Freier Wille
Januar 26, 2012

Fragen eines Freundes

Wie ist das mit dem freien Willen? Hat der Mensch eine freie Wahl?

Freier Wille

02.01.2012

Die uralte Frage nach dem freien Willen ist an sich gar keine richtige Frage, sondern eher eine Behauptung aus einem bestimmten Blickwinkel, aus einer bestimmten Perspektive.

Für eine Person gibt es zweifelsfrei das feste Gefühl dass sie eine Wahl treffen kann. Das der Wunsch, der hinter dieser Wahl steht, nicht immer erfüllt wird (oder fast nie), ist für eine aufmerksame und intelligente Person allerdings auch eine gesicherte Tatsache. Es stellt sich also natürlicherweise für diese aufmerksame Person die nächste Frage;

 Was hat es mit dem freien Willen oder mit der freien Wahl auf sich, wenn sie nicht oder nur sehr selten zu dem gewünschten Resultat führt? Wozu ist der freie Willen dann nützlich?

Wir sprechen hier von etwas Fundamentalem, etwas auf dem diese Welt, die uns nun so krank und verrückt erscheint, gegründet ist.

Aufmerksam, ohne innere Bewegung und Urteil diese Frage zu betrachten ist Heilung. Die Antwort liegt in jedem selbst und niemand sollte einfach akzeptieren was hier steht. Die Antwort darauf selbst zu Sehen, ist das Potenzial aller Menschen. Das ist Finden.

Dort wo die Person weggefallen ist (bzw. gesehen werden muss, dass sie nie existiert hat) muss wahrgenommen werden, dass die Dinge einfach geschehen und Ereignisse sich einfach manifestieren. Der freie Wille der Person spielt dabei überhaupt keine Rolle.

Natürlicherweise kann das eine Person nicht akzeptieren, da die Annahme eine freie Wahl zu haben eine wesentliche Säule des (unbewussten) Existenzbeweises der Person ist.

Doch beide Sichtweisen sind nur Perspektivbetrachtungen, entweder von einer Person oder von einer Nicht-Person. Beides sind somit Wahrheiten, doch sie sind relativ.

Wobei die Perspektive der Nicht-Person mehr in Richtung absolute Wahrheit zu weisen scheint.

Die absolute Wahrheit ist, dass hinter allen Perspektiven die Frage nach Willensfreiheit gar nicht existiert. Sie stellt ein Konstrukt dar, ein Ablenkungsmanöver des Verstandes. Es ist nur ein Gedankenspiel und Gedanke ist nicht Freiheit.

Wille ist Stille die „willt“ oder „nicht-willt“.

Potenzial das sich manifestiert „willt“ ohne jede Spur von menschlichem Einfluss.

Potenzial das sich nicht manifestiert „ nicht-willt“ ohne jede Spur von menschlichem Einfluss.

Potenzial als Manifestation „ willt“ sich in Stille in Objekten die Personen erscheint.

Scheinbar.

Das ist schon alles.

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Nicht-Sein
Januar 24, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Nicht-Sein

26.6.2011

Sofort morgens nach dem Aufwachen, wenn alles zum Leben erwacht und noch bevor die Welt auftaucht, ist er wieder da, der Druck im Kopf.
Die Stille ist davon nicht berührt.
Zu sagen, dass das alles in Stille stattfindet, kommt dem zwar am nächsten, doch es beschreibt es nur, ohne es wirklich zu erfassen.
Komplette Sätze formen sich im Kopf und drängen nach außen.
Allerdings ist es schwer außen und innen zu unterscheiden. Schreiben mindert den Druck und etwas Ruhe kehrt ein.
Der Himmel über der Stadt ist bedeckt und im Grau der Wolken sind feine Nuancen zu erkennen.
Schmale dünne Regenstreifen huschen durch das Bild, das der Rahmen des Fensters bildet, und die schöne alte Kirche bewirkt eine würdige Kulisse.
Stolz und gleichzeitig bescheiden steht sie da, als ob die Jahrhunderte ihr Gemäuer weise gemacht haben. Vielleicht weiser als die Menschen und die Priester, die kamen und gingen.
Der leichte Sommerregen wäscht die Kopfsteinstraßen sauber und übergibt sie gereinigt den Menschen, die heute Abend von ihren Wochenendhäusern zurückkehren, für eine neue Arbeitswoche.
Das Grün des Daches, das den Wachturm mit der großen Uhr schmückt, ist streifig und fleckig. Tauben fliegen in kleinen Formationen und die goldenen Zeiger der Turmuhr rücken etwas weiter.
Der Wind hat das Grau der Wolken ein wenig aufgerissen und küsst die flatternde Landesflagge, die gegenüber am Eingang des Hotels aufgezogen wurde.
Ohne diese Flagge könnte diese Stadt überall stehen, so scheint es. Es gäbe keine Zuordnung oder benennbare Identität. Es wäre nur eine Stadt, irgendwo.
Die Farben der Flagge verleihen den Menschen eines Landes die Sicherheit, jemand zu sein, hierher zu gehören, eine Identität zu besitzen und Rechte zu haben. Ohne die Farben der Flagge scheint es nicht mehr so klar und etwas müsste an ihre Stelle treten, um die Ungewissheit des Nichtseins, der Nichtidentität aufzufangen.
Was würde passieren, wenn von den allen Menschen gesehen werden würde, dass Nicht-Sein ihre Natur ist?
Die Natur der Ist-heit, dies So-Sein, so wie sie erscheint und vergeht seit Ewigkeit, ist sie so beängstigend?
Es gibt keine Erinnerung daran. Es gibt keine Angst und in dem leuchtenden Zentrum ist nur Schweigen.
Die Zeiger der Turmuhr rücken voran und zeigen, dass es Zeit ist aufzubrechen.
Ein Friedhof soll besucht werden, der am Rande der Stadt wartet.

Unbewegte Stille
Januar 24, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Unbewegte Stille

25.6.2011

Es ist die wie ein Druck im Kopf, der irgendwie nach innen in Tiefe implodiert. Durch Schreiben wird der Druck erträglicher. Er scheint sich eine Zeitlang abzubauen, wobei die Tiefe bleibt. Die Sätze formulieren sich wie von selbst in der Hand und der Stift schreibt, doch da ist keine Stimme, die ein Diktat aufgibt. Einfach Stille formt sich in Worte auf das Papier. Das Thema enthüllt sich nach und nach. Da ist nur Aufmerksamkeit, und falls da Gedanken sind, gehen sie nicht über den gewohnten Weg – über den Kopf, sondern direkt von nichts zu nirgendwo.
Das Umschreiben vom Papier in den Computer erfolgt unmittelbar und ist wie eine Prüfung über das Geschriebene. Keine Wertung oder Abwägung, wie man vermuten könnte, einfach nur stille Achtsamkeit und ein Eingriff in die Worte, falls etwas nicht an seiner Stelle ist.
Das ist schon alles.
Gestern Abend beim Spaziergang wurde über die Stadt geschaut. Die untergehende Sonne streifte die Häuser hinter dem Fluss und tauchte sie in ein sattes goldenes Gelb. Die Spitzen der Kirchtürme blitzten mit ihren vergoldeten Kugeln und Kreuzen. Die Ruhe des angebrochenen Wochenendes breitete sich über das Wasser des Flusses aus. Die Wolken am Himmel zogen von einem Höhenwind angetrieben über die Stadt in Richtung Süden und die Schwalben badeten in der Luft mit tollkühnen Flugmanövern.
Rote Beeren blitzten an den Sträuchern auf grünen glänzenden Blättern.
Die Stille, in der Dies alles erscheint, ist satt und ruhig.
Unbewegt erscheint in ihr alles in Bewegung.
Man wartet, dass sie vergeht, doch sie bleibt und das Bewegte vergeht.
In der Schau ist der Himmel übersät mit kleinen runden Sphären, ungetrübt und transparent.
Ganz in der Nähe wird ein Film gedreht. Die Kamera gleitet auf Schienen und nimmt vor den Kulissen der Stadt einen Mann dabei auf, wie er mit der Hand darauf weisend etwas in das Mikrofon, das über seinem Kopf schwebt, erklärt.
Die Menschen lachen und haben glückliche Gesichter.
Schön sind sie, wenn sie so fröhlich sind.