Nicht-Wissen
Januar 26, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Nicht-Wissen

28.6.2011

Es ist beim Sehen nicht so, dass die Dinge, die gerade nicht geschaut werden, auf denen der Blick gerade nicht ruht, nicht existieren würden.

Es ist so, dass es da ein Nicht-Wissen über oder von der Existenz gibt, eben wenn der Blick nicht darauf fällt. Dieses Nicht-Wissen ist aber keine Unwissenheit, sondern ist genau das Gegenteil. Es umschließt alles Wissen, weil es das Wissen Ist, das solange der Blick nicht darauf ruht, als Nicht-Wissen erscheint.

Die Totalität dessen, was gerade geschaut wird, erscheint so intensiv als Sehen in der Stille, dass dieser Blick nichts anderes zulässt, als eben das Zuschauende.

Das schließt die Inanspruchnahme durch die Totalität des Wissens des vorher Nicht-Gewussten mit ein und lässt keinen Platz für etwas außer Dieses. Für etwas, das außerhalb des momentanen Blickes existieren mag, ist in dieser Intensität kein Platz.

Gleichzeitig ist dies kein Tunnelblick, der die nicht geschauten Dinge ausblendet, oder er ist auch nicht der Blick eines Betrunkenen, der durch Betäubung des Wahrnehmungsapparates nicht in der Lage, ist die Datenmenge zu verkraften, die durch die Augen einströmen.

Das Sehen in der Stille, die hier als Schau beschrieben werden kann, ist frisch, unbetäubt und umfasst alles, was geschaut wird.

Im Schauen liegt aus sich heraus keine Wertung des Geschauten und damit auch kein Greifen nach dem Geschauten.

Der Baum wird als Baum geschaut, ohne dass eine Bezeichnung als Baum in der Wahrnehmung erscheint.

So ist das Nicht-Wissen über den Baum als Baum nur frische Wahrnehmung und in dieser nicht-wissenden Wahrnehmung, die total und absolut im Moment erscheint als der Moment, der erscheint, ist das totale Wissen enthüllt.

Nur es enthüllt sich niemandem, sondern es enthüllt sich einfach völlig mühelos und entspannt.

Es ist keine Notwendigkeit (nebenbei bemerkt: besteht auch keine Möglichkeit) in der Sicht für eine Interpretation-Reduktion (als Methode), um den Blick rein halten zu müssen, um dann Sehen zu können. So als ob man üben würde nur Zeuge zu sein, um sich aller Urteile zu enthalten, um dann das, was als das Wesentliche (geglaubt im Sinne von Essentiell) angeschaut wird, als Sehen zu bezeichnen.

Das ist eine Übung des Verstandes und hat nichts mit dem Sehen in der Stille zu tun.

Die Schau als Sehen in der Stille ist wie ein Blick, der alles umschließt und weder etwas reduziert, noch etwas hinzufügt.

Die Dinge sind somit Dies als Stille, während die Stille sieht durch die Schau. Es ist eine totale Schau, die aus sich heraus geschieht und dort auch wieder endet, um sich mit gleicher Intensität beim nächsten Blick wieder aus Stille zu erheben, völlig mühelos.

Das Gefühl, das die Schau scheinbar begleitet, ist so, als ob die Dinge gerade erst in dem Moment, in dem der Blick darauf fällt, entstehen. Deswegen werden sie auch immer wieder als völlig neu empfunden.

Das Nicht-Wissen der Existenz der Dinge, die gerade Nicht-Geschaut werden, wird völlig überlagert von dem All-Wissen der Existenz der Dinge, die jetzt gerade aus der Stille geschaut werden.

Diese Totalität möge man Sehen nennen, um den Unterschied zu dem üblichen Anschauen der Dinge herauszustellen.

Das Nicht-Wissen der Dinge, die gerade Nicht-Geschaut werden, hat nichts damit zu tun, dass gewusst wird, dass die Dinge, die gerade nicht angeschaut werden, an ihrem Platz stehen. Das ist abgespeichertes Wissen, ein eingescannter Datensatz, gespeichert auf der biologisch organischen Festplatte, oder einfach nur eine Annahme.

Hier findet sich das gewöhnliche Anschauen, das mechanisch alte Anschaudaten aus dem Kopfspeicher zu einem Bild zusammenfügt, die dann die Schau des Sehens in der Stille zu überlagern scheinen.

Das Sehen in der Stille ist immer da und wird vom mechanischen Anschauen überdeckt.

Warum das so ist, konnte nicht gesehen werden, aber dass es so ist, kann ganz klar gesehen werden.

Deswegen kann man das Sehen in der Stille nicht lernen, es gibt nichts zu lernen, was natürlicherweise immer vorhanden ist.

Die Mechanik der Anschauung kann kaputt gehen. Dann ist Sehen spontan befreit und geschieht natürlich aus sich heraus.

Die Vermutung ist, dass der Kopfspeicher nach wie vor funktioniert. Doch keine „alten“ Daten zu irgendeinem Objekt, das gerade in der Stille geschaut wird, gelangen in die Sicht. Das Sehen und das, was gesehen wird, bleibt immer neu und unberührt.

So wird gesehen, dass die Welt, wie sie erscheint in der Stille und wie sie aus der Sicht gesehen wird, perfekt ist und nichts fehlt.

Es kann nichts fehlen, es ist unmöglich, dass etwas fehlt.

Sehen offenbart, dass wenn Anschauen geschieht, mental etwas hinzugefügt wird. Da das Hinzugefügte aber nicht existiert, wird es dann als Mangel wahrgenommen, eben weil es nicht existiert, und da es keine Existenz besitzt, es nur hinzu gedacht wurde, scheint es nun die Dinge zu beflecken durch seine Abwesenheit.

Ein Vogel zwitschert im Park vor der Wohnung und die Töne schweben durch das geöffnete Fenster. Der Himmel ist blau und ohne Wolken.

Die Windstille macht die Stille scheinbar noch tiefer. Das Geräusch eines vorüberfahrenden Autos steigt hervor und sinkt darin zurück.

Völlig mühelos.

Wie wunderbar.

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Sehen
Januar 25, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Sehen

27.6.2011 Nacht

Beim Abendessen in dem Restaurant auf dem Berg, der sich entlang des Flusses zieht, inmitten der vielen Menschen, die lärmend und lachend den Abend genossen, breitete sich unversehens Sehen in der Stille aus.

Das Hirn bewegungslos.

Druck scheint Wahrnehmung aus den Augen fließen zu lassen.

Im Inneren nur Leere, die sich außen mit einem Blick selbst vereint, bis nur noch Sehen übrig bleibt.

Der Körper schmilzt und Sehen ist was Ist.

Die Schau dessen, was sich immer wieder offenbart, ist immer neu und unberührt. Der Blick schweift ohne Focus über die sitzenden Menschen und alles erscheint in der Sicht, ohne dass Mühe für das, was zu sehen ist, möglich wäre.

Alles, was sich außerhalb der momentanen Sicht befindet, ist nicht bekannt, es wird nicht gewusst, erst wenn der Blick darauf fällt, entsteht die Sicht dessen, was gesehen wird. So kann Sehen in der Stille nur immer neu und unberührt sein.

Der Blick schweift über die Dächer der Stadt, streift die Baumwipfel, in denen schon die kleinen Kastanienfrüchte in der Abendsonne lachen und fällt wieder auf den kleinen Pavillon, der auf dem Platz neben dem Restaurant steht.

Wieder ist die Schau des Pavillons neu und dieser Blick hat ihn nie berührt.

Der Blick schweift zurück und der Pavillon wird nicht gewusst, da er nicht zu etwas Bekanntem während des Sehens wurde.

So ist es mit allen Dingen, so ist die Sicht, die aus der Stille emporsteigt und darin zurück sinkt.

Das Nicht-Benennen des Nicht-Bekannten, des Dies, das dabei und dadurch eben nicht zu Etwas, zu etwas Gewusstem und zu etwas Bekanntem gemacht wurde, erfolgt gleichzeitig, oder besser gesagt, nur durch die Schau selbst. Es erfolgte kein Tun um die Nicht-Benennung zu erreichen, noch wurde Tun unterlassen, um es eben nicht zu tun.

Näher vermögen diese Worte wohl nicht heranzukommen.

Auf dem Weg nach Hause über die Brücke fielen die letzten Sonnenstrahlen auf das hohe Dach eines großen Gebäudes. Es war blutrot gestrichen und der blaue wolkenlose Himmel bildete einen wunderschönen Raum.

Aus der bedingungslosen Schau, die von sich aus nichts benennt, wird die Schönheit vollständig wahrgenommen. Und im gleichen Augenblick, da von sich aus nichts benannt wurde, vollständig Nicht-Gewusst, und in Stille löste es sich auf.

Bis der Blick wieder an dieser Stelle ruht, sich als der Moment der Schau gebiert und wieder stirbt.

Oh, wie wunderbar, wie mühelos, wie liebkosend die Schau in der Sicht der Stille ist. Immer neu und immer frisch kostet Sehen keine Kraft und erfreut das Auge.

Sich erinnern ist mechanisch. Es hat etwas mit Gedächtnis und Funktion des Gehirns zu tun. Nicht-Wissen umschließt Wissen des Nicht-Gewussten, eben bis zu dem Moment, in dem es aus der Stille als Gewusstes erscheint. Es schöpft sich selber aus der Quelle allen Wissens und offenbart all das was es zu wissen gilt.

Aus der Sicht ist die Vollständigkeit Dessen die einzige Realität, die möglich ist.

Es fehlt nichts, da nichts ist, was hinzugefügt werden könnte.

Dann im Park kurz vor der Wohnung eine kurze Rast. Da saß dieser kleine Vogel, sehr jung noch, etwas unbeholfen auf der Hecke neben der Bank. Er wackelt unsicher mit seinen kleinen Flügelchen, als ob er ihnen misstraute seinen Körper in die Luft zu erheben.

Es gibt keinen anderen Weg als die Flügel auszubreiten und es zu probieren.

Der Vogel öffnete den Schnabel, es sah aus, als ob er tief Luft holen wollte, schlug die Flügel auseinander, machte einen Satz und flog davon.

Mit letzter Kraft streifte die Sonne die großen glänzenden Blätter der Platane und verschwand hinter dem Hügel.

Die letzte Nacht
Januar 20, 2012

Die letzte Nacht (Audio)

16.06.2011

In der Nacht wenn Du einsam bist
Spüre die Zweifel auf Deinen Lippen

In der Nacht wenn Du einsam bist
Spüre die Angst in Deinen Augen

In der Nacht wenn Du einsam bist
Spüre den Zorn in Deinem Herzen

In der Nacht wenn Du einsam bist
Spüre was Du wirklich bist

In der Nacht wenn Du einsam bist
Siehst Du
kein Zweifel, Angst und Zorn
ist jemals dort gewesen

In der Nacht wenn Du einsam bist
Siehst Du
In der Dunkelheit die leuchtenden Sterne
Und der Mondschein lächelt sein Licht in die endlose Tiefe

In der Nacht wenn Du einsam bist
Siehst Du was DU immer warst

In der Nacht wenn Du einsam bist
Sitz nun still in Deinem Haus
In der Nacht wenn Du einsam bist
In dieser Stille lös Dich auf

In der Nacht wenn Du einsam bist
Kannst Du endlich gehen und niemand kommt zurück

In der Nacht wenn Du einsam bist
Lebt dann Niemand ein Leben bis zum letzten Tag

Drei
Januar 18, 2012

Drei

Dies zu beschreiben ist völlig mühelos.

Dies zu verstehen ist unmöglich.

Es ist Nacht.

Der Blick fällt auf ein Bild an der Wand.

Wissen über dieses Bild ist nicht anwesend.

Kein Gefühl eines Körpers.

Gewissheit einer Existenz verschwand spurlos.

Jenseits von Angst erlosch die Welt.

Der Körper erwacht auf dem Boden.

Die Wahrnehmung setzte wieder ein. Das Erinnern setzte wieder ein, doch die Erinnerungen blieben leblos und flach. Außerdem bestand kein großes Interesse an ihnen.

Das Gefühl einer Existenz setzte nicht wieder ein.

Es gab auch keinen Versuch dazu. Es gab auch keine Möglichkeiten für einen Versuch.

So vergingen Wochen.

Eine der spürbarsten Veränderungen ist das Fehlen einer bestimmten inneren Anspannung oder eines Zusammengezogen-seins.

Es ist jedoch keine Entspannung erfolgt, im Sinne des Wortes, bei der eine Verspannung, ob geistiger oder körperlicher Natur, Linderung erfährt.

Es kann auch nicht über einen Entspannungs-Prozess gesprochen werden, der auf einer Zeitlinie mit bestimmten Ereignisabläufen erfolgte und bei dem als Ergebnis etwas wegfiel.

Wenn überhaupt, war es eine Bewegung, die man mit „Der-Einen-Bewegung“ umschreiben könnte, „Der-Einen-Bewegung“ des Auslöschens.

Es wurde angenommen, dass diese innere Anspannung, dieses Zusammengezogen-sein, das Gefühl der persönlichen Existenz war.

So kann man sagen, dass eines Nachts einfach das Auslöschen der persönlichen Existenz geschah, in dem das angespannte Gefühl verschwand.

Das Ego oder das Selbst war verschwunden und niemand trat an seine Stelle.

Diese Worte werden Monate nach diesem aufgeschrieben, denn diese Bewegung erlaubte lange nichts anderes als Dies zu schauen.

Jetzt erscheint Dies als Bewegung, die das hier beschreibt.

Es entstand ein Impuls nachzuforschen, was eigentlich geschehen war.

Die Nachforschung durch eine intensive Innenschau ergab nichts. Das heißt, sie hatte schon ein Ergebnis, nur es machte keinen Sinn. Es wurde quasi ein Nicht-Zentrum wahrgenommen, ein Zentrum, in dem Nichts war und in dem Alles in voller Lebendigkeit leuchtete.

Alles erschien dort und alles löste sich dort auf.

Jeglicher Sturm ist Stille gewichen. In Stille erhob sich Alles. In Stille erhob sich das Sehen. Das Sehen Dessen ist immer neu und unberührt. Das Sehen ist frisch wie Morgentau auf einer Wiesenblume und in den Wassertropfen glitzern die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne.

Dies war völlig unbekannt und völlig unverstehbar.

Irgendetwas versuchte zu verstehen, doch es funktionierte nicht.

Jedoch es war wahrnehmbar.

Allerdings konnte kein Wahrnehmender gefunden werden. Es konnte nicht herausgefunden werden, was oder wer eigentlich wahrnahm. In diesem leuchtenden leeren Zentrum konnte niemand gefunden werden. Es musste festgestellt werden, dass niemand wahrnahm und trotzdem Wahrnehmung geschah.

So kann nur gesagt werden, dass die Wahrnehmung einfach aus sich heraus erfolgte.

Die Wahrnehmung konnte unterschiedliche Intensitäten annehmen. Manchmal führte das Sehen Dessen zu Black-Outs.

Es fühlte sich dann so an, als ob der Körper der Intensität der Sicht Dessen manchmal nicht standhalten konnte.

Es fühlte sich dann an, wie ein Überfluten der Wahrnehmung, das dann zu ohnmachtsähnlichen Zuständen führte. Allerdings blieb selbst in diesen Zuständen Bewusstsein wach. Es wurde dann einfach nur nichts wahrgenommen. Allmählich hielt die Wahrnehmung dem Druck des Sehens stand und stabilisierte sich.

All das wurde von einem alles umschließenden Druck begleitet, der hauptsächlich im Kopf erfahren wurde. Das Gefühl, das diese Kraft auslöste, kann als ein Gefühl beschrieben werden, als ob das Hirn einfror und den gesamten Körper fixierte.

Dann war keinerlei Regung irgendeiner inneren Bewegung mehr möglich. Dann verschwand das Gefühl eines Körpers total und alles war nur noch pure Wahrnehmung von allem was auftauchte.

Die gewohnte Art zu Denken funktionierte nicht mehr. Der Verstand erschien völlig still. Trotzdem stiegen gelegentlich Gedanken aus diesem stillen Zentrum auf und manchmal entleerten sie ihren Inhalt mit einer einzigen Bewegung.

Doch das führte nicht zu einem Darüber-Nachdenken der möglichen Bedeutung des entleerten Inhalts.

Die Inhalte lösten sich einfach in Stille auf, ohne irgendetwas zu berühren.

Manchmal erschienen Gedanken, ohne ihre Inhalte preiszugeben und oft erschienen keine Gedanken.

Das Sehen in der Stille offenbarte Einsichten und Erfahrungen. Diese gingen und kamen. Doch die Stille blieb und es manifestierten sich in dieser leuchtenden Fülle Verse und Notizen.

Dann offenbarte sich, dass die Stille in dem Alles erschien, sowohl die Erscheinung ist und gleichzeitig auch Dies, in dem die Erscheinung erscheint.

Das leuchtende Zentrum der Wahrnehmung offenbarte sich als leuchtendes Nichts das als lebendiges Alles erschien.

Die Suche war beendet.

Dies erscheint als die Suche in der Stille.

Stille erscheint als Dies des Findens.

Nichts erscheint als Alles der potenziellen Möglichkeit.

Alles IST Nichts.

Somit hat es nie eine Suche gegeben.

Ein Lächeln erscheint.

Lebendig Stille

Dein glühend Kuss

verbrennt die Dunkelheit

zu leuchtend Sternenstaub

reine Liebe entfaltet ihre Feuerschwingen

und offenbart die Dimension der Ewigkeit

  ও

Zwei
Januar 17, 2012

Zwei

Der gleiche Impuls, der mich als Zweijährigen aus dem Bett getrieben hatte, um in die Freiheit zu fliegen, führte zu einer Suche, die die nächsten achtundvierzig Jahre anhalten sollte.

Zuerst führte die Suche dazu Freiheit außen zu suchen. Die Suche, die über viele Länder dieser Erde führte, könnte sicher Bände füllen, doch das Resultat lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen.

Das was gesucht wurde, konnte nicht außen sein. Zudem war immer noch nicht ganz klar, WAS eigentlich gesucht wurde. Da war nur dieses alles durchdringende Gefühl von Mangel. Nicht dass die Dinge selber mangelhaft erschienen oder mit einem Makel behaftet waren, nein so einfach war das nicht zu lösen.

Dieses grundsätzliche Gefühl von Mangel hatte scheinbar tiefere Ursachen und oft erschienen mir die Dinge so unwirklich und fremd, dass sich ein Lebensgefühl manifestierte, das von großer Verzweiflung geprägt war.

Ein Fremder auf einem fremden Planeten umgeben von fremden unbekannten Wesen. Nicht dass diese fremden Wesen unbedingt bedrohlich erschienen, doch ihre Anschauungen, Ängste, Sorgen, Wünsche, Hoffnungen und Reaktionen waren oft so fremdartig, das ich darauf nur mit Sprachlosigkeit reagieren konnte.

An einem bestimmten Punkt kippte die äußere Suche und der Blick richtete sich nach innen.

Diese nach innen gerichtete Wahrnehmung erlaubte es schließlich, dass in dem äußeren Leben Menschen entdeckt werden konnten, die auf eine ähnliche Weise die Welt wahrnahmen. Das war zwar nicht die Lösung, doch es war ein Trost nicht völlig allein auf diesem Planeten zu sein.

Die innere Suche führte zu wunderbaren Menschen, zu fantastischen Lehren und letztlich zu einem grundsätzlichen Verstehen, um was es bei der Suche überhaupt ging.

Es kam zu überwältigenden Erfahrungen von Glückseligkeit und Klarheit, die mit Worten nicht zu beschreiben sind.

Es führte zur Einsichten, die tief wie der Ozean erschienen.

Im Körper manifestierten sich Erfahrungen, die nie für möglich gehalten wurden.

Luzide Traumerlebnisse manifestierten sich mit einer Intensität, in der, verglichen mit der sogenannten Realität, die Welt nur ein langweiliges, angestaubtes Theaterstück zu sein schien.

Doch all dies blieb nicht. Es kam und ging.

Der größten Offenbarung konnte der tiefste Fall in Unwissenheit und Verzweiflung  folgen. Da schien keine Stabilität zu sein. Ein Gefühl der Ohnmacht und Vergeblichkeit schien das Gefühl des grundsätzlichen Mangels abgelöst zu haben, ohne allerdings die Suche zu beenden.

Schließlich erfolgte doch eine Stabilisierung, doch das lässt sich am besten als eine Fixierung der Wahrnehmung auf Nichts beschreiben, die dann Jahre andauerte.

Tatsächlich wurde gesehen, dass da Nichts ist und in diesem Nichts wurde alles gleich leblos wahrgenommen. Es wurde ein Leben des grundsätzlichen Versinkens in Trostlosigkeit und Tristesse.

All die Suche hatte nun zu diesem Punkt geführt, zu diesem leblosen Anblick der toten Substanz aller Erscheinungen, die nun ertragen werden musste. Es schien endgültig hoffnungslos.

Doch irgendetwas war auch mit diesem Leben in Hoffnungslosigkeit und tiefer Verzweiflung einverstanden. Es könnte als ein Gefühl von Gleichmut beschrieben werden und dieses Gefühl schien der einzig verbliebene Posten geblieben zu sein. Dorthin zog sich die Wahrnehmung zurück und von dort erfolgte in den nächsten Jahren jede Reaktion, sowohl was alle Angelegenheiten der äußeren als auch die der innere Welt anbetraf.

Dieser Gleichmut war nicht mit Gleichgültigkeit zu verwechseln.

Der Gleichmut war der einzig lebende Ort in der inneren Wüste, der einen grundsätzlichen Impuls an Lebendigkeit ausstrahlte. Vielleicht lässt es sich mit Aussöhnung am besten beschreiben. Aussöhnung und Vergebung für grundsätzlich alles, was sich manifestierte. Zusätzlich wurde dieses Gefühl der Vergebung mit einem überwältigenden Gefühl von Trauer über das menschliche Leben, wie es sich darstellte, durchdrungen.

So konnte in jeder Regung, in jeder Hoffnung, in diesem Wollen der Menschen der grundliegende Impuls, der zum Scheitern führen musste, wahrgenommen werden. Gleichzeitig machte es auch keinen Sinn das Gesehene zu offenbaren und wenn, dann führte es verständlicherweise zu heftigen Gegenreaktionen.

Irgendwann erschien das Einverständnis, dass das Leben eben in dieser Weise bis zu seinem Ende zu leben ist.

Hier erlosch jede Hoffnung auf Rettung, starb jeder Impuls auszubrechen aus dieser Sicht der Trostlosigkeit und es verging jede Regung des eigenen Wollens.

Es folgte ein Zustand der Reglosigkeit, einer Ruhe, wie in dem Zentrum eines Sturms. Ringsherum drehte das Leben seine wirbelnden Runden und hier im Zentrum war scheinbar nur Bewegungslosigkeit.

In dieser inneren Reglosigkeit kamen und gingen Zustände und Erfahrungen, doch die Reglosigkeit selber wurde davon nicht berührt.

Emotionslos, fast monolithisch spiegelten sich alle Zustände, die kamen und gingen in diesem Zentrum der Reglosigkeit wieder.

Aus diesem Zentrum stieg ein Sehen auf die Welt hervor, dass von einer gewissen Qualität des Mit-Fühlens geprägt wurde. Wohin der Blick auch fiel, überall musste das Leiden und das verzweifelte Streben nach Glück völlig unvermittelt wahrgenommen werden, es gab da scheinbar keine Wahl. Die Art dieser Sicht hatte allerdings noch ein anderes Merkmal, es war völlig unterscheidungslos. Aus dem Mit-Fühlen erhob sich eine unterscheidungslose Sicht auf das vergebliche Tun und Lassen der Menschen, egal wohin der Blick auch fiel.

In der bedingungslosen Ruhe und dieser unterscheidungslosen Sicht blieb nicht viel übrig, was man noch als ein persönliches Leben mit seinen normalen Wünschen und Sehnsüchten bezeichnen hätte können.

Irgendwie führte das zu einer Bewegung, die als Hingeben dessen, was noch da war, bezeichnet werden könnte.

Da in der gesellschaftlichen und persönlichen Erziehung religiöse Vorstellungen nie eine Rolle spielten und durch das Starren in dieses tote Nichts gesehen werden konnte, dass da Gott nicht zu finden war, blieb nur das Hingeben dessen, was noch war, als Hingabe an das Nichts übrig.

Diese Hingabe war von totaler Natur und der jahrelang trainierte Gleichmut war die Basis dafür. Diese absolute Hingabe, wenn auch an Nichts, führte scheinbar zu einem neuen Zustand. Denn die Hingabe war so intensiv, so formulierten sich wie von selbst spontane fieberhafte Gebete, die die endgültige Auflösung aller inneren Hindernisse zum Gegenstand hatten, dass es letztlich zu einem Aufgeben führte.

Tatsächlich kann man sagen, dass diese fieberhafte letzte Hingabe als ein Aufgeben der Gewissheit, ein menschliches Leben zu haben, erschien. Tatsächlich bot diese glühende Hingabe dieses persönliche menschliche Leben an. Besser können Worte das nicht beschreiben, obwohl nicht gesagt werden kann, an wen oder was überhaupt dieses Hingeben erfolgte, denn da gab es kein Wissen über die Natur dieses Nichts, das bedingungslos angestarrt werden musste – es blieb nur diese absichtslose glühende Hingabe, dieses menschliche Leben hinzugeben.

Nur um Missverständnisse vorzubeugen, es ging nicht darum das physische Leben für oder gegen etwas zu opfern. Es ging ausschließlich darum, diesen tief sitzenden, gefühlten Besitzanspruch, nämlich ein persönliches Lebens zu haben, hinzugeben.

Da Gott nicht gefunden werden konnte, richtete sich die Hingabe dessen auf das Nichts, das ständig umfassend unabweisbar wahrgenommen werden musste.

Schließlich wurde in all dem eine Art innere Grenze wahrgenommen. Eine Wand des Wiederstandes, an dem diese intensive Hingabe immer wieder abzuprallen schien. Es war ein Punkt über den es scheinbar zu gehen galt. Gleichzeitig wurde die Unmöglichkeit bemerkt, über diese Grenze gehen zu können. Es war keine Angst, die das Überwinden dieser inneren Trennlinie verhinderte, obwohl über dieses „jenseits dessen“ überhaupt keine Informationen gesammelt werden konnte. Auch angestrengtes Starren in das Nichts brachte keine weiteren Erkenntnisse. Dann erschien eines Tages die Einsicht, dass das was diese scheinbare Grenze bemerkte, das Selbe war, was es unmöglich machte diese Grenze zu überqueren. Das was bisher bereitwillig die Suche angetrieben hatte, war das eigentliche Hindernis, dass das Finden überhaupt geschehen konnte.

Ich war selbst das Hindernis.

Es war eine furchtbare Sackgasse, aus der es kein Entkommen zu geben schien, denn ein Zurückgehen war nicht möglich.

Ich steckte fest. Es schien das Ende der Reise, ohne jemals Finden zu können.

Die unsagbare Verzweiflung, die aus dieser Erkenntnis emporloderte, überstieg alles was bisher erlebt wurde und führte in kurzen Abständen zu mehreren körperlichen Zusammenbrüchen, die sich wie energetische Kurzschlüsse anfühlten.

Trotz der Gewissheit der Vergeblichkeit hielt das Gebet der Hingabe an, vielleicht weil nichts anderes mehr übrig blieb.

Zum ersten Mal fürchtete ich sogar wahnsinnig zu sein. Vielleicht war es dieser Wahnsinn, der in dieser tiefen Verzweiflung die fieberhaften Gebete der Hingabe sogar noch verstärkte.

Schließlich eines Tages wurde das Hingeben angenommen.

Damit hatte ich nicht gerechnet.

Eins
Januar 17, 2012

Eins

Mit der Geburt scheint auch die Suche geboren zu werden. Mit der Trennung vom Mutterleib beginnt die unstillbare Sehnsucht nach der ungeteilten Einheit.

Auch wenn da das Vergessen war, was das eigentlich ist.

Die Geburt in diese Welt erfolgte mit einer Zange.

Die daraus resultierenden Kopfverformungen haben sich schnell zurück gebildet, doch insgeheim waren sie für meine Mutter immer eine grundsätzliche Erklärung für das seltsame Verhalten ihres Kindes.

Mit etwas über zwei Jahren hatte ich scheinbar genug von dieser Welt. Eines schönen Sommerabends trieb mich ein Impuls aus dem Bett und ich kletterte aus dem Fenster unserer Wohnung auf das Flachdach eines angrenzenden Gebäudes.

In einiger Entfernung standen Holzmasten und auf den durchhängenden Kabeln zwischen ihnen sonnten sich einige Vögel in der Abendsonne. Einige von ihnen flogen auf, drehten ein paar Runden und gesellten sich wieder zu den Anderen.

Ich wollte fliegen wie diese Vögel.

Ich stieg auf die freistehende Umrandung des Daches, breitete die Arme und stieß mich ab.

Das letzte Kapitel
Januar 17, 2012

ও Das letzte Kapitel

Für viele Menschen scheint die vermeintlich persönliche Geschichte von Bedeutung zu sein.

Sie möchten erfahren wer man ist und wie alles gekommen ist.

Es ist klar, dass diese Fragen angesichts der Unerklärlichkeit des Lebens kaum eine befriedigende Antwort erhalten können.

Doch ist auch Verständnis und Bereitschaft da dieses Bedürfnis zu erfüllen.

Außerdem kann gesehen werden aus welchem Impuls dieses Bedürfnis gespeist wird.

Gleichwohl kann die Beschreibung irgendeines Lebens nur eine dürftige Skizze sein, die angesichts der unbeschreibbaren Stille vollkommen in Bedeutungslosigkeit versinken muss.

So kann diese Skizze auch nur die Beschreibung der Suche nach Diesem enthalten und natürlich das Ende der Suche, alles andere wäre über die Bedeutungslosigkeit hinaus auch noch wertlos.

Beschreibungen sind natürlich nie das Ereignis an sich, sondern immer nur ein Hinweis, der in eine bestimmte Richtung weist.

So ist dies hier der Versuch das Ereignis des Überganges zu beschreiben. Es ist ein Versuch das Sterben des Egos in Worte zu fassen und was nach diesem Sterben erscheint. Es wird klar gesehen, dass das ein Unterfangen ist, das zum Scheitern verurteilt ist.

Denn jenseits der Worte scheint Dies auf – unbeschreibbares Sein.

Da aber der Impuls Dies zu beschreiben unabweisbar ist, bleibt nur der reine Wunsch übrig, dass diese Beschreibungen von Nutzen sein mögen.

Einleitung
Januar 17, 2012

ও Einleitung

Da ist normalerweise eine gewisse Schüchternheit wahrzunehmen, die man vielleicht auch Scheu nennen könnte, über Dieses zu schreiben. Doch da ist auch diese unbändige unabweisbare Aufforderung, Dies was sich manifestiert hat anderen mitzuteilen.

Dies ist ganz gewiss nicht auf einen persönlichen Wunsch zurückzuführen, sondern wird scheinbar von etwas getragen, das weit über persönliche Wünsche und Vorstellungen hinausgeht.

Nach dem eines Nachts die persönliche Welt wie mit einem Paukenschlag ausgelöscht wurde, trat an der Stelle des persönlichen Erlebens der Welt, ein unpersönliches Sehen dessen was IST.

In dem Sehen Dessen erschienen Wörter, die sich zu Sätzen und Versen formten.

Dieses erschien unabweisbar und eine Kraft, die weit über die bekannten eigenen Möglichkeiten ging, forderte seinen Ausdruck und hat auch, im wahrsten Sinne des Wortes, die Feder in die Hand genommen.

Dies betraf sowohl die schon erwähnten Verse als auch Tagebuchnotizen dieser Wochen.

Angesichts dieser Unabweisbarkeit verblieb als einzige Möglichkeit still zu sein und den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Die Kraft, die sich über einen Zeitraum von etwa sechs Wochen offenbarte, kann man nur als reine Liebe bezeichnen. Es erhob sich aus der Stille ein Sturm der Wahrnehmung wie es nie zuvor gekannt wurde und doch schien es so vertraut.

Das sich Offenbarte ist in sich perfekt und immer vollkommen.

Alle eventuellen Fehler und Unvollkommenheiten gehen allein auf mein Konto und sind meiner Ignoranz, Unwissenheit und mangelnder Klarheit zu verdanken.

Begleitet wurden diese Wochen von einem intensiven Gefühl, das man vielleicht als ein alles umschließenden Druck beschreiben könnte.

Einzig allein Schreiben hat diesen Druck zeitweise mindern können.

Den Druck hat größtenteils der Körper zu tragen gehabt, denn in einem psychologischen Sinne war die Person verschwunden.

Die verschwundene Person ließ ein Gefühl von Leerheit zurück, das mit nichts anderem aufzufüllen war.

Die Person ist bis heute nicht zurückgekommen.

Nun da der Sturm der Stille etwas abgeebbt ist, erhebt sich in Stille ein Leben das sich selber lebt.

Wie wunderbar.

Mögen alle fühlenden Wesen aus diesem Traum erwachen und frei sein.

Um was geht’s?
Januar 16, 2012

Um was geht’s?

Dies ist ein Bericht über das Ende einer spirituellen Suche nach Erleuchtung.

Somit ist es ein Bericht über das Finden.

Die vielleicht überraschende Erkenntnis war das Finden schon immer da ist und die Suche selbst das Hindernis.

Doch das ist keine persönliche Erkenntnis, denn die psychologische Person ist dabei abhanden gekommen.

Diese Person ist bis heute nicht zurück gekehrt.

Somit lebt sich das Leben jetzt selbst.

Das ist sicher nicht zu erklären und noch weniger zu verstehen. Trotzdem wurden Worte auf das Papier geschrieben und haben diesen scheinbaren Übergang beschrieben.

Rückblickend kann gesagt werden, dass dabei aus einer völlig unbekannten Perspektive die Themen beleuchtet wurden, die bei der Suche eine Rolle zu spielen schienen.

Es ist wie ein Blick zurück von einer ewig unbekannten Dimension auf das Land der sehnsuchtsvollen Suche.

Es ist ein Blick zurück, über die scheinbar unüberwindliche Grenze von der der Sucher immer wieder abprallte.

Es wurde aufgeschrieben, bevor die Erinnerungen an die spirituelle Reise verblasste angesichts der unbeschreiblichen Wahrnehmung der Wunder die uns Menschen ständig umgeben.

Über die Bedeutung der Worte hinaus haben die Verse die Kraft durch ihren eigenen Rhythmus die gewohnten Mechanismen des Verstandes zu unterbrechen und sich der Perspektive der Stille zu ergeben.

Die Worte offenbarten sich mit einer unabweisbaren Dringlichkeit und der Körper als Werkzeug schrieb es einfach auf.

Doch vielleicht zur Klärung. Es fand kein Dialog oder Diktat statt, sondern es kann eher beschrieben werden, als ob sich Stille in Worte formte.

Persönlich gesehen ist die Suche beendet, da die Person endete. Doch die Reise der Wahrnehmung geht erst jetzt los. Vielleicht helfen diese Verse und die Tagebuchnotizen den Menschen die noch auf der Suche sind als Orientierungspunkte.

Viel Glück!