Schönheit
Februar 1, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Schönheit

03.7.2011

Am Morgen ist die Stadt ruhig.
Der Regen befreit sanft die Dächer und Straßen vom Staub der heißen trockenen Tage der letzten Woche.
Im grauen Himmel gleiten wenige Vögel und heben sich wie kleine schwarze lebendige Punkte vor der tief dahin hinziehenden Wolkendecke ab.

Die Geräusche der Straßenbahn ein paar Meter weiter auf der Hauptstraße erheben sich in der Stille in regelmäßigen Abständen.Sie geben den Takt des Lebens in der Stadt an diesem Sonntagmorgen an.
Das Klingeln beim Abfahren, das Geräusch der Elektromotoren wenn die Bahn anfährt und das Rattern der schweren Eisenräder, die ihre Spur auf den Schienen nicht verlassen können, bis zu dem Moment wenn sie vielleicht bei einem Unfall aus der festgefahrenen Bahn geworfen werden, oder der Schrottplatz sie willkommen heißt.

Die wunderschöne rote Blume auf dem Balkon blüht in ihrem Kasten und füllt fast den gesamten Raum in ihrem Gefäß aus.
Die anderen zwei oder drei Pflanzen, die ebenfalls in diesem Kasten gepflanzt waren, haben den Winter nicht überlebt.

Und nun scheint es so, als wenn diese eine Blume für alle blüht und deren Platz mit einnimmt, ganz in Stille und im Rahmen ihrer Möglichkeiten, um so viele Blüten zu tragen wie sie vermag.

Und der Himmel gießt ihre Erde.

Gestern im anderen Land wurde gesehen, wie die Ordnung und Disziplin auf Angst basiert.
Alles ist sauber und ordentlich in Reih und Glied. Für alles gibt es einen Plan. Nichtfunktionieren und Zufall scheinen ausgeschlossen zu sein.

Sicherheit hat eine hohe Priorität.
Das Land ist sauber und die Menschen haben Pläne. Spontanität und Liebe scheinen in diesen Plänen keine besondere Rolle zu spielen.
Es geht mehr um Funktion, Pflicht und Schuld.
Besonders Schuld an Taten aus der Vergangenheit heraus, die ihnen allerdings nur vom Hörensagen bekannt sind, denn inzwischen sind die allermeisten Täter selbst Geschichte.

Es ist eine Nation wie eine Arbeitsmaschine, monolithisch und mechanisch.
Das Feld wie besessen pflügend, wie um unter der gebrochenen Scholle die verlorene Unschuld wieder zu entdecken, wie um endlich Ruhe zu finden.

Die Ruhe jedoch kommt von nirgendwo.
Der Ruhe kommt mit der Stille, wenn die Mechanik zerbricht und das Mechanische nicht wiederkommt.
Aus dieser Stille erhebt sich alles und dort sinkt es wieder ein.
Ein Atem aus Liebe im Rhythmus der Gnade des Erscheinens, in Formen gegossen und sich wieder auflösend in Nichts, aus dem alles zu stammen scheint.

Die einzelne Blume in ihrem Kasten blüht und ihre roten Blüten senden ihre Schönheit absichtslos und ohne Hoffnung aus.

Sie blüht für nichts, und so ist Schönheit immer da.

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2. Ab welchem Zeitpunkt wird das Feuer manifest?
Januar 25, 2012

15.07.2011

Fragen eines Freundes

1. Wie wird der Funke zum Feuer, das andere ansteckt?

2. Ab welchem Zeitpunkt wird das Feuer manifest?

3. Wie wichtig ist die Absicht?

4. Und in welchem Zusammenhang steht es mit der Ist-Zeit?

 

Der Verstand versucht zu verstehen und dazu gehört der Versuch einer Wirkung eine Ursache zuzuordnen. Eine Wirkungskette wird erdacht und einem Zeitablauf zugeordnet. Die Zuordnung schafft Ordnung und somit Sicherheit im Denkuniversum des Verstandes.

Doch der ganze Traum wird geträumt von niemand in absoluter Stille und Abwesenheit von Zeit.

Alles erscheint völlig Ursachlos und frei von Absicht.

Spontan frei von nichts bedingt erscheint es jetzt in Zeitpunktlosigkeit.

Das Feuer brennt immer in Zeitlosigkeit. Es ist immer hier im Traum der Suche nach Wärme und es kann nie woanders sein als eben hier, da du hier zu sein scheinst und damit der Traum das Dies ist.

Es gibt nichts außerhalb dessen, hat es nie gegeben, kann es nie geben.

So erscheint das Feuer zeitpunktlos absichtslos und ist somit immer anfangslos manifest.

Ohne deine scheinbare Existenz gibt es kein scheinbares Feuer.

Ohne deine scheinbare Existenz gibt es keinen scheinbaren Zeitpunkt.

Ohne deine scheinbare Existenz gibt es keine scheinbaren Manifestationen.

Das ist der Traum der scheinbaren Existenz.