Selbst-los
Februar 22, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Selbst-los

10.7.2011

Das Anschauen des Nichts, das alles allem gleichgestellt sein, das Bedeutungslose und Inhaltslose das sich manifestiert und auflöst. Dies öde trockene Etwas in dem Substanzlosigkeit und Sinnlosigkeit wahrgenommen wird, trocknet alles aus.

Die Wahrnehmung des Wahrgenommenen, die Bedeutung dessen oder auch die Nichtbedeutung ist durchdrungen von Trostlosigkeit und faden Geschmack.

Es ist ein dunkles Leben, dessen einziger Lebensinhalt darin zu bestehen scheint dies mit Gleichmut zu ertragen und endlos anzuschauen bis zum letzten Tag, ohne Ausweg, ohne Hoffnung da es überall zu sein scheint.

So verging eine lange Zeit.
Scheinbar.

Und dann scheinbar grundlos erhebt sich aus dieser Tristesse, die scheinbar andere Seite der Medaille, das Alles des Nichts.
Die Schau ist überwältigend.
Dort wo früher alles gleich tot aussah, wird nun die gleiche Lebendigkeit in den Formen gesehen.

Ein Schleier scheint abgefallen, der alle Formen gleich inhaltslos erscheinen ließ und Gleichmut in Gleichgültigkeit zu verwandeln drohte.
Die Verzweiflung löst sich in Rauch auf und der Rauch steigt in Stille kerzengerade in den blauen Himmel der wolkenlos die Welt umspannt.
Doch es fehlt noch mehr als dieser Schleier und die Vision der düsteren verzweifelten Welt.
Zu Rauch ist auch der geworden der in der Tristesse der Leidende war und verzweifelt nach Befreiung suchte. Diese getriebene Suche nach Glück, Liebe und Wahrheit.
Der Leidende ist weg.
Der Suchende ist weg.

Die Suche nach ihm ergab, das er nie da war, ebenso nicht die düstere Welt mit seinem Leid und den furchtbaren Geschichten.
Doch wer untersuchte jetzt das was scheinbar nie gewesen war?
Der Blick fällt nach innen und es wird niemand wahrgenommen.
Also niemand ist hier. Wer das sieht ist unbekannt.
So bleibt nur das der Jemand selbst der Schleier war der die Welt verdunkelte und die Suche nach dem Licht anstiftete.

Doch das Licht ist immer da, das kann nun mühelos gesehen werden, wenn auch von niemand. Der offenbarte Reichtum glitzert und blitzt im Schein des ewigen anfangslosen Lichtes. Hier lädt alles zum Verweilen ein, das Paradies ist offenbart.

Sonst hat sich nichts geändert und damit alles.

Subtil ist die Versuchung, fein die Falle, das hier als Ziel erfahren zu wollen, obwohl sogar das Wollen abgefallen ist. Das ist ein Rätsel.
Sogar niemand kann ergriffen werden von dieser Pracht.
Als ob Dies, als Verführung, sich selbst verführt um zu bestehen oder um nicht zu bestehen.
Alles ist willkommen, ohne etwas vorzuziehen.

Nun hilft scheinbar der trainierte Gleichmut, die gedrillte Geduld das Nichts ertragen zu müssen, als Jemand noch das Glück jagte.
Das hilft zwar niemand, doch so trägt die Ruhe oder umgekehrt diese Ruhe trägt das Alles einfach auch als Nichts gesehen wird. Und so erhebt sich Dies unberührt aus sich heraus und sinkt in Dies auch wieder unberührt ein.

Mühelose Manifestation von Nichts in Allem und Allem in Nichts, gestreichelt von niemand klaren Blick.
So wird gesehen das auch in der Fülle des Nichts alles gleich Ist.

Kein Greifen, nur Freiheit auch von Allem.
Unberührbar, unbefleckbar, nur Sehen dessen.
Da ist nur Gleichmut. Das Jemand verschwand in niemand.
Jemand war nie gewesen.
Niemand wird nie sein.
Dies schaut.
Wahrnehmung ist das Wahrgenommene, das sich wahrnimmt.
Einfach.

Doch am Ego selbst ist nichts verkehrt. Es ist Dies das als Ego erscheint. Das Ego ist das Selbst das unglücklich im Schatten nach dem Licht umher sucht, im Schatten den es selber wirft.
Das beendete Unglück ist das Ende des Egos, nicht mehr und auch nicht weniger.

Selbst-los.

Es gibt keine zwei Seiten einer Medaille.
Das Eine IST, das scheinbar als zwei erscheint.
Na und, die Welt endet nicht.
Wahrnehmung endet nicht.
Der Traum bricht nicht zusammen, obwohl auch das geschehen kann.

Alles ist so wie vorher.
Alles ist fundamental neu!

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Ich habe diese Stille schon erfahren. Doch es scheint als ob sie immer wieder entgleitet. Wie kann ich Stille dauerhaft erfahren?
Februar 15, 2012

Fragen eines Freundes

09.01.2012

 

Ich habe diese Stille, diese Ruhe im Kopf, schon erfahren. Doch es scheint so als ob sie mir immer wieder entgleitet, als ob sie verschwindet. Wie kann ich diese Stille dauerhaft erfahren?

Du kennst schon die einzige Bedingung, während wir hier dieses Gespräch über Stille führen, oder? Diese Bedingung ist notwendig, damit überhaupt ein Gespräch stattfinden kann, damit beim Frager dies ankommt, dies was mittels des Sprechers ausgedrückt wurde. Die Bedingung ist ein vorurteilsfreies Zuhören dessen, was bei der Antwort ausgedrückt wird. Kein Annehmen, kein Ablehnen, kein Ignorieren, einfach nur still zuhören. Das scheint recht einfach und ist gleichzeitig die schwierigste Aufgabe, die wir von unserem zersplitterten ruhelosen Verstand verlangen können.

Wie du selbst bemerkst, kämpfst du schon mit dieser kleinen Bedingung. Wie wird es dann erst mit der Antwort sein? Vielleicht gefällt dir die Antwort und sie passt in dein Konzept von Wahrheit und Wirklichkeit. Dann wirst du zustimmen und die Antwort als weise preisen. Dann speicherst du sie ab unter „gute Antwort“. Oder, du lehnst sie kategorisch ab, ja sie macht dich sogar wütend. So sollte die Antwort nicht sein, sagst du. Du empfindest die Antwort als nutzlos, denn sie bringt dich nicht weiter. Vielleicht sagt du einfach, das verstehe ich nicht und wendest dich irgendeiner anderen Beschäftigung zu und vergisst sogar deine Frage vollständig. All das ist eine mögliche Reaktionsform.

Du kennst all diese Reaktionsformen genau. Es ist die Art wie wir Menschen ständig reagieren. Es ist unser mechanischer Reaktionsautomatismus, er unterstützt die Blase in der wir gewöhnlich bis zum Tod eingehüllt bleiben. Wenn wir sterben reißt diese Hülle auf und wir erhaschen ein Blick auf das Unvorstellbare, auf das Undenkbare.

Die Blase sollte eigentlich unserer Sicherheit dienen, doch nun ist es ein Gefängnis geworden und wir drohen darin zu ersticken. Deine Frage ist ein Ausbruchversuch aus dem Gefängnis. Die Antwort kann die Strickleiter sein, die dir hilft ein Blick über die Mauern zu werfen, doch klettern musst du selber. Die Frage ist doch ob du den Mut hast die paar Sprossen hochzuklettern. Bist du mutig genug?

Also gut, dann klettern wir ein paar Sprossen gemeinsam empor.

Stille an sich ist kein Objekt was erlangt wird und von jemand erfahren werden kann. Erkennt sich Stille als Stille in Form, zum Beispiel in der Form eines Menschen, so verschwindet dieser Jemand. Es verschwindet die gedachte und gefühlte Person augenblicklich, da diese psychologische Person das eigentliche Hindernis für dieses Erkennen darstellt.

Für eine Person ist diese Wahrheit ein schwerer Schlag, da sie ja davon ausgegangen ist, wenn sie nach Erkenntnis fragt auch als Lohn Erkenntnis bekommt. Für den Verstand ist das die größte Niederlage, die er zur Kenntnis nehmen muss. Es folgen die drei bekannten Reaktionsformen in unterschiedlichen Heftigkeiten und ihren jeweiligen Ausprägungen. Zwischen heller Wut und tiefer Depression ist alles möglich. Diese Reaktionen kennst du genau. Es ist dieser Reaktionsmechanismus, der uns Menschen das Leben ständig schwieriger erscheinen lässt. Alles wird komplizierter und wir fühlen uns tiefer und tiefer verstrickt in die Angelegenheiten des Lebens. Wir sind unglücklich, oder wir bemerken sogar unser unglücklich-sein nicht einmal mehr. Dann scheint alles in einer Art von Dumpfheit, von Betäubung, zu versinken.

Und plötzlich taucht da eine Erfahrung der Stille auf, eine Erfahrung der Ruhe im Kopf. Nun schau doch einfach mal genau hin. Hat Jemand, eine Person, Anteil an dieser Erfahrung gehabt oder ist die Erfahrung einfach aufgetaucht? Genau, du konntest zum Auftauchen der Erfahrung nichts beitragen. Das ist die Wahrheit. Jetzt greifst du nach dieser Erfahrung, weil es schön war endlich Ruhe zu haben und möchtest diese Erfahrung wieder haben. Du bist ein kluger Mensch mit einem scharfen Verstand und doch kannst du diese Erfahrung nicht replizieren. Das ist eine Tatsache. Das hast du selber herausgefunden. Kannst du diese Tatsache einfach sehen, ohne ein begriffliches denkbares Objekt daraus zu kreieren?

Gut, jetzt haben wir eine Basis für dieses Gespräch.

Bei diesem Gespräch geht es um das wichtigste Thema für die Menschen überhaupt. Es geht um Freiheit. Es geht um deine Freiheit. Jedes fühlende Wesen sucht letztlich Freiheit. Freiheit von Schmerz, von Unsicherheit, von Armut, von Unglück und vom Leiden.

Die Suche nach Ganzheit ist die Suche nach Freiheit von der inneren Zerrissenheit, von der inneren Zersplitterung.

Wenn du jetzt wieder deine Klugheit benutzt, kannst du vielleicht entdecken, wer oder was sich da in unserem Leben so zerrissen und zersplittert empfindet?

Aha, du bist es selber. Und was ist dieses du? Nein, bitte keine psychologische Definition! Zeig doch einfach mit der Hand auf das>du<. Nun, das ist der Körper, da ist kein du zu sehen.

Ok. Also das>du< können wir nicht finden, aber es ist irgendwie scheinbar doch da. Es erscheint jetzt allerdings nun etwas substanzloser, nicht mehr so fest, während unserer Forschung. Gut, bleibe einfach so, greife nicht nach der Erfahrung von Substanzlosigkeit.

Dann kannst du als nächsten Schritt forschen ob in der Erfahrung der Stille, die erfolgt ist, diese Zersplittertheit ebenfalls erfahren wurde. Genau, dort war diese Zersplittertheit abwesend. Was also genau war dann abwesend, wenn die Erfahrung von Stille erfahren wurde?

Es wurde also die gleiche Substanzlosigkeit des >du< erfahren, die es ermöglichte die Erfahrung der Abwesenheit von Zerplittertheit zu erfahren. Es war also plötzlich Raum vorhanden in der Stille leuchten konnte.

Für einen Bruchteil warst du scheinbar nicht so fest, so dass sich die wahre Natur offenbaren konnte. Und hast du aufgehört zu existieren oder bist du wahnsinnig geworden? Nein. Also wo vor hast du Angst? Wenn du willst, finde doch heraus was da eigentlich Angst hat. Denn du hast ja bei dieser Erfahrung der Stille keinerlei Schaden genommen. Finde doch selber heraus was sich da so sehr fürchtet und gleichzeitig so entsetzlich sehnt.

Vielleicht stößt du bei deiner Forschung auf die Wahrheit. Nur wenn du selber darauf stößt, ist es von Bedeutung, von dauerhafter Natur. Dann zerfällt es auch nicht mehr bei jeder kleinsten Bewegung im Leben. Dann endet Suche, dann ist sogar Finden bedeutungslos. Dann erwacht Menschsein. Dann leuchtet bedingungslose Liebe auf.

Dann kann sich das Eine endlich auch durch zwei Menschen umarmen. Dann können wir zusammen eine Tasse Tee trinken und lachen.

Forsche mutig.

Das Teewasser kocht schon.

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