von Nichts in Allem und Allem in Nichts, gestreichelt von niemand klaren Blick.
So wird gesehen das auch in der Fülle des Nichts alles gleich Ist.

Kein Greifen, nur Freiheit auch von Allem.
Unberührbar, unbefleckbar, nur Sehen dessen.
Da ist nur Gleichmut. Das Jemand verschwand in niemand.
Jemand war nie gewesen.
Niemand wird nie sein.
Dies schaut.
Wahrnehmung ist das Wahrgenommene, das sich wahrnimmt.
Einfach.

Doch am Ego selbst ist nichts verkehrt. Es ist Dies das als Ego erscheint. Das Ego ist das Selbst das unglücklich im Schatten nach dem Licht umher sucht, im Schatten den es selber wirft.
Das beendete Unglück ist das Ende des Egos, nicht mehr und auch nicht weniger.

Selbst-los.

Es gibt keine zwei Seiten einer Medaille.
Das Eine IST, das scheinbar als zwei erscheint.
Na und, die Welt endet nicht.
Wahrnehmung endet nicht.
Der Traum bricht nicht zusammen, obwohl auch das geschehen kann.

Alles ist so wie vorher.
Alles ist fundamental neu!

IST
Februar 17, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

IST

08.7.2011

Das Gesehene, also das Wahrgenommene, und das, was Wahrnimmt, ist Eins.
Es ist nicht so, als ob der Körper bei der Wahrnehmung mit dem Wahrgenommenen verschmilzt.
Tatsächlich ist einfach nichts da und Wahrnehmung geschieht.

Es ist Nacht.
Das offene Fenster bildet den Rahmen für den sinnflutartigen Regen, der vom Himmel auf die Erde stürzt.
Es gibt da kein Wissen über Regen, der am Fenster vorbeiströmt, und es gibt auch kein Regen oder Fenster, das nicht Wahrnehmung sein könnte.

Kein Wahrnehmender, der Wahrnehmung wahrnimmt.
Wahrnehmung ist total.

Regen ist total und ist Dies, regnend, zeitlos wahrnehmend in Zeitlosigkeit.
Also regnet es immer bis es nicht-immer regnet.
Dies sieht Sich aus sich heraus und ist zeitlos Sicht und das Gesehene zusammen, ohne zwei Seiten einer Medaille zu sein.

Bei diesem totalen Sehen brach die Sicht nicht in sich zusammen, wie es scheinbar manchmal geschieht, kein Black-out, einfach nur Dies.

Vollkommend selbstbefreite Wahrnehmung, ohne dass etwas befreit wurde.
Kein Ort, keine Zeit, nur Wahrnehmung ohne Bezug.

Dann anscheinend einen Schritt zurück.
Nun Sehen aus dem selbstlosen Zentrum. Hier sieht niemand, selbst-los.

Niemand, der sieht, kann nicht gefunden oder erfahren werden.
Es gibt aber eine scheinbare Referenz zu einem gefühlten Wissen, dass das Zentrum früher mit etwas besetzt gewesen sein könnte und nun nicht mehr.

Das ist mehr ein Gefühl, dass etwas abgefallen ist, als ein Wissen, was es war. Die Beschreibung von einem Selbst oder einem Ego ist bekannt, nur die Bedeutung ist verloren gegangen.

Es gibt Geschichten über das Leben mit Zentrum als Selbst, aber das ist nicht das Wissen direkt, wie das Leben des Selbst ist. Doch es gibt keine Möglichkeit es zu rekonstruieren und es erscheint anscheinend auch keine Absicht dazu.

Dies scheint unumkehrbar und erfährt sich selbstlos.
Dies ist so unspektakulär und einfach.

Es ist so, als ob sich das Sehen ohne Zentrum in sich selbst verzehrt und übrig bleibt was immer IST, pure Wahrnehmung.

Wahrnehmung ist nur ein Wort, doch tatsächlich ist Wahrnehmung die größtmögliche Näherung einer Beschreibung Dieses, das nicht beschrieben werden kann, aber ohne Zweifel bei vollem Bewusstsein wahrnimmt.

Das kann nur beschrieben werden als Rückblick aus dem Zentrum ohne etwas. Es ist das Malen eines Bildes mit Farben aus Worten und die Wirklichkeit erstarrt sofort beim ersten Pinselstrich, beim ersten Satz.

Beschreibung bei IST Wahrnehmung ist dann schon Schreiben aus dem Zentrum ohne etwas und ist Nicht-IST-Wahrnehmung.
IST-Wahrnehmung ist Lebendigkeit formlos sehend, im Gewahrsein der Formlosigkeit wissend, dies entspringt jedem Wissen des Seins, ohne es je integrieren zu können, da Alles IST.

Die Beschreibung ist das Zerlegen des IST in Beschreibungen und fällt somit sofort in Raum und Zeit auseinander.

Die Sätze, „Regen IST zeitlos Sehen und es regnet zeitlos immer und dann ohne Ursache ist Regen zeitlos nicht. Dies IST Regen Bewusstheit regnend und Lebendigkeit in sich selbst ausdrückend. Dies IST zeitlose Reglosigkeit in Bewegung, bewusst lebendig. Regen nimmt sich als Regen innerhalb des regnens bewusst wahr, ist regnendes Bewusstsein sich wahrnehmend. Wasser, das sich selber trinkt.“ sind für Jemand eine Geschichte, vielleicht noch eine unverständliche dazu.

Doch ist Niemand da, ist es Wahrheit und die Wirklichkeit IST einfach.

IST-Geräusch, IST-Himmel, IST-Regen.

Keine Möglichkeit einer sinnvolleren Erklärung für Dies. Außer Dies zu Sehen, und dann braucht es keine Erklärungen.
IST-Wahrnehmung hat kein Bezugsobjekt, keinen Referenten, das ist nicht möglich.

Das Beobachtete ist der Beobachter als wahrnehmendes Bewusstsein.

Ein Jemand nimmt die Wirklichkeit als fest und wahr.
DIES erscheint als Jemand im So-Sein.
Niemand sieht die Unmöglichkeit der Wirklichkeit.
DIES erscheint niemandem.
IST-Wahrnehmung ist Wirklichkeit, die all Dies IST.

Erklärungen des Unerklärlichen
Februar 15, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Erklärungen des Unerklärlichen

07.7.2011

Nichts IST, ohne Raum, ohne Zeit, ohne Ort.
Alles IST, Alles gleichzeitig, anfangsloses ursachloses Potenzial.
Jetzt ist Zeitlosigkeit, Nicht-Zeit.
Dies Ist Es zusammen, da Es untrennbar ist.
Deswegen Ist es nicht-existent, Ist zeitlos, Ist unbewegt.
Deswegen Ist es Jetzt und erscheint als Zeitform in sich selbst.
Unbewegt als Bewegung, Zeitlosigkeit als Zeit – scheinbar.
Es Ist Nicht-Horizont aller Ereignisse, ob sie sich nun ereignen oder nicht-ereignen.

Wenn Alles in Nichts gleichzeitig, also ohne Zeit, in Abwesenheit von Zeit, als Nicht-Zeit, sich als unendliche Möglichkeit entfaltet, bricht Nicht-Horizont zusammen.
Da Dies aber Nicht-Möglichkeit Ist, bricht es auch in Zeitlosigkeit nicht zusammen, da ALLES auch NICHT unendlich Jetzt ist, somit Alles Ist.
Denn wie könnte ALLES in Zeitlosigkeit, zu NICHT-ALLES der unmanifesten unendlichen Möglichkeit werden, ohne Dies schon immer zu sein?

Durch betrachten, dass Nicht-IST, ist die Betrachtung des ALLEM aus der Perspektive der unendlichen Möglichkeit des Potenzials in Jetzt, der zeitlose Moment.
Sehen ist Nicht-Zeit.
Sehen, das sich Selbst sieht.

So ist ALLES gleich NICHTS ohne Zeit das Eine.
Das ist absolute Ruhe in absoluter Bewegung und absolute Bewegung in absoluter Ruhe.
Die Polarität, ohne Polaritäten zu sein, bricht zusammen im Jetzt, also Zeitlos, und die Polarität wechselt zu NICHTS das ALLES IST und bricht ebenfalls in Zeitlosigkeit zusammen, vor ihrem Entstehen.

Somit ist NICHTS und ALLES gleichzeitig existent und gleichzeitig nicht-existent in Zeitlosigkeit.

Der relative Geist kann sich Dies nur als zwei Seiten einer Medaille vorstellen, aber so wäre es nur in der scheinbar existenten Zeit.
Dies Ist gleichzeitig Nichts und Alles zeitlos, und somit kein Paradox, sondern einfach IST.

Das ist dieselbe Schau, wenn aus Jetzt durch Beobachtung scheinbar Ewig (also eine Zeitform) wird und da das nicht geht, wieder Nichts zu Jetzt, IST zeitlos.

Durch die Beobachtung an sich erfolgt das Sterben und Werden. ES schwingt ohne Bewegung in Jetzt, also im Nullmoment in sich selbst.
Somit ist das Geschwungene und die Schwingung identisch.

Das Sehen des IST ist Jetzt, also nie.
Das absolute Potenzial in sich ruhend, selber widerspiegelnd im jetzigen Moment der Zeitlosigkeit, ist IST.

Das kann gesehen werden, nur angesichts der Schönheit der Schau und der Unzulänglichkeit von Worten sind die Beschreibungen nur eine diffuse Reststrahlung des Sehens und verblassen zu dem, was sie sind, Erklärungen des Unerklärlichen.

Die Harmonie des Sehens in Alles wird zur Schau von Allem, das Nichts zu berichten hat. Die zeitlose Schau in Jetzt der Zeitlosigkeit, die in Nichts stirbt, und geboren wird das Alles IST.

Hier gibt es keine Erklärung, die Schau wird nur beschrieben, wie es aus der Sicht hervor steigt und sich in der Sicht auflöst.

Völlige Stille.

Sturm der Stille
Februar 11, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Sturm der Stille

06.7.2011

Gehen ohne Ziel, der Blick ein paar Meter voraus auf den Boden gerichtet, der Kopf gleichzeitig voll und leer. Jede einzelne Zelle im Körper scheint zu brennen, die Wahrnehmung überflutet, Gedanken entleeren explosionsartig ihren Inhalt. Alles gleichzeitig brutal direkt, unvermittelt und gleichzeitig wie ein flüchtiger Kuss einer unbekannten Liebe.

In diesem Feuer setzt der Körper längst vergessene Erlebnisse frei, die intensiver erscheinen als zum Zeitpunkt des Erlebens.

Geräusche, Gerüche, Gefühle entfalten sich dazu wie der Duft einer wunderschönen Blume. Projizierte Bilder, Sehnsüchte und Verzweiflung erscheinen besitzergreifend und lösen sich bei der nächsten Regung rückstandslos auf. Um dann mit aller Kraft wieder zu erscheinen und wieder zu verschwinden.

Der Geist ist unbewegt, das Hirn stumm und Schweigen ist die Antwort auf den Sturm. Gehen ist wie eine Meditation und die Gespräche der Menschen umher verhelfen der Stille sich zu zeigen, der Stille in der Alles erscheint.

Auch Dieses.

Die Sonne strahlt über das Dach gegenüber des kleinen Cafés, zu dem die Füße wie von selber gingen.

Schreiben mildert den Druck im Kopf und kühlt die brennenden Zellen des müden Körpers.

Alles ist ohne Mühe perfekt an seinem Platz.

Die Welt fügt sich immer wieder aufs Neue zur anbetungswürdigen Schönheit zusammen.

Aus der Stille gebiert sie sich selbst, nur um für sich selbst zu blühen und um im gleichen Moment in sich zu sterben.

Welch zwecklose Schönheit ohne Absicht zu gefallen, lieg ich DIR zu Füssen und DEIN Herz küsst meine Stirn mit glühenden Lippen.

Ein Trompeter bläst vom Turm auf dem Platz und die Töne verklingen im Abendhimmel. Ein Taxi fährt vorbei.
Das Ist ALLES.

Wahrnehmung
Februar 5, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Wahrnehmung

05.7.2011

Ein unerhörter Strom von Lichtketten, Lichtwolken, Lichtfetzen mit einer unmenschlichen Geschwindigkeit schießt durch den Körper, so scheint es.

Der Körper ist diesem unaufhörlichen Strom leer und mit einer Hülle wie aus dünnem Papier ausgesetzt. Wie erstarrt und gleichzeitig mit jeder Faser vibrierend liegt der Körper im Bett. Jegliches bekannte Wollen scheint ausgelöscht, jegliches bekannte Körpergefühl scheint ausgelöscht und Bewegen scheint kaum möglich.

Alles scheint zu sterben. Das Körpergefühl schmilzt und es bleibt nur Wahrnehmung.
Es ist nichts Glückseliges oder Euphorisches in dem, nur reine Wahrnehmung in vollem Bewusstsein.

Angst taucht nicht auf.

Es gibt kein Ort, wo Angst auftauchen könnte.
So etwas wie Einverständnis taucht auf und die letzten dünnen Grenzen scheinen wegzuschmelzen.
Einverständnis taucht aus sich selber auf, weder Körper noch Geist, noch irgendwas ist dabei involviert.
Jede Zelle vibrierend fällt endlos in leuchtende Leere, durchströmt von reiner Lebendigkeit.

Irgendwie wird aus dem Endlosstrom etwas fixiert und entlädt sein Inhalt im gleichen Augenblick. Bilder, Ereignisse, Einblicke, es gibt keine Begrenzung.
Wie das geschieht, es gibt keine Worte dafür.

Manche dieser Inhalte können einen Sinn geben, das bedeutet, es kann irgendwie eine Beziehung zwischen gesehenem Inhalt und dem Sehen hergestellt werden, und dann entstehen Worte, die auf Papier erscheinen.
Das Meiste dessen geht verloren, die Geschwindigkeit ist zu hoch oder der Körper zu langsam.

Es ist, als ob ein Fernsehgerät alle Kanäle gleichzeitig anzeigt.
Allerdings nicht in kleinen Bildchen nebeneinander, sondern tatsächlich alles gleichzeitig, übereinandergelegt, ineinander verschlungen, sich durchdringend.

Der Körper ist entsetzlich müde.

Dann ist da oft ein Kommentar, der aber keine Stimme ist, die von irgendwo kommt. Es ist mehr eine Gewissheit zu wissen, was zu tun oder zu lassen ist. Ein Wissen, was anweist dieses anzuschauen oder jenes zu lassen oder das nicht anzufassen. Das ist diese Gewissheit, die man aus Gewohnheit Stimme nennen könnte, und sie ist immer richtig. Es gibt da keine Fehler.

Und doch ist es nur eine Erfahrung der Fehlerlosigkeit.
Stille als fehlerlose Gewissheit. Bedeutungslos angesichts der Unermesslichkeit dessen, was sich offenbart.

Ab und zu scheint es so, als ob das Gehirn versucht irgendein Teil des Mechanismus anzuwerfen, aber die gewohnten Automatismen mit ihren Interpretationen funktionieren nicht mehr.

Manchmal hört sich das an wie ein altes Echo aus einer tiefen Schlucht, bis es schließlich wieder verstummt. Der Mechanismus scheint zu zerfallen und die einzelnen Teile, so ist die Vermutung, zerfallen selbst weiter in Teile.
Vermutung deshalb, weil es keine Reflektion über das alte Innenleben gibt.

So ist Vermutung das Einzige, was verbleibt, wenn sich Aufmerksamkeit darauf richtet. Das ist aber nicht oft der Fall. Dort wo mal etwas gewesen zu sein scheint, ist Leere. Leere, die Stille Ist und die wahrnimmt.
Da das nicht durch Rückmeldung bestätigt werden kann, kann nur durch die Auswirkungen geschlossen werden, dass da nichts ist.

Vieles von dem, was da im Strom der Sicht vorüber zieht, gibt überhaupt keinen Sinn. Es gibt keine Möglichkeit, das irgendeinem Kontext zuzuordnen, und es gibt nichts, was man dazu niederschreiben könnte. Es gibt keinen bekannten Bezugsrahmen, der sinnvolle Worte für dies bereitstellt.

Das betrifft das Allermeiste von dem, was sich offenbart.

Humane Interpretationskontexte scheinen in der Unermesslichkeit des Gesehenen eher selten.
Alles passiert, wenn man das überhaupt so beschreiben kann – denn es passiert nichts – sondern es IST jetzt alles. Und dies wird vom gesamten Körper wahrgenommen. Wahrnehmung dessen geschieht überall gleichzeitig.

Es gibt keinen bevorzugten Ort im Körper für Wahrnehmung wie den Kopf oder die Augen. Die Hand, der Fuß, der Oberkörper „sehen“ genauso.
Alles nimmt wahr, ununterbrochene, uninterpretierende Wahrnehmung, nur Ist sehend.

Manchmal ist der Druck des Sehens so hoch, dass sich Bewusstsein vom Körper zu trennen scheint. Wie eine kleine Ohnmacht, die nur Millisekunden zu dauernd scheint. Als ob ein Stromkreis zusammenbricht und sich wieder aufbaut. Doch weder Bewusstsein noch Wahrnehmung geht verloren.

Doch dann wird nur Leere, Stille ohne Inhalt gesehen, und obwohl es dann so scheint, als ob das Sehen auch zusammenbricht, sieht das Sehen weiter. Es sieht dann nur Nichts. Der Zusammenbruch des inhaltlichen Sehens wird währenddessen wahrgenommen und nicht später rekonstruiert.

Also sehende Wahrnehmung als Sehen bleibt auch dann bestehen, auch wenn Nichts gesehen wird.
Es sieht so aus, als ob Sehen unabhängig vom System Mensch erfolgen kann. Das Sehen seiner selbst benötigt kein menschliches Wesen, aber es ist auch durch ein menschliches Wesen möglich. Die Menschen sind weit davon entfernt, die Krone irgendeiner Schöpfung zu sein. Sie reihen sich nur ein in einer unbeschreiblich großen Anzahl von fühlenden wahrnehmenden Erscheinungsformen.

Für die Beschreibung des Gesehenen braucht es scheinbar diesen menschlichen Körper, da eben für Menschen geschrieben wird.

Dies braucht nichts, auch keine Menschen. Dies erscheint unter vielem anderen auch als Mensch. Eine kleine Welle auf dem endlosen Ozean der Tiefe.

Ein Rückschluss, dass der alte Mechanismus mit seinem ich und selbst kaputt sein muss, ist, dass er Dies sicher nicht aushalten würde.
Der zweite Rückschluss ist, dass wenn er noch da wäre, dieses Schreiben nicht funktionieren würde. Die Direktheit des Sehens erlaubt keine Reflektion oder ein mechanisches Aufnehmen und Wiedergeben.

Gewissheit, dass der Mechanismus kaputt ist, beziehungsweise nicht mehr da ist, gibt es nur indirekt. Die Leitung zum Maschinenraum ist gekappt worden und es gibt keine Regung sie auch wieder herzustellen.

Da ist nur Sehen und es erfordert alle Kraft.
Und diese Kraft wird mit dem Sehen zur Verfügung gestellt und dient nur dem Sehen selbst.

Der Körper hat fast keine Kraft für etwas anderes als für sich selbst.
So bleibt es beim Sehen und sonst nichts.

All dies ist in endloser Stille und die Schau ist grandios, endlos tief, leuchtend und voller Wunder.

Schönheit
Februar 1, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Schönheit

03.7.2011

Am Morgen ist die Stadt ruhig.
Der Regen befreit sanft die Dächer und Straßen vom Staub der heißen trockenen Tage der letzten Woche.
Im grauen Himmel gleiten wenige Vögel und heben sich wie kleine schwarze lebendige Punkte vor der tief dahin hinziehenden Wolkendecke ab.

Die Geräusche der Straßenbahn ein paar Meter weiter auf der Hauptstraße erheben sich in der Stille in regelmäßigen Abständen.Sie geben den Takt des Lebens in der Stadt an diesem Sonntagmorgen an.
Das Klingeln beim Abfahren, das Geräusch der Elektromotoren wenn die Bahn anfährt und das Rattern der schweren Eisenräder, die ihre Spur auf den Schienen nicht verlassen können, bis zu dem Moment wenn sie vielleicht bei einem Unfall aus der festgefahrenen Bahn geworfen werden, oder der Schrottplatz sie willkommen heißt.

Die wunderschöne rote Blume auf dem Balkon blüht in ihrem Kasten und füllt fast den gesamten Raum in ihrem Gefäß aus.
Die anderen zwei oder drei Pflanzen, die ebenfalls in diesem Kasten gepflanzt waren, haben den Winter nicht überlebt.

Und nun scheint es so, als wenn diese eine Blume für alle blüht und deren Platz mit einnimmt, ganz in Stille und im Rahmen ihrer Möglichkeiten, um so viele Blüten zu tragen wie sie vermag.

Und der Himmel gießt ihre Erde.

Gestern im anderen Land wurde gesehen, wie die Ordnung und Disziplin auf Angst basiert.
Alles ist sauber und ordentlich in Reih und Glied. Für alles gibt es einen Plan. Nichtfunktionieren und Zufall scheinen ausgeschlossen zu sein.

Sicherheit hat eine hohe Priorität.
Das Land ist sauber und die Menschen haben Pläne. Spontanität und Liebe scheinen in diesen Plänen keine besondere Rolle zu spielen.
Es geht mehr um Funktion, Pflicht und Schuld.
Besonders Schuld an Taten aus der Vergangenheit heraus, die ihnen allerdings nur vom Hörensagen bekannt sind, denn inzwischen sind die allermeisten Täter selbst Geschichte.

Es ist eine Nation wie eine Arbeitsmaschine, monolithisch und mechanisch.
Das Feld wie besessen pflügend, wie um unter der gebrochenen Scholle die verlorene Unschuld wieder zu entdecken, wie um endlich Ruhe zu finden.

Die Ruhe jedoch kommt von nirgendwo.
Der Ruhe kommt mit der Stille, wenn die Mechanik zerbricht und das Mechanische nicht wiederkommt.
Aus dieser Stille erhebt sich alles und dort sinkt es wieder ein.
Ein Atem aus Liebe im Rhythmus der Gnade des Erscheinens, in Formen gegossen und sich wieder auflösend in Nichts, aus dem alles zu stammen scheint.

Die einzelne Blume in ihrem Kasten blüht und ihre roten Blüten senden ihre Schönheit absichtslos und ohne Hoffnung aus.

Sie blüht für nichts, und so ist Schönheit immer da.

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