Erklärungen des Unerklärlichen
Februar 15, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Erklärungen des Unerklärlichen

07.7.2011

Nichts IST, ohne Raum, ohne Zeit, ohne Ort.
Alles IST, Alles gleichzeitig, anfangsloses ursachloses Potenzial.
Jetzt ist Zeitlosigkeit, Nicht-Zeit.
Dies Ist Es zusammen, da Es untrennbar ist.
Deswegen Ist es nicht-existent, Ist zeitlos, Ist unbewegt.
Deswegen Ist es Jetzt und erscheint als Zeitform in sich selbst.
Unbewegt als Bewegung, Zeitlosigkeit als Zeit – scheinbar.
Es Ist Nicht-Horizont aller Ereignisse, ob sie sich nun ereignen oder nicht-ereignen.

Wenn Alles in Nichts gleichzeitig, also ohne Zeit, in Abwesenheit von Zeit, als Nicht-Zeit, sich als unendliche Möglichkeit entfaltet, bricht Nicht-Horizont zusammen.
Da Dies aber Nicht-Möglichkeit Ist, bricht es auch in Zeitlosigkeit nicht zusammen, da ALLES auch NICHT unendlich Jetzt ist, somit Alles Ist.
Denn wie könnte ALLES in Zeitlosigkeit, zu NICHT-ALLES der unmanifesten unendlichen Möglichkeit werden, ohne Dies schon immer zu sein?

Durch betrachten, dass Nicht-IST, ist die Betrachtung des ALLEM aus der Perspektive der unendlichen Möglichkeit des Potenzials in Jetzt, der zeitlose Moment.
Sehen ist Nicht-Zeit.
Sehen, das sich Selbst sieht.

So ist ALLES gleich NICHTS ohne Zeit das Eine.
Das ist absolute Ruhe in absoluter Bewegung und absolute Bewegung in absoluter Ruhe.
Die Polarität, ohne Polaritäten zu sein, bricht zusammen im Jetzt, also Zeitlos, und die Polarität wechselt zu NICHTS das ALLES IST und bricht ebenfalls in Zeitlosigkeit zusammen, vor ihrem Entstehen.

Somit ist NICHTS und ALLES gleichzeitig existent und gleichzeitig nicht-existent in Zeitlosigkeit.

Der relative Geist kann sich Dies nur als zwei Seiten einer Medaille vorstellen, aber so wäre es nur in der scheinbar existenten Zeit.
Dies Ist gleichzeitig Nichts und Alles zeitlos, und somit kein Paradox, sondern einfach IST.

Das ist dieselbe Schau, wenn aus Jetzt durch Beobachtung scheinbar Ewig (also eine Zeitform) wird und da das nicht geht, wieder Nichts zu Jetzt, IST zeitlos.

Durch die Beobachtung an sich erfolgt das Sterben und Werden. ES schwingt ohne Bewegung in Jetzt, also im Nullmoment in sich selbst.
Somit ist das Geschwungene und die Schwingung identisch.

Das Sehen des IST ist Jetzt, also nie.
Das absolute Potenzial in sich ruhend, selber widerspiegelnd im jetzigen Moment der Zeitlosigkeit, ist IST.

Das kann gesehen werden, nur angesichts der Schönheit der Schau und der Unzulänglichkeit von Worten sind die Beschreibungen nur eine diffuse Reststrahlung des Sehens und verblassen zu dem, was sie sind, Erklärungen des Unerklärlichen.

Die Harmonie des Sehens in Alles wird zur Schau von Allem, das Nichts zu berichten hat. Die zeitlose Schau in Jetzt der Zeitlosigkeit, die in Nichts stirbt, und geboren wird das Alles IST.

Hier gibt es keine Erklärung, die Schau wird nur beschrieben, wie es aus der Sicht hervor steigt und sich in der Sicht auflöst.

Völlige Stille.

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Sehen
Januar 25, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Sehen

27.6.2011 Nacht

Beim Abendessen in dem Restaurant auf dem Berg, der sich entlang des Flusses zieht, inmitten der vielen Menschen, die lärmend und lachend den Abend genossen, breitete sich unversehens Sehen in der Stille aus.

Das Hirn bewegungslos.

Druck scheint Wahrnehmung aus den Augen fließen zu lassen.

Im Inneren nur Leere, die sich außen mit einem Blick selbst vereint, bis nur noch Sehen übrig bleibt.

Der Körper schmilzt und Sehen ist was Ist.

Die Schau dessen, was sich immer wieder offenbart, ist immer neu und unberührt. Der Blick schweift ohne Focus über die sitzenden Menschen und alles erscheint in der Sicht, ohne dass Mühe für das, was zu sehen ist, möglich wäre.

Alles, was sich außerhalb der momentanen Sicht befindet, ist nicht bekannt, es wird nicht gewusst, erst wenn der Blick darauf fällt, entsteht die Sicht dessen, was gesehen wird. So kann Sehen in der Stille nur immer neu und unberührt sein.

Der Blick schweift über die Dächer der Stadt, streift die Baumwipfel, in denen schon die kleinen Kastanienfrüchte in der Abendsonne lachen und fällt wieder auf den kleinen Pavillon, der auf dem Platz neben dem Restaurant steht.

Wieder ist die Schau des Pavillons neu und dieser Blick hat ihn nie berührt.

Der Blick schweift zurück und der Pavillon wird nicht gewusst, da er nicht zu etwas Bekanntem während des Sehens wurde.

So ist es mit allen Dingen, so ist die Sicht, die aus der Stille emporsteigt und darin zurück sinkt.

Das Nicht-Benennen des Nicht-Bekannten, des Dies, das dabei und dadurch eben nicht zu Etwas, zu etwas Gewusstem und zu etwas Bekanntem gemacht wurde, erfolgt gleichzeitig, oder besser gesagt, nur durch die Schau selbst. Es erfolgte kein Tun um die Nicht-Benennung zu erreichen, noch wurde Tun unterlassen, um es eben nicht zu tun.

Näher vermögen diese Worte wohl nicht heranzukommen.

Auf dem Weg nach Hause über die Brücke fielen die letzten Sonnenstrahlen auf das hohe Dach eines großen Gebäudes. Es war blutrot gestrichen und der blaue wolkenlose Himmel bildete einen wunderschönen Raum.

Aus der bedingungslosen Schau, die von sich aus nichts benennt, wird die Schönheit vollständig wahrgenommen. Und im gleichen Augenblick, da von sich aus nichts benannt wurde, vollständig Nicht-Gewusst, und in Stille löste es sich auf.

Bis der Blick wieder an dieser Stelle ruht, sich als der Moment der Schau gebiert und wieder stirbt.

Oh, wie wunderbar, wie mühelos, wie liebkosend die Schau in der Sicht der Stille ist. Immer neu und immer frisch kostet Sehen keine Kraft und erfreut das Auge.

Sich erinnern ist mechanisch. Es hat etwas mit Gedächtnis und Funktion des Gehirns zu tun. Nicht-Wissen umschließt Wissen des Nicht-Gewussten, eben bis zu dem Moment, in dem es aus der Stille als Gewusstes erscheint. Es schöpft sich selber aus der Quelle allen Wissens und offenbart all das was es zu wissen gilt.

Aus der Sicht ist die Vollständigkeit Dessen die einzige Realität, die möglich ist.

Es fehlt nichts, da nichts ist, was hinzugefügt werden könnte.

Dann im Park kurz vor der Wohnung eine kurze Rast. Da saß dieser kleine Vogel, sehr jung noch, etwas unbeholfen auf der Hecke neben der Bank. Er wackelt unsicher mit seinen kleinen Flügelchen, als ob er ihnen misstraute seinen Körper in die Luft zu erheben.

Es gibt keinen anderen Weg als die Flügel auszubreiten und es zu probieren.

Der Vogel öffnete den Schnabel, es sah aus, als ob er tief Luft holen wollte, schlug die Flügel auseinander, machte einen Satz und flog davon.

Mit letzter Kraft streifte die Sonne die großen glänzenden Blätter der Platane und verschwand hinter dem Hügel.

Unbewegte Stille
Januar 24, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Unbewegte Stille

25.6.2011

Es ist die wie ein Druck im Kopf, der irgendwie nach innen in Tiefe implodiert. Durch Schreiben wird der Druck erträglicher. Er scheint sich eine Zeitlang abzubauen, wobei die Tiefe bleibt. Die Sätze formulieren sich wie von selbst in der Hand und der Stift schreibt, doch da ist keine Stimme, die ein Diktat aufgibt. Einfach Stille formt sich in Worte auf das Papier. Das Thema enthüllt sich nach und nach. Da ist nur Aufmerksamkeit, und falls da Gedanken sind, gehen sie nicht über den gewohnten Weg – über den Kopf, sondern direkt von nichts zu nirgendwo.
Das Umschreiben vom Papier in den Computer erfolgt unmittelbar und ist wie eine Prüfung über das Geschriebene. Keine Wertung oder Abwägung, wie man vermuten könnte, einfach nur stille Achtsamkeit und ein Eingriff in die Worte, falls etwas nicht an seiner Stelle ist.
Das ist schon alles.
Gestern Abend beim Spaziergang wurde über die Stadt geschaut. Die untergehende Sonne streifte die Häuser hinter dem Fluss und tauchte sie in ein sattes goldenes Gelb. Die Spitzen der Kirchtürme blitzten mit ihren vergoldeten Kugeln und Kreuzen. Die Ruhe des angebrochenen Wochenendes breitete sich über das Wasser des Flusses aus. Die Wolken am Himmel zogen von einem Höhenwind angetrieben über die Stadt in Richtung Süden und die Schwalben badeten in der Luft mit tollkühnen Flugmanövern.
Rote Beeren blitzten an den Sträuchern auf grünen glänzenden Blättern.
Die Stille, in der Dies alles erscheint, ist satt und ruhig.
Unbewegt erscheint in ihr alles in Bewegung.
Man wartet, dass sie vergeht, doch sie bleibt und das Bewegte vergeht.
In der Schau ist der Himmel übersät mit kleinen runden Sphären, ungetrübt und transparent.
Ganz in der Nähe wird ein Film gedreht. Die Kamera gleitet auf Schienen und nimmt vor den Kulissen der Stadt einen Mann dabei auf, wie er mit der Hand darauf weisend etwas in das Mikrofon, das über seinem Kopf schwebt, erklärt.
Die Menschen lachen und haben glückliche Gesichter.
Schön sind sie, wenn sie so fröhlich sind.