Wirken der Quelle
Januar 27, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Wirken der Quelle

29.6.2011

Am Abend dann mit der untergehenden Sonne blitzte die Stadt in ihrem besten Kleid und an einer Stelle fing sich das Licht und spiegelte sich wieder.

Die Sonnenstrahlen selber sah man nicht, da die Luft frei von Wolken oder Dunst war, in denen sich die Strahlen sichtbar hätten machen können.

Die Abendluft war ganz klar und voller Duft der Lindenblüten.

Die Wirkung der Sonnenstrahlen allerdings, das Wirken der Sonne selbst, sah man schon und man sah die blitzende goldgelbe Reflektion der eingefangenen Strahlen. Und dann begannen die Spiegelungen ihrerseits zu strahlen und goldgelbes Licht auszusenden. Das war so intensiv, dass man es selbst für die Quelle hätte halten können.

Dann verschwand die Sonne hinter dem Horizont und langsam aber sicher verblassten die Reflektionen und schließlich starben sie, sowie alles sterben muss, was sterblicher Natur ist.

Nun konnte man sehr klar unterscheiden, was Quelle und Wirken war, und was die Wirkung.

Hier gibt es nichts zu verwechseln.

Die Worte sind die reflektierten Strahlen, hervorgehoben durch die Tinte, die durch diese Form, die ebenfalls nicht mehr ist als eine spiegelgleiche Reflektion, in diese Welt geboren werden.

Gleich den spielenden Strahlen, die von spiegelnden Reflektionen in die Welt geworfen ihr leuchtendendes Spiel verrichten.

Es ist mit Druck im Kopf und mit Hitze im Oberkörper, besonders im Herzen, verbunden, als ob sich all die Härte, die noch verblieben ist, verflüssigt und als Farbe in Buchstaben gegossen werden soll.

Am Inhalt hat der Schreiber keinen Anteil, außer an den Missverständnissen, die aus Unachtsamkeit und Ignoranz entstehen.

Der Abend war warm und das Holz der Parkbank gab freudig die gespeicherte Wärme des Tages wieder.

Die vielen Menschen herum lachten und die Hunde spielten unter den Kastanien.

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