Muss ich das Ego loswerden um Stille zu finden?Teil 3
März 15, 2012

Fragen eines Freundes

11.01.2012

Muss ich das Ego loswerden um die Stille zu finden? Teil 1

Ist das Ego schuld an dieser kranken Welt? Teil 2

Ich fühle mich innerlich so zerrissen. Was soll ich tun um endlich Ruhe zu haben?

Teil 3

Wenn du einem fühlendem Wesen, nehmen wir einfach mal einen Menschen, in die Augen schaust, was siehst du?

Kannst du in dieser Dimension der Tiefe die Unendlichkeit der Stille, die absichtslose Liebe, die Manifestation der bedingungslosen Hingabe sehen? Oder spiegelt sich an der Oberfläche nur dein Abbild wieder? Ein Abbild von Zerrissenheit und Angst, verzweifelter Suche nach Ruhe und Sicherheit.

Wieso nimmst du eigentlich an, dass diese Zerrissenheit in dir sein könnte? Vielleicht weil du es irgendwo gelesen hast, oder es jemand gesagt hat und du sprichst es nun einfach ungeprüft nach? Oder weil es bequem ist Vorstellungen, Konzepte, Glaubenssätze und Behauptungen zu übernehmen und zu wiederholen? Seltsam, sonst zweifelst du an allem. Doch dieses Konzept nun übernimmst du einfach ungeprüft und nur allzu bereitwillig. Es wird vielleicht noch so weit kommen, dass du behauptest die Zerrissenheit zu sein und wir müssen auch noch ein Gespräch darüber führen, dass du offensichtlich nur der Ausdruck der anfangslosen Ganzheit sein kannst, jenseits von Ursache und Wirkung.

Lass das doch einfach gehen und entspann dich. Es kann dir keine Ganzheit geschenkt, verliehen oder erweckt werden. Deine Zerrissenheit ist eine Illusion, möglicherweise eine schmerzhafte, aber eben eine Täuschung. Ganzheit ist Realität. Die Suche nach Ganzheit, das Weglaufen von dem Gefühl der Zerrissenheit wird das Leid nicht beenden. Es wird die Täuschung nicht beenden, da du, erst durch die Suche nach Ganzheit, der Täuschung der Zerrissenheit einen gewissen Wert gibst.

Wenn der innige verzweifelte Wunsch besteht Ganzheit zu erfahren, so schau doch deine Zerrissenheit genau an. Schau genau hin und forsche nach was sich da so zerrissen fühlt. Diese Forschung kann niemand für dich machen, es ist deine Aufgabe. Dafür brauchst du keinen anderen Menschen. Deine inhärente Qualität ist völlig ausreichend und du musst nur aufrichtig sein, das zu akzeptieren was bei deiner Forschung zu tage kommt. Hier kannst du deinen Verstand einsetzen, deine Klugheit, deinen Willen und deine Entschlossenheit dein Leiden zu beenden.

Wird wirklich aufrichtig mit einem Forschergeist geforscht, wird nicht auf vorgefertigte Antworten zurückgegriffen, wird nicht vor dem Schmerz zurückgewichen, wird nicht vor der Liebe geflüchtet, ja dann kann da etwas geschehen das bisher nicht vorstellbar war.

Vielleicht findest du dann keine Worte um es auszudrücken, doch das ist völlig in Ordnung.
Vielleicht kommen ungeahnte Erfahrungen, auch das ist völlig in Ordnung.
Bleib ganz ruhig und greif nach nichts, was da auch immer in deiner Wahrnehmung erscheinen mag.

Da ist vielleicht nur eine stille leuchtende offene klare geistige Verfassung, die in sich ruht.
Gut.
Jetzt ruht der Verstand, und das ist auch völlig in Ordnung.

Doch keine Angst, der Verstand geht nicht weg, genau so wenig wie das Hören verschwindet oder die Fähigkeit des Riechens, Fühlens und Sehens.
Doch die Sinne können, befreit für einen Augenblick, wirklich frei wahrnehmen und das Wahrgenommene muss nicht durch den Filter von Konzepten und Verstandesarbeit durchgezogen werden.
Welch eine Last fällt da von den Schultern des Verstandes, entledigt von einer Aufgabe die viel zu groß für ihn ist, kann er in sich ruhen, wenn er nicht gebraucht wird.

Hier fällt jedes Gefühl von der Illusion der Zerrissenheit formlos in sich zusammen und es kann gesehen werden, dass Illusion einfach nur ein Nicht-Erkennen ist.

Erkennen zerstört jede Illusion und das Erkennen der Ganzheit, die du schon immer bist, vertreibt jeden Nebel der Täuschung.

Was bleibt ist ein einfaches nacktes Leben, wirklich recht simpel. Entspannt, ruhig, wahrnehmend, unterscheidungsfähig, unaufgeregt und aus sich heraus wissend.

In gewisser Hinsicht erscheint so ein Leben einfacher als das gewohnte Leben durch ein Selbst, unspektakulärer eben.

Es ist nüchtern und klar, doch scheinbar kann so die volle Ladung der Liebe, die durch die Form aufscheint, erlebt werden, ohne das Form sofort verglüht.

Das Selbst ist tatsächlich die einzige Verteidigungslinie vor dem bedingungslosen Aufglühen dieser unfassbaren Wahrnehmung, doch der Preis ist verflucht hoch dafür.

So schau doch in dir nach, ob du bereit bist den Preis noch zu bezahlen.
Wenn ja, ist es völlig in Ordnung.

Doch wenn du fühlst, für dein sogenanntes Leben genug bezahlt zu haben, dann musst du dich darauf einstellen, dass Freiheit völlig kostenlos ist.

Das wird vielleicht ein Schock sein.

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Ich habe diese Stille schon erfahren. Doch es scheint als ob sie immer wieder entgleitet. Wie kann ich Stille dauerhaft erfahren?
Februar 15, 2012

Fragen eines Freundes

09.01.2012

 

Ich habe diese Stille, diese Ruhe im Kopf, schon erfahren. Doch es scheint so als ob sie mir immer wieder entgleitet, als ob sie verschwindet. Wie kann ich diese Stille dauerhaft erfahren?

Du kennst schon die einzige Bedingung, während wir hier dieses Gespräch über Stille führen, oder? Diese Bedingung ist notwendig, damit überhaupt ein Gespräch stattfinden kann, damit beim Frager dies ankommt, dies was mittels des Sprechers ausgedrückt wurde. Die Bedingung ist ein vorurteilsfreies Zuhören dessen, was bei der Antwort ausgedrückt wird. Kein Annehmen, kein Ablehnen, kein Ignorieren, einfach nur still zuhören. Das scheint recht einfach und ist gleichzeitig die schwierigste Aufgabe, die wir von unserem zersplitterten ruhelosen Verstand verlangen können.

Wie du selbst bemerkst, kämpfst du schon mit dieser kleinen Bedingung. Wie wird es dann erst mit der Antwort sein? Vielleicht gefällt dir die Antwort und sie passt in dein Konzept von Wahrheit und Wirklichkeit. Dann wirst du zustimmen und die Antwort als weise preisen. Dann speicherst du sie ab unter „gute Antwort“. Oder, du lehnst sie kategorisch ab, ja sie macht dich sogar wütend. So sollte die Antwort nicht sein, sagst du. Du empfindest die Antwort als nutzlos, denn sie bringt dich nicht weiter. Vielleicht sagt du einfach, das verstehe ich nicht und wendest dich irgendeiner anderen Beschäftigung zu und vergisst sogar deine Frage vollständig. All das ist eine mögliche Reaktionsform.

Du kennst all diese Reaktionsformen genau. Es ist die Art wie wir Menschen ständig reagieren. Es ist unser mechanischer Reaktionsautomatismus, er unterstützt die Blase in der wir gewöhnlich bis zum Tod eingehüllt bleiben. Wenn wir sterben reißt diese Hülle auf und wir erhaschen ein Blick auf das Unvorstellbare, auf das Undenkbare.

Die Blase sollte eigentlich unserer Sicherheit dienen, doch nun ist es ein Gefängnis geworden und wir drohen darin zu ersticken. Deine Frage ist ein Ausbruchversuch aus dem Gefängnis. Die Antwort kann die Strickleiter sein, die dir hilft ein Blick über die Mauern zu werfen, doch klettern musst du selber. Die Frage ist doch ob du den Mut hast die paar Sprossen hochzuklettern. Bist du mutig genug?

Also gut, dann klettern wir ein paar Sprossen gemeinsam empor.

Stille an sich ist kein Objekt was erlangt wird und von jemand erfahren werden kann. Erkennt sich Stille als Stille in Form, zum Beispiel in der Form eines Menschen, so verschwindet dieser Jemand. Es verschwindet die gedachte und gefühlte Person augenblicklich, da diese psychologische Person das eigentliche Hindernis für dieses Erkennen darstellt.

Für eine Person ist diese Wahrheit ein schwerer Schlag, da sie ja davon ausgegangen ist, wenn sie nach Erkenntnis fragt auch als Lohn Erkenntnis bekommt. Für den Verstand ist das die größte Niederlage, die er zur Kenntnis nehmen muss. Es folgen die drei bekannten Reaktionsformen in unterschiedlichen Heftigkeiten und ihren jeweiligen Ausprägungen. Zwischen heller Wut und tiefer Depression ist alles möglich. Diese Reaktionen kennst du genau. Es ist dieser Reaktionsmechanismus, der uns Menschen das Leben ständig schwieriger erscheinen lässt. Alles wird komplizierter und wir fühlen uns tiefer und tiefer verstrickt in die Angelegenheiten des Lebens. Wir sind unglücklich, oder wir bemerken sogar unser unglücklich-sein nicht einmal mehr. Dann scheint alles in einer Art von Dumpfheit, von Betäubung, zu versinken.

Und plötzlich taucht da eine Erfahrung der Stille auf, eine Erfahrung der Ruhe im Kopf. Nun schau doch einfach mal genau hin. Hat Jemand, eine Person, Anteil an dieser Erfahrung gehabt oder ist die Erfahrung einfach aufgetaucht? Genau, du konntest zum Auftauchen der Erfahrung nichts beitragen. Das ist die Wahrheit. Jetzt greifst du nach dieser Erfahrung, weil es schön war endlich Ruhe zu haben und möchtest diese Erfahrung wieder haben. Du bist ein kluger Mensch mit einem scharfen Verstand und doch kannst du diese Erfahrung nicht replizieren. Das ist eine Tatsache. Das hast du selber herausgefunden. Kannst du diese Tatsache einfach sehen, ohne ein begriffliches denkbares Objekt daraus zu kreieren?

Gut, jetzt haben wir eine Basis für dieses Gespräch.

Bei diesem Gespräch geht es um das wichtigste Thema für die Menschen überhaupt. Es geht um Freiheit. Es geht um deine Freiheit. Jedes fühlende Wesen sucht letztlich Freiheit. Freiheit von Schmerz, von Unsicherheit, von Armut, von Unglück und vom Leiden.

Die Suche nach Ganzheit ist die Suche nach Freiheit von der inneren Zerrissenheit, von der inneren Zersplitterung.

Wenn du jetzt wieder deine Klugheit benutzt, kannst du vielleicht entdecken, wer oder was sich da in unserem Leben so zerrissen und zersplittert empfindet?

Aha, du bist es selber. Und was ist dieses du? Nein, bitte keine psychologische Definition! Zeig doch einfach mit der Hand auf das>du<. Nun, das ist der Körper, da ist kein du zu sehen.

Ok. Also das>du< können wir nicht finden, aber es ist irgendwie scheinbar doch da. Es erscheint jetzt allerdings nun etwas substanzloser, nicht mehr so fest, während unserer Forschung. Gut, bleibe einfach so, greife nicht nach der Erfahrung von Substanzlosigkeit.

Dann kannst du als nächsten Schritt forschen ob in der Erfahrung der Stille, die erfolgt ist, diese Zersplittertheit ebenfalls erfahren wurde. Genau, dort war diese Zersplittertheit abwesend. Was also genau war dann abwesend, wenn die Erfahrung von Stille erfahren wurde?

Es wurde also die gleiche Substanzlosigkeit des >du< erfahren, die es ermöglichte die Erfahrung der Abwesenheit von Zerplittertheit zu erfahren. Es war also plötzlich Raum vorhanden in der Stille leuchten konnte.

Für einen Bruchteil warst du scheinbar nicht so fest, so dass sich die wahre Natur offenbaren konnte. Und hast du aufgehört zu existieren oder bist du wahnsinnig geworden? Nein. Also wo vor hast du Angst? Wenn du willst, finde doch heraus was da eigentlich Angst hat. Denn du hast ja bei dieser Erfahrung der Stille keinerlei Schaden genommen. Finde doch selber heraus was sich da so sehr fürchtet und gleichzeitig so entsetzlich sehnt.

Vielleicht stößt du bei deiner Forschung auf die Wahrheit. Nur wenn du selber darauf stößt, ist es von Bedeutung, von dauerhafter Natur. Dann zerfällt es auch nicht mehr bei jeder kleinsten Bewegung im Leben. Dann endet Suche, dann ist sogar Finden bedeutungslos. Dann erwacht Menschsein. Dann leuchtet bedingungslose Liebe auf.

Dann kann sich das Eine endlich auch durch zwei Menschen umarmen. Dann können wir zusammen eine Tasse Tee trinken und lachen.

Forsche mutig.

Das Teewasser kocht schon.

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