Der Versuch einer Bilanz
Februar 28, 2012

Der Versuch einer Bilanz

28.02.2012

Die Jagd nach  Erkenntnis, die Suche nach Erleuchtung hatte viele Jahre eine geradezu rücksichtslose Getriebenheit angenommen. Da waren die neunziger Jahre in Mexiko auf der Jagd nach Castaneda, Hexen, Brujos und Schamanen. Eine rastlose Suche durch Süd-,Mittel- und Nordmexiko in die entlegensten Winkel und auf einsame Hochplateaus. Weil es nicht anders ging nahm ich meinen kleinen Sohn mit.

Erstaunlich was Kinder ertragen können. Er machte wirklich alles klaglos mit und saß geduldig neben mir, wenn wir tausend Meter über der Wüstenebene auf dem Gipfel eines Berges scheinbar ewig dem Wind lauschten. Er klagte nicht, wenn ich das Trinkwasser vergaß und wir nur sehr knapp mit dem Leben davon kamen. Er blieb still, wenn wir durch den Urwald wanderten, ins Nirgendwo, wo es gar nichts mehr gab, außer Schlangen, Moskitos und Skorpione. Er jammerte auch nicht über die brutale Hitze, wenn wir ziellos durch öde Halbwüsten streiften. Auf einer Kaimauer einer kleinen Stadt am pazifischen Ozean fiel er mit elf Jahren das erste Mal in Stille, das erzählte er mir heute, anderthalb Jahrzehnte später. Ich kann nicht ausschließen, dass es die Erschöpfung war. Tatsache jedoch ist, dass dort in diesem kleinen Menschen Finden stattfand und ich habe es nicht wahrnehmen können.

Spirituelle Suche kann ein ziemlicher Egotrip sein, ein gigantischer Kopftrip ist es allemal.

Irgendwann war Schluss. Mein Sohn weigerte sich entschieden in Ixtlan aus dem Bus zu steigen und so flogen wir zurück nach Europa. Ich kann nicht davon  berichten in Mexiko einem erleuchteten Lehrer begegnet zu sein, der einen spirituellen Pfad der Befreiung unterrichtet hätte. Wenn ich einem begegnet sein sollte, so ist heute klar, dass ein Erkennen meinerseits sowieso nicht möglich gewesen wäre. Der Kopf war zu voll mit Konzepten, Wünschen und Hoffnungen.

Und doch kehrte eine Art von Ruhe ein. Eine Ruhe, die man vielleicht als eine Stille vor dem Sturm bezeichnen könnte.

Die Suche ging weiter. Es ist sicher heutzutage einfacher jede Art von Meister oder Lehrer in Europa zu finden, einfacher als im Hochland von Mexiko oder in den Schluchten des Himalayas auch nur einen Menschen zu finden, dessen Sprache man versteht.

Vom Theravada-Buddhismus über den tibetischen Vajrayana, über Bön hin zu den unermesslich kostbaren Dzogchenlehren, von hinduistischen Religionsströmungen aller Couleur bis zur kontemplativen Traditionen innerhalb des Christentums, die Tafel in Europa ist für den spirituell Suchenden reich gedeckt.

Meine Suche erstickte schier am Überfluss, kam scheinbar zum Erliegen, um doch nur noch heftiger wieder aufzuerstehen.  Es kann nicht gesagt werden, dass während der ganzen Zeit tatsächlich irgendetwas verstanden wurde. Es wurde auch nicht verstanden, dass es nicht um das Verstehen geht.

Schließlich wurde in diesem ständigen Versuch des Verstehen-Wollens, der gesamte Körper und Geist Ende 2010 von einer Art Nervenfieber geschüttelt und kollabierte regelrecht. Ich schleppte mich ins Bett und war einverstanden zu sterben. Das zog sich über zwei Wochen hin, doch der Körper starb nicht.

Im Januar 2011 eines Nachts, auf dem Weg von der Toilette, implodierte plötzlich die Welt. In einer Reihenfolge von innen nach außen wurde alles wie in ein bodenloses schwarzes Loch aufgesaugt und verschwand rückstandslos im nirgendwo. Als Letztes wurde von diesem schwarzen Loch die Vision des mit einer Kerze beleuchteten Schlafzimmers  aufgesogen, dann brach alles Bekannte zusammen und die Welt erlosch.

Der Körper erwachte auf dem Boden. Wie lange er dort gelegen hatte, kann man nicht sagen. Vielleicht Stunden oder schon immer? Doch ein durchdringendes Gefühl, dass irgendetwas fehlte, war zu bemerken und überlagerte jede andere Frage. In den folgenden Tagen und Wochen erholte sich der Körper und der sonst immer ruhelose Verstand blieb einfach stumm. Es gab keine Antworten auf die Frage, was da anders war. Ein erstaunliches Merkmal dieser Ruhe im Kopf war, dass es keine Spur von Angst gab. Es war nicht mehr möglich Angst zu haben. Der Körper reagierte ganz natürlich bei Situationen von Gefährdung, aber das geschah völlig selbständig und unspektakulär.

Keine Beschreibung in der Literatur konnte gefunden werden, die das erklärte was da geschah. Die essentiell größtmögliche Näherung konnte ich in dem Buch von Bernadette Roberts finden, allerdings gab es da Schwierigkeiten mit dem Verstehen des christlichen Kontexts.

Monate später schaute ich einem Menschen in die Augen, wie in einen tiefen Spiegel. Die Stille stand als dieser Mensch einfach zur Verfügung, ohne Regung, ohne Absicht. Dort fand plötzlich Erkennen statt und alles Nicht-Gewusste fiel an seinen Platz, einfach so, völlig mühelos.

Es folgte ein ungekanntes Aufblühen von Klarheit und Lichtheit, in einer Schlichtheit des Sehens, die unbeschreibbar ist. Lichtheit ist hier wörtlich zu nehmen. Es konnte ein inneres Leuchten wahrgenommen werden, als wenn eine kleine Sonne verschluckt wurde. In diesem Sturm in Stille reihten sich einfach Worte aneinander und versuchten das Unbeschreibbare zu beschreiben. In Tagebuchnotizen versuchte ich wenigsten einen Schimmer der Sicht festzuhalten. Doch gelungen ist das wohl eher nicht.

Es wurde klar, dass die Person oder das Selbst weg war und nichts an deren Stelle getreten ist. Ich würde es als ein Wegfallen von etwas völlig Überflüssigem bezeichnen. Man kann ganz gut ohne ein persönliches Gefühl einer Existenz leben, sowieso gibt es keine Wahl, denn die Person kam nicht zurück.

Im Herbst dann, wurde die Stille noch tiefer und obwohl das kaum für möglich gehalten wurde, kann auch das Nicht-Selbst verschwinden. Das Gefühl dazu ist als ob der gesamte Bewusstseinsinhalt durch ein winziges Schlüsselloch in eine unerkennbare Dimension gedrückt wird. Dabei gibt es gute Tage, in denen diese Fixierung auf das „Schlüsselloch“ nicht so ausgeprägt ist und es gibt schlechte Tage, da ist außer dem Hinstarren auf diese winzige Öffnung nichts möglich. Körper und Geist ist dann so fixiert, dass dann keine Regung möglich ist, stundenlang. Wo das hinführt ist unbekannt, aber es ist einfach so. Heute ist ein guter Tag.

Manchmal finden Gespräche mit Menschen statt und auf die Fragen kommen einfach Antworten. Die Antworten werden entweder aufgezeichnet oder sie lösen sich einfach auf. Das Gedächtnis funktioniert tadellos, allerdings kann es irgendwie nichts lernen und in einer bekannten Art und Weise speichern. Es findet einfach in spontaner Form ein beantworten statt und nach dem Aussprechen der Antwort ist dann einfach nur antwortlose Stille da, in sich spannungsfrei. Es ist einfach Antwort da, weil eine Frage auftaucht. So ist es auch mit allen Dingen des täglichen Lebens.

Die Reise ist nicht zu Ende, aber alle Erwartungen sind beendet.

Falls noch Antworten kommen, werden sie hier vielleicht wiedergegeben. Wenn nicht, ist es auch gut.

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Sehen
Februar 18, 2012

Kuss der Stille

Sehen              Audio

5.07.2011

Und nun da Du siehst
was Du schon immer bist
vergessen nur in dunklen Tagen
die leuchtend Natur
MEINES liebend Herzens

Nun steh still angesichts von MIR
Rühr Dich nicht
mit keiner Faser
Lass dich vom Sehen überfluten
fasse keins der Dinge an
die erscheinen mögen
nicht im Geiste
nicht im Körper
nicht in Energie

Reglos werde ICH
Dich überall durchdringen
und in Stille
wird jede Pore durch MEINE Liebe
tief gereinigt
von dem Tun in Deiner dunklen Nacht

Schau nun nur auf MICH
auf nichts mehr sonst
So siehst Du alle Dinge
die erscheinen können
erschein in MIR
und das bin ICH

Atme und schau still
in MEIN HERZ
ohne Reaktion
auf die Schönheit die sich offenbart
benenne nichts
auch nicht das Wundervolle
das sich durch Dich nun
selber sehen kann

Formen sich Worte aus der Stille ohne Müh
sprechen sie sich selber aus
und ausgesprochen verschwinden sie
leer zurück in leuchtend Ruhe

Bleib still
lass alles fallen

Nur Sehen aus der Stille bleibt
Und Du bist nun für
immer frei

Ich habe diese Stille schon erfahren. Doch es scheint als ob sie immer wieder entgleitet. Wie kann ich Stille dauerhaft erfahren?
Februar 15, 2012

Fragen eines Freundes

09.01.2012

 

Ich habe diese Stille, diese Ruhe im Kopf, schon erfahren. Doch es scheint so als ob sie mir immer wieder entgleitet, als ob sie verschwindet. Wie kann ich diese Stille dauerhaft erfahren?

Du kennst schon die einzige Bedingung, während wir hier dieses Gespräch über Stille führen, oder? Diese Bedingung ist notwendig, damit überhaupt ein Gespräch stattfinden kann, damit beim Frager dies ankommt, dies was mittels des Sprechers ausgedrückt wurde. Die Bedingung ist ein vorurteilsfreies Zuhören dessen, was bei der Antwort ausgedrückt wird. Kein Annehmen, kein Ablehnen, kein Ignorieren, einfach nur still zuhören. Das scheint recht einfach und ist gleichzeitig die schwierigste Aufgabe, die wir von unserem zersplitterten ruhelosen Verstand verlangen können.

Wie du selbst bemerkst, kämpfst du schon mit dieser kleinen Bedingung. Wie wird es dann erst mit der Antwort sein? Vielleicht gefällt dir die Antwort und sie passt in dein Konzept von Wahrheit und Wirklichkeit. Dann wirst du zustimmen und die Antwort als weise preisen. Dann speicherst du sie ab unter „gute Antwort“. Oder, du lehnst sie kategorisch ab, ja sie macht dich sogar wütend. So sollte die Antwort nicht sein, sagst du. Du empfindest die Antwort als nutzlos, denn sie bringt dich nicht weiter. Vielleicht sagt du einfach, das verstehe ich nicht und wendest dich irgendeiner anderen Beschäftigung zu und vergisst sogar deine Frage vollständig. All das ist eine mögliche Reaktionsform.

Du kennst all diese Reaktionsformen genau. Es ist die Art wie wir Menschen ständig reagieren. Es ist unser mechanischer Reaktionsautomatismus, er unterstützt die Blase in der wir gewöhnlich bis zum Tod eingehüllt bleiben. Wenn wir sterben reißt diese Hülle auf und wir erhaschen ein Blick auf das Unvorstellbare, auf das Undenkbare.

Die Blase sollte eigentlich unserer Sicherheit dienen, doch nun ist es ein Gefängnis geworden und wir drohen darin zu ersticken. Deine Frage ist ein Ausbruchversuch aus dem Gefängnis. Die Antwort kann die Strickleiter sein, die dir hilft ein Blick über die Mauern zu werfen, doch klettern musst du selber. Die Frage ist doch ob du den Mut hast die paar Sprossen hochzuklettern. Bist du mutig genug?

Also gut, dann klettern wir ein paar Sprossen gemeinsam empor.

Stille an sich ist kein Objekt was erlangt wird und von jemand erfahren werden kann. Erkennt sich Stille als Stille in Form, zum Beispiel in der Form eines Menschen, so verschwindet dieser Jemand. Es verschwindet die gedachte und gefühlte Person augenblicklich, da diese psychologische Person das eigentliche Hindernis für dieses Erkennen darstellt.

Für eine Person ist diese Wahrheit ein schwerer Schlag, da sie ja davon ausgegangen ist, wenn sie nach Erkenntnis fragt auch als Lohn Erkenntnis bekommt. Für den Verstand ist das die größte Niederlage, die er zur Kenntnis nehmen muss. Es folgen die drei bekannten Reaktionsformen in unterschiedlichen Heftigkeiten und ihren jeweiligen Ausprägungen. Zwischen heller Wut und tiefer Depression ist alles möglich. Diese Reaktionen kennst du genau. Es ist dieser Reaktionsmechanismus, der uns Menschen das Leben ständig schwieriger erscheinen lässt. Alles wird komplizierter und wir fühlen uns tiefer und tiefer verstrickt in die Angelegenheiten des Lebens. Wir sind unglücklich, oder wir bemerken sogar unser unglücklich-sein nicht einmal mehr. Dann scheint alles in einer Art von Dumpfheit, von Betäubung, zu versinken.

Und plötzlich taucht da eine Erfahrung der Stille auf, eine Erfahrung der Ruhe im Kopf. Nun schau doch einfach mal genau hin. Hat Jemand, eine Person, Anteil an dieser Erfahrung gehabt oder ist die Erfahrung einfach aufgetaucht? Genau, du konntest zum Auftauchen der Erfahrung nichts beitragen. Das ist die Wahrheit. Jetzt greifst du nach dieser Erfahrung, weil es schön war endlich Ruhe zu haben und möchtest diese Erfahrung wieder haben. Du bist ein kluger Mensch mit einem scharfen Verstand und doch kannst du diese Erfahrung nicht replizieren. Das ist eine Tatsache. Das hast du selber herausgefunden. Kannst du diese Tatsache einfach sehen, ohne ein begriffliches denkbares Objekt daraus zu kreieren?

Gut, jetzt haben wir eine Basis für dieses Gespräch.

Bei diesem Gespräch geht es um das wichtigste Thema für die Menschen überhaupt. Es geht um Freiheit. Es geht um deine Freiheit. Jedes fühlende Wesen sucht letztlich Freiheit. Freiheit von Schmerz, von Unsicherheit, von Armut, von Unglück und vom Leiden.

Die Suche nach Ganzheit ist die Suche nach Freiheit von der inneren Zerrissenheit, von der inneren Zersplitterung.

Wenn du jetzt wieder deine Klugheit benutzt, kannst du vielleicht entdecken, wer oder was sich da in unserem Leben so zerrissen und zersplittert empfindet?

Aha, du bist es selber. Und was ist dieses du? Nein, bitte keine psychologische Definition! Zeig doch einfach mit der Hand auf das>du<. Nun, das ist der Körper, da ist kein du zu sehen.

Ok. Also das>du< können wir nicht finden, aber es ist irgendwie scheinbar doch da. Es erscheint jetzt allerdings nun etwas substanzloser, nicht mehr so fest, während unserer Forschung. Gut, bleibe einfach so, greife nicht nach der Erfahrung von Substanzlosigkeit.

Dann kannst du als nächsten Schritt forschen ob in der Erfahrung der Stille, die erfolgt ist, diese Zersplittertheit ebenfalls erfahren wurde. Genau, dort war diese Zersplittertheit abwesend. Was also genau war dann abwesend, wenn die Erfahrung von Stille erfahren wurde?

Es wurde also die gleiche Substanzlosigkeit des >du< erfahren, die es ermöglichte die Erfahrung der Abwesenheit von Zerplittertheit zu erfahren. Es war also plötzlich Raum vorhanden in der Stille leuchten konnte.

Für einen Bruchteil warst du scheinbar nicht so fest, so dass sich die wahre Natur offenbaren konnte. Und hast du aufgehört zu existieren oder bist du wahnsinnig geworden? Nein. Also wo vor hast du Angst? Wenn du willst, finde doch heraus was da eigentlich Angst hat. Denn du hast ja bei dieser Erfahrung der Stille keinerlei Schaden genommen. Finde doch selber heraus was sich da so sehr fürchtet und gleichzeitig so entsetzlich sehnt.

Vielleicht stößt du bei deiner Forschung auf die Wahrheit. Nur wenn du selber darauf stößt, ist es von Bedeutung, von dauerhafter Natur. Dann zerfällt es auch nicht mehr bei jeder kleinsten Bewegung im Leben. Dann endet Suche, dann ist sogar Finden bedeutungslos. Dann erwacht Menschsein. Dann leuchtet bedingungslose Liebe auf.

Dann kann sich das Eine endlich auch durch zwei Menschen umarmen. Dann können wir zusammen eine Tasse Tee trinken und lachen.

Forsche mutig.

Das Teewasser kocht schon.

Sturm der Stille
Februar 11, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Sturm der Stille

06.7.2011

Gehen ohne Ziel, der Blick ein paar Meter voraus auf den Boden gerichtet, der Kopf gleichzeitig voll und leer. Jede einzelne Zelle im Körper scheint zu brennen, die Wahrnehmung überflutet, Gedanken entleeren explosionsartig ihren Inhalt. Alles gleichzeitig brutal direkt, unvermittelt und gleichzeitig wie ein flüchtiger Kuss einer unbekannten Liebe.

In diesem Feuer setzt der Körper längst vergessene Erlebnisse frei, die intensiver erscheinen als zum Zeitpunkt des Erlebens.

Geräusche, Gerüche, Gefühle entfalten sich dazu wie der Duft einer wunderschönen Blume. Projizierte Bilder, Sehnsüchte und Verzweiflung erscheinen besitzergreifend und lösen sich bei der nächsten Regung rückstandslos auf. Um dann mit aller Kraft wieder zu erscheinen und wieder zu verschwinden.

Der Geist ist unbewegt, das Hirn stumm und Schweigen ist die Antwort auf den Sturm. Gehen ist wie eine Meditation und die Gespräche der Menschen umher verhelfen der Stille sich zu zeigen, der Stille in der Alles erscheint.

Auch Dieses.

Die Sonne strahlt über das Dach gegenüber des kleinen Cafés, zu dem die Füße wie von selber gingen.

Schreiben mildert den Druck im Kopf und kühlt die brennenden Zellen des müden Körpers.

Alles ist ohne Mühe perfekt an seinem Platz.

Die Welt fügt sich immer wieder aufs Neue zur anbetungswürdigen Schönheit zusammen.

Aus der Stille gebiert sie sich selbst, nur um für sich selbst zu blühen und um im gleichen Moment in sich zu sterben.

Welch zwecklose Schönheit ohne Absicht zu gefallen, lieg ich DIR zu Füssen und DEIN Herz küsst meine Stirn mit glühenden Lippen.

Ein Trompeter bläst vom Turm auf dem Platz und die Töne verklingen im Abendhimmel. Ein Taxi fährt vorbei.
Das Ist ALLES.

Wahrnehmung
Februar 5, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Wahrnehmung

05.7.2011

Ein unerhörter Strom von Lichtketten, Lichtwolken, Lichtfetzen mit einer unmenschlichen Geschwindigkeit schießt durch den Körper, so scheint es.

Der Körper ist diesem unaufhörlichen Strom leer und mit einer Hülle wie aus dünnem Papier ausgesetzt. Wie erstarrt und gleichzeitig mit jeder Faser vibrierend liegt der Körper im Bett. Jegliches bekannte Wollen scheint ausgelöscht, jegliches bekannte Körpergefühl scheint ausgelöscht und Bewegen scheint kaum möglich.

Alles scheint zu sterben. Das Körpergefühl schmilzt und es bleibt nur Wahrnehmung.
Es ist nichts Glückseliges oder Euphorisches in dem, nur reine Wahrnehmung in vollem Bewusstsein.

Angst taucht nicht auf.

Es gibt kein Ort, wo Angst auftauchen könnte.
So etwas wie Einverständnis taucht auf und die letzten dünnen Grenzen scheinen wegzuschmelzen.
Einverständnis taucht aus sich selber auf, weder Körper noch Geist, noch irgendwas ist dabei involviert.
Jede Zelle vibrierend fällt endlos in leuchtende Leere, durchströmt von reiner Lebendigkeit.

Irgendwie wird aus dem Endlosstrom etwas fixiert und entlädt sein Inhalt im gleichen Augenblick. Bilder, Ereignisse, Einblicke, es gibt keine Begrenzung.
Wie das geschieht, es gibt keine Worte dafür.

Manche dieser Inhalte können einen Sinn geben, das bedeutet, es kann irgendwie eine Beziehung zwischen gesehenem Inhalt und dem Sehen hergestellt werden, und dann entstehen Worte, die auf Papier erscheinen.
Das Meiste dessen geht verloren, die Geschwindigkeit ist zu hoch oder der Körper zu langsam.

Es ist, als ob ein Fernsehgerät alle Kanäle gleichzeitig anzeigt.
Allerdings nicht in kleinen Bildchen nebeneinander, sondern tatsächlich alles gleichzeitig, übereinandergelegt, ineinander verschlungen, sich durchdringend.

Der Körper ist entsetzlich müde.

Dann ist da oft ein Kommentar, der aber keine Stimme ist, die von irgendwo kommt. Es ist mehr eine Gewissheit zu wissen, was zu tun oder zu lassen ist. Ein Wissen, was anweist dieses anzuschauen oder jenes zu lassen oder das nicht anzufassen. Das ist diese Gewissheit, die man aus Gewohnheit Stimme nennen könnte, und sie ist immer richtig. Es gibt da keine Fehler.

Und doch ist es nur eine Erfahrung der Fehlerlosigkeit.
Stille als fehlerlose Gewissheit. Bedeutungslos angesichts der Unermesslichkeit dessen, was sich offenbart.

Ab und zu scheint es so, als ob das Gehirn versucht irgendein Teil des Mechanismus anzuwerfen, aber die gewohnten Automatismen mit ihren Interpretationen funktionieren nicht mehr.

Manchmal hört sich das an wie ein altes Echo aus einer tiefen Schlucht, bis es schließlich wieder verstummt. Der Mechanismus scheint zu zerfallen und die einzelnen Teile, so ist die Vermutung, zerfallen selbst weiter in Teile.
Vermutung deshalb, weil es keine Reflektion über das alte Innenleben gibt.

So ist Vermutung das Einzige, was verbleibt, wenn sich Aufmerksamkeit darauf richtet. Das ist aber nicht oft der Fall. Dort wo mal etwas gewesen zu sein scheint, ist Leere. Leere, die Stille Ist und die wahrnimmt.
Da das nicht durch Rückmeldung bestätigt werden kann, kann nur durch die Auswirkungen geschlossen werden, dass da nichts ist.

Vieles von dem, was da im Strom der Sicht vorüber zieht, gibt überhaupt keinen Sinn. Es gibt keine Möglichkeit, das irgendeinem Kontext zuzuordnen, und es gibt nichts, was man dazu niederschreiben könnte. Es gibt keinen bekannten Bezugsrahmen, der sinnvolle Worte für dies bereitstellt.

Das betrifft das Allermeiste von dem, was sich offenbart.

Humane Interpretationskontexte scheinen in der Unermesslichkeit des Gesehenen eher selten.
Alles passiert, wenn man das überhaupt so beschreiben kann – denn es passiert nichts – sondern es IST jetzt alles. Und dies wird vom gesamten Körper wahrgenommen. Wahrnehmung dessen geschieht überall gleichzeitig.

Es gibt keinen bevorzugten Ort im Körper für Wahrnehmung wie den Kopf oder die Augen. Die Hand, der Fuß, der Oberkörper „sehen“ genauso.
Alles nimmt wahr, ununterbrochene, uninterpretierende Wahrnehmung, nur Ist sehend.

Manchmal ist der Druck des Sehens so hoch, dass sich Bewusstsein vom Körper zu trennen scheint. Wie eine kleine Ohnmacht, die nur Millisekunden zu dauernd scheint. Als ob ein Stromkreis zusammenbricht und sich wieder aufbaut. Doch weder Bewusstsein noch Wahrnehmung geht verloren.

Doch dann wird nur Leere, Stille ohne Inhalt gesehen, und obwohl es dann so scheint, als ob das Sehen auch zusammenbricht, sieht das Sehen weiter. Es sieht dann nur Nichts. Der Zusammenbruch des inhaltlichen Sehens wird währenddessen wahrgenommen und nicht später rekonstruiert.

Also sehende Wahrnehmung als Sehen bleibt auch dann bestehen, auch wenn Nichts gesehen wird.
Es sieht so aus, als ob Sehen unabhängig vom System Mensch erfolgen kann. Das Sehen seiner selbst benötigt kein menschliches Wesen, aber es ist auch durch ein menschliches Wesen möglich. Die Menschen sind weit davon entfernt, die Krone irgendeiner Schöpfung zu sein. Sie reihen sich nur ein in einer unbeschreiblich großen Anzahl von fühlenden wahrnehmenden Erscheinungsformen.

Für die Beschreibung des Gesehenen braucht es scheinbar diesen menschlichen Körper, da eben für Menschen geschrieben wird.

Dies braucht nichts, auch keine Menschen. Dies erscheint unter vielem anderen auch als Mensch. Eine kleine Welle auf dem endlosen Ozean der Tiefe.

Ein Rückschluss, dass der alte Mechanismus mit seinem ich und selbst kaputt sein muss, ist, dass er Dies sicher nicht aushalten würde.
Der zweite Rückschluss ist, dass wenn er noch da wäre, dieses Schreiben nicht funktionieren würde. Die Direktheit des Sehens erlaubt keine Reflektion oder ein mechanisches Aufnehmen und Wiedergeben.

Gewissheit, dass der Mechanismus kaputt ist, beziehungsweise nicht mehr da ist, gibt es nur indirekt. Die Leitung zum Maschinenraum ist gekappt worden und es gibt keine Regung sie auch wieder herzustellen.

Da ist nur Sehen und es erfordert alle Kraft.
Und diese Kraft wird mit dem Sehen zur Verfügung gestellt und dient nur dem Sehen selbst.

Der Körper hat fast keine Kraft für etwas anderes als für sich selbst.
So bleibt es beim Sehen und sonst nichts.

All dies ist in endloser Stille und die Schau ist grandios, endlos tief, leuchtend und voller Wunder.

Lebendigkeit
Januar 23, 2012

Lebendigkeit

18.06.2011

Und das ist dies!

Das Leben scheint wie Flüssigkeit in dem Gefäß
Da ist das Lebendige, was sich wie Öl in deinen Zellen regt
und nur aus sich heraus bewusst und leuchtend scheint

Da ist der Körper, der Dich trägt und deine Welt zusammenhält
ohne Öl, bewusst und leuchtend ist er nur ein leeres Glas
Ein Stoß genügt und die Gemeinschaft geht verloren
der Anker löst sich aus dem Grund und die Vision verschwindet
wie ein verlöschter Sonnenstrahl

Aber nun schau ICH durch dieses zarte Instrument
unverstellt MEIN Blick und sehe das elegante Spiel der Formen

Und nun was bleibt
wo Du und ICH das Selbe sind?

Spürst Du die reine Freude, wenn Du MICH siehst?
Dann genieß das Spiel der Formen
bis auch das vergeht

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