Quintessenz
Januar 3, 2013

Quintessenz

02.01.2013

Mit dem Rückblick auf die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahren fällt auf, dass sich eine Basis der Wahrnehmung manifestiert hat, die man vielleicht am besten mit Präsenz beschreiben könnte.

Diese  Präsenz könnte man als unzusammengesetzte Basis einer unpersönlichen Wahrnehmung, von Allem was erscheint, bezeichnen.

Diese Präsenz ist an sich nicht nur eine Erfahrung, sondern in dieser Präsenz tauchen alle Erfahrungen auf.

Es sollte klar sein, dass das nur Bezeichnungen für etwas Unbeschreibbares sind.

Diesem formlosen Unbeschreibaren wird durch Worte ein Gewand übergestülpt und damit Form verliehen. So wird es betrachtbar.
Scheinbar.

Die Nacktheit der direkten Sicht geht allerdings somit zwangsläufig verloren. Was bleiben kann, ist ein verhüllter Hinweis in Richtung Wahrheit.
Vielleicht.

Die Frage warum es überhaupt beschrieben werden muss, kann nicht zufriedenstellend beantwortet werden.

Die Bandbreite der möglichen Antworten reicht von Wichtigtuerei bis zum Verlangen in tiefem Mitgefühl den leidenden Menschen zu helfen.

Beide Pole haben ihren jeweils bedingten Beigeschmack.
Denn es wird unmittelbar gesehen, dass tatsächlich helfen zu können, aus den verschiedensten Gründen, hier kaum möglich ist.

Wenn Wichtigtuerei die Basis für all diese Gespräche und Aufzeichnungen sein sollte, wäre ein Höchstmaß an Heuchelei erreicht.

Das Gute an dieser Nicht-Antwort ist, der darin verborgenen Aufforderung nachzugehen und selber die Wahrheit zu finden.

Was hier bleibt ist Achtsamkeit gegenüber der Motivation, die dem Ausgedrückten zu Grunde liegt. Oft erscheint keine Motivation und das was ausgedrückt wird erscheint einfach so.
Das ist möglicherweise ein gutes Zeichen.

Somit kann hier zumindest festgestellt werden, dass keine Motivation erscheint den jeweiligen Gesprächspartner zu verändern oder zu verbessern.

So wie es erscheint ist es perfekt, spontan und aus sich heraus frei von jeglichen Makeln.
Somit erscheinen die Worte unkonstruiert direkt aus der Klarheit der Präsenz.

In den Gesprächen, von denen hier ein Teil wiedergegeben wurde, wird ausschließlich auf das anfangslose unbedingte immer vorhandene in jedem menschlichen Wesen existierende Potenzial zur absoluten Befreiung hingewiesen.

Wenn irgendetwas einen Wert haben könnte, von den Worten die hier niedergeschrieben wurden, dann sind es die fünfundzwanzig Gedichte, die unter der Überschrift >Kuss der Stille< zusammengefasst sind.

Diese Zeilen haben sich in einer Ektase mit einer Eindeutigkeit und Klarheit manifestiert, die nicht zurückzuweisen war.

Da das in keinster Weise eine persönliche Leistung war, ist es möglich, dass sie einen gewissen Wert, in Sinne von Fingerzeig auf Wahrheit, beinhalten bzw. ausdrücken könnten.

Obwohl nicht explizit über all diese Erfahrungen gesprochen werden mochte, haben Gespräche darüber stattgefunden.

Sicher kam es dabei, bei aller Klarheit, zu Missverständnissen. Bei dem durchsehen der Texte, die diese Gespräche wiedergeben, musste festgestellt werden, dass sie genügend Potenzial für weitere Missverständnisse  bieten.

Sicher ist es dem ohnehin nicht einfachen, im Grunde unbeschreibbaren, Thema geschuldet, allerdings auch zum anderen der eigenen mangelnden Kapazität und Fähigkeit.

Das herausreißen der Texte aus der Gesamtstimmung, aus der Gesprächsatmosphäre und aus dem Kontext des Fragestellers hat es bestimmt nicht einfacher gemacht überhaupt irgendetwas verständlich zu vermitteln.

Doch es ist nun so wie es ist.

Zur möglichen Klärung kann gesagt werden, dass sich immer zwei grundsätzliche Themen für Missverständnisse anboten.

Zum Einem ist es der Wert und die Sinnhaftigkeit eines, wie auch immer gearteten, spirituellen Pfades mit seinen Methoden und zum Anderen die Diskussion über den Stellenwert und Notwendigkeit eines Meisters, Gurus oder spirituellen Lehrers.

Hier wurde nie Propaganda für oder gegen irgendeine Lehre und ihre Protagonisten gemacht und auch jetzt wird das nicht geschehen. Alles hat seinen inhärenten Wert und in irgendeiner Art und Weise wird diese Erfahrung jedem an einem bestimmten Punkt bewusst.

Letztlich spiegeln alle Formen der spirituellen Lehren und alle Arten von Menschen, die als Meister, Gurus oder Lehrer bezeichnet werden und die dem Individuum begegnen, den jeweils eigenen aufscheinenden Bewusstseinszustand wieder.

Die Umstände und Erscheinungen sind nur der Spiegel, in dem die eigene Unwissenheit, unser Begehren und unsere Ablehnung wie Reflexionen erscheinen können.

Sie sind immer die Antwort auf unsere Flucht vor der Wahrheit.

Die Falschheit oder die Wahrhaftigkeit mit dessen man sich, besonders bei der spirituellen Suche, konfrontiert sieht, ist letztlich das Maß der Falschheit oder Wahrhaftigkeit des Ausdruckes als Individuum selbst.

Aus dieser Perspektive kann es keine falschen oder richtigen Wege geben.
Aus dieser Perspektive kann es keine falschen oder richtigen Meister geben.
Aus dieser Perspektive erscheint unseren Sinnen immer nur das eigene Potenzial in Form von Objekte in der individuellen Dimension.

Was jedoch eindeutig gesagt werden kann, dass keine Lehre, kein Pfad, kein Mensch, kein Wesen unserer anfangslos wahren perfekten lichthaften Natur irgendetwas hinzufügen oder wegnehmen kann. Es ist anfangslos rein, ewig unberührt und aus sich heraus ohne Makel.

Das zu erkennen kann man Klarheit und Weisheit nennen.
Das nicht zu erkennen kann man Ignoranz und Unwissenheit nennen.

Was ein wahrhaftiger Pfad und ein wahrhaftiger Mensch vermag, ist uns auf unsere Unwissenheit bzw. unsere Ignoranz über diese wahre Natur hinzuweisen.

Die Wahrheit über die wahre Beschaffenheit der wirklichen Natur zu entdecken, liegt ausschließlich bei jedem Individuum.
Niemand kann das für einen erledigen.

Es ist individuelle Erfahrung von Ignoranz, die die wahre Natur überdeckt und es ist die individuelle Erfahrung von Klarheit, die sie enthüllen wird.
Es ist intelligent wenn dabei alle notwendigen geschickten Mittel angewendet werden, die zur Verfügung stehen.

Unsere antrainierte Trägheit und Bequemlichkeit verleitet uns Menschen nur zu oft sich an etwas zu hängen, sei es eine Methode, ein Mensch oder ein Gegenstand, in der Hoffnung, dass diese den ureigenen Job für uns erledigen.
Diese Hoffnung ist unberechtigt.

Etwas was ebenfalls auffällt, sind endlose intellektuelle Diskussionen. Wir Menschen sind in einem beindruckenden Maße süchtig danach unseren Verstand bei jeder Gelegenheit einzusetzen.

Es ist kein Plädoyer für oder gegen den uns gegebenen Verstand und seinen Funktionen. Ein trainierter scharfer Verstand ist ein wertvolles Instrument.

Es ist wie mit einem gut trainiertes Pferd oder einem gut erzogener Hund, manchmal hilfreich und notwendig.

Doch aus einer bestimmten Perspektive kann man beobachten, dass die Sucht des Denken-Müssens und die Früchte, die diese Sucht trägt, die Ursache für die Furchtbarkeit zu sein scheint, die wir auf diesen Planeten als menschliche Gesellschaft erleben müssen.

Letztlich kann klar werden, dass der Verstand mit seinem Funktionen nicht mehr ist als ein Sinnesorgan, wie unsere Ohren oder unser Nase. Er ist besitzt seine Komplexität, doch es wird nie über seinen Funktionsbereich hinausweisen können. Er hat seine Aufgaben und im optimalen Fall werden diese mit höchstmöglicher Präzession erledigt und das war es auch schon damit.

Alles was in der Dimension des Verstandes erdacht werden kann, gehört zu seinem  mentalen Universum, es wird zwangsläufig zu einem erscheinenden Objekt und hat damit ein Zerfallsdatum.

Aus einer bestimmten Perspektive kann wahrgenommen werden, dass Denken nur eine Erfahrung an sich ist, die wiederum Erfahrungen produzieren kann. Das wird vor lauter Denken-Müssen schnell übersehen.

Viele spirituelle Pfade benutzen unter anderem auch mentale Methoden um Erfahrungen zu erzeugen. Erfahrungen haben für sich genommen nur den Wert den wir ihnen geben. Ihr tatsächlicher objektiver Wert liegt jedoch nicht in der Erfahrung selbst, sondern sie können uns darauf hinweisen dass Erfahrungen in etwas erscheinen.

Somit bietet das Erzeugen von Erfahrungen die Möglichkeit auf die Potenzialität des Erscheinen-Könnens aufmerksam zu machen. Da alle möglichen Erfahrungen erscheinen können, besteht eine Möglichkeit zu bemerken, dass diese Potenzialität universal sein könnte.

Das könnte also bedeuten, dass Potenzialität absolut unkonditioniert und eigenschaftslos sein muss, damit Erfahrungen, die Träger von Eigenschaften zu sein scheinen, überhaupt frei erscheinen können.

Wird versucht diese eigenschaftslose unkonditionierte Potenzialität direkt zu erfahren, erscheint die Erfahrung, dass das nicht geht.

Alles erscheint als Erfahrung, inklusive die Erfahrung, dass alles was erscheint aus einer scheinbaren persönlichen Perspektive wahrgenommen werden muss.

Wir müssen das für die einzige wahre Perspektive halten, bis diese Erfahrung einfach rückstandslos verschwindet.
Erfahrungen ändern sich einfach sobald die Basis, auf der diese Erfahrung gründet, sich verändert oder verschwindet.
Die Erfahrung der Ich-bezogenen Wahrnehmung der erscheinenden Welt kann einfach aufhören.

Das Gefühl einer Entkontraktion begleitet dieses Aufhören. Hier war es so. Ob es zwangsläufig so ist, ist unbekannt.

Ob die Kontraktion die Basis für die Erfahrung der Ich-bezogenen Wahrnehmung war oder nur ein begleitender Umstand, kann rückwirkend nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden.

Wie es auch sei, was nun aufscheint ist eine ungeahnte Stille in den Erfahrungen von Klarheit, Leerheit und Empfindungen erscheinen, die eine unvorstellbare Tiefe annehmen können.

Die Sinnesorgane funktionieren weiterhin, haben allerdings nicht mehr die Führung.

Was bedeutet hier Führung?
Die Sinnesorgane vermitteln in der Erfahrung der Klarheit, alle notwendigen Impulse zur Wahrnehmung, jedoch das Sinnesorgan Mind oder wie wir auch immer dazu sagen wollen, liefert nicht sofort die gewohnten konzeptuellen Beschreibungen mit, die das Wahrgenommene normalerweise augenblicklich als ein uns bekanntes Objekte präsentieren.

Was sie dort vermitteln kann nicht sinnvoll beschrieben werden. Doch es ist mehr als ausreichend um sich zu orientieren. Diese Vermittlung von Sinnesdaten, ohne sofortiges Eingreifen des Verstandes, wurde hier immer als >Sehen< bezeichnet.

Bedauerlicherweise vermittelt das Wort nicht annähernd das was >Sehen< aus der Klarheit heraus bedeutet. Doch da >Sehen< in der Potenzialität von jedem menschlichen Wesen liegt, kann es auch von jedem erfahren werden. Alle Menschen sind absolut frei, diese Erfahrung von Klarheit selber zu machen.

Da sich viele Fragen in den Gesprächen immer um das Konzept von Erleuchtung drehten, wird hier noch mal in aller Eindeutigkeit darauf hingewiesen, dass diese Präsenz, in der die Erfahrungen von Klarheit, Leerheit und Empfindungen erscheint, nichts mit Erleuchtung zu tun hat.

Abgesehen davon dass das Konzept von Erleuchtung sicher einer der größten Missverständnisse  überhaupt ist, kann hier zum Einem darauf hingewiesen werden, dass die Potenzialität anfangslos leuchtend und frei von allen Beschränkungen ist. Zum Anderen kann in aller Klarheit gesehen werden, wie in dieser leuchtenden unbeschränkten Potenzialität das menschliche Muster mit seinen Limitationen auftaucht.

Es kann gesehen werden, wie diese Limitationen mit Greifen und Ablehnung beginnen, noch bevor mentale Bewegungen Konzepte hervorbringen können.

Warum ist das Konzept von Erleuchtung so faszinierend?

Wir Menschen, aus der Perspektive des Ich-bezogenen verstandesgeprägten Wahrnehmungsmusters, wissen instinktiv, dass wir so gesehen, vergängliche Erscheinungen sind.

Die Erfindung des erleuchteten ICH kommt aus der Dimension des Verstandes.
ICH möchte überleben, um jeden Preis.

Schauen wir nur unser Leben an, wie wir uns tagtäglich verbiegen und erniedrigen nur um zu überleben.

Das Konzept von Erleuchtung ist ein cleveres Konzept unseres Verstandes und hat seinen Wert, wenn überhaupt, auch nur innerhalb der Dimension des Verstandes. Das bedeutet, endet die Herrschaft des Verstandes, so endet dieses Konzept.

Doch die Potenzialität in der das menschliche Muster erscheinen kann, ist jenseits des Verstandes. Gleichwohl erscheint auch Verstand darin als Erfahrung.

Die Potenzialität ist von leuchtender und erfahrungsloser Natur. Von dieser Quelle erscheinen alle Manifestationen. Genauer ausgedrückt, die Potenzialität erscheint als Manifestation. Somit erscheint auch die Erfahrungen von Klarheit, Leerheit und Empfindungen als Manifestation der Quelle.

Aus einer tiefen Sicht heraus, sind diese Erfahrungen tatsächlich mit Menschsein gleichzusetzten.

Man kann nun >Sehen< das diese Manifestationen erscheinen. Das ist nicht so selbstverständlich, da unsere Wahrnehmung üblicherweise schon von der Bewegung des Erscheinens der jeweiligen Manifestation paralysiert ist.

Doch nun wird also Erfahren, das da etwas wahrnimmt, dass in der Erfahrung der Klarheit das >Sehen< aus der Stille ermöglicht.

Doch das >Sehen< enthüllt nun ebenfalls, ohne jegliche mentale Bewegung, dass da also noch Bedingtheiten erscheinen, die diese Erfahrungen vermitteln.
Es kann somit nicht freie Wahrnehmung sein.
Es kann damit nicht Bedingungslosigkeit sein.
Es kann also nicht endgültige Freiheit sein.

Denn
Stille wird erfahren.
Klarheit wird erfahren.
Leerheit wird erfahren.
Empfindungen werden erfahren.
Es wird erfahren, dass etwas erfährt.

Ist es also das Ende?
Nein, denn das Sehen dessen kann zum Zusammenbruch von Erfahrung an sich führen. Was dann noch bleiben kann ist pure Wahrnehmung.

Das ist jenseits von Sehen, wie hier >Sehen< definiert wurde. Über das Sehen kann noch mit vielen Verrenkungen berichtet werden.

Über pure Wahrnehmung selbst kann nichts mehr gesagt werden.
Denn wenn Wahrnehmung stabil bleibt, nimmt sich DIES jenseits von Erfahrung selbst wahr.

Gleichwohl geschieht etwas scheinbar Paradoxes. Obwohl alles Erfahren endet und damit auch das was noch erfährt, wird >gewusst<, dass DIES sich selber unvermittelt wahrnimmt.

Dieses>gewusst< ist jenseits aller mentalen Prozesse und Konstrukte.
Es ist DIES als Wissen der Wahrnehmung selbst.
Es ist die erfahrungslose unberührbare Potenzialität, die sich erfährt und somit sich selbst berührt.

Wenn wir uns gehenlassen wollen, könnten wir diese Beschreibung als Beschreibung von Erleuchtung benutzen.
Allerdings taucht hier die Vorliebe auf, es nicht mehr zu beschreiben.

Es scheint nun so als ob der Zyklus des Beschreiben-Müssens endet.
Es bleibt nur ein Wunsch offen.
Mögen alle Menschen diese wahre leuchtende Natur, die wir in aller Einfachheit sind, erkennen.

Dies was erscheint und dies in dem es erscheint und dies was das Erscheinen erkennt, ist anfangslos das Selbe.
Es ist somit jenseits von Einheit, da es unteilbar ist.

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Das Geheimnis
März 2, 2012

Kuss der Stille

Das Geheimnis        

25.07.2011

Die Stille ist ein
selten Gut
und überall verfügbar
jeder Blick auf diese
Welt ist aus
diesem Stoff gemacht
so offensichtlich
dass es meist Geheimnis
bleibt

Doch manchmal da
fällt es glitzernd in
das Augenlicht und
unabwendbar
erhellt das Leuchten
selbst die tiefste
Finsternis

Dunkelheit ist nicht
für ewig
nur Dies Ist immer
in dem auch Blindheit
leben kann
genannt auch Ignoranz
oder Fürst der
Nacht
mit Dummheit als
sein Diener

Doch wird nur einmal
Dies gesehen
so bleibt kein Zweifel ob
der Formen Festigkeit
sie sind einfach nur
wie Reflexionen
und Klarheit nimmt der
Dumpfheit Wiederholung
die Kraft
der Wahrheit
noch zu trotzen

Das Selbst
scheinbar Zentrum
dieser scheinbar Existenz
schmilzt im Licht
das Wahrheit spricht
und der Himmel ist
der stumme Zeuge
dass der Käfig in dem Kerker
seiner Macht beraubt
zerbricht

Nun klein ist das
Vögelchen und noch
fett von dem Streben
nach Begehrlichkeiten
ausgebreitet seine Flügel
fliegt es noch
nicht allzu weit
es gleicht mehr
ein Hüpfen und ein Stolpern
auf den Treppen
der Festung Ignoranz
um zu entfliehen
als ein Gleiten auf
der Liebe Glut
über alle Welten

Nun höre
hab Geduld
Wie viel Jahre denkst du
Mensch zu sein?
Verbrennen wird erst
dein Glaube und das
Gefühl allein
und fest zu sein

Die wahre Sicht ist Meine Schau
durch diese Augen
vereint mit dem
blauen Himmelreich
zerstört dumme Träume
und
offenbart die tiefe Klarheit
dessen
Dies So Sein

So verbleibend ohne
Angst und Zweifel
hat das Greifen nach der
Welt keine Macht noch zu bestehen
doch diese Prüfung die wird
endlos scheinen
und Lohn winkt nicht
nur Freiheit
und das ist vielen
wenig

So ist
selten nur der
brennend Wunsch
als Adler gefährlich hoch zu fliegen
die Meisten sind zufrieden
verwandt zu sein mit einer Taube
und
manchmal täuscht der Verstand
sich selbst
und ahmt
auch einen
Papagei

Doch der Adler zieht einsam
seine Kreise
Stille ist sein Freund
in endlos Höhen
andre Vögel sieht man
selten
Die Furcht nicht zu bestehen
lässt sie in Wipfeln großer Bäume
ruh‘n
aber alles ist willkommen

Die Sicht stets vereint
mit Dies das Alles IST
befreit sich des Adlers
liebend Herz in
Licht
und vom Himmel fallen
seine Federn

Aufgelöst ist diese Form
in Dies aus was es
aufgetaucht
Regenbogen jubeln still
und vielleicht
ihr Leuchten
fällt strahlend glitzernd
in des jungen Adlers Auge
der träumend in dem
Käfig sitzend
glaubt nur eine Taube sein
um aus dem Traum
endlich
zu erwachen
und für immer frei zu fliegen
wie ein Stern der Ewigkeit

Der Versuch einer Bilanz
Februar 28, 2012

Der Versuch einer Bilanz

28.02.2012

Die Jagd nach  Erkenntnis, die Suche nach Erleuchtung hatte viele Jahre eine geradezu rücksichtslose Getriebenheit angenommen. Da waren die neunziger Jahre in Mexiko auf der Jagd nach Castaneda, Hexen, Brujos und Schamanen. Eine rastlose Suche durch Süd-,Mittel- und Nordmexiko in die entlegensten Winkel und auf einsame Hochplateaus. Weil es nicht anders ging nahm ich meinen kleinen Sohn mit.

Erstaunlich was Kinder ertragen können. Er machte wirklich alles klaglos mit und saß geduldig neben mir, wenn wir tausend Meter über der Wüstenebene auf dem Gipfel eines Berges scheinbar ewig dem Wind lauschten. Er klagte nicht, wenn ich das Trinkwasser vergaß und wir nur sehr knapp mit dem Leben davon kamen. Er blieb still, wenn wir durch den Urwald wanderten, ins Nirgendwo, wo es gar nichts mehr gab, außer Schlangen, Moskitos und Skorpione. Er jammerte auch nicht über die brutale Hitze, wenn wir ziellos durch öde Halbwüsten streiften. Auf einer Kaimauer einer kleinen Stadt am pazifischen Ozean fiel er mit elf Jahren das erste Mal in Stille, das erzählte er mir heute, anderthalb Jahrzehnte später. Ich kann nicht ausschließen, dass es die Erschöpfung war. Tatsache jedoch ist, dass dort in diesem kleinen Menschen Finden stattfand und ich habe es nicht wahrnehmen können.

Spirituelle Suche kann ein ziemlicher Egotrip sein, ein gigantischer Kopftrip ist es allemal.

Irgendwann war Schluss. Mein Sohn weigerte sich entschieden in Ixtlan aus dem Bus zu steigen und so flogen wir zurück nach Europa. Ich kann nicht davon  berichten in Mexiko einem erleuchteten Lehrer begegnet zu sein, der einen spirituellen Pfad der Befreiung unterrichtet hätte. Wenn ich einem begegnet sein sollte, so ist heute klar, dass ein Erkennen meinerseits sowieso nicht möglich gewesen wäre. Der Kopf war zu voll mit Konzepten, Wünschen und Hoffnungen.

Und doch kehrte eine Art von Ruhe ein. Eine Ruhe, die man vielleicht als eine Stille vor dem Sturm bezeichnen könnte.

Die Suche ging weiter. Es ist sicher heutzutage einfacher jede Art von Meister oder Lehrer in Europa zu finden, einfacher als im Hochland von Mexiko oder in den Schluchten des Himalayas auch nur einen Menschen zu finden, dessen Sprache man versteht.

Vom Theravada-Buddhismus über den tibetischen Vajrayana, über Bön hin zu den unermesslich kostbaren Dzogchenlehren, von hinduistischen Religionsströmungen aller Couleur bis zur kontemplativen Traditionen innerhalb des Christentums, die Tafel in Europa ist für den spirituell Suchenden reich gedeckt.

Meine Suche erstickte schier am Überfluss, kam scheinbar zum Erliegen, um doch nur noch heftiger wieder aufzuerstehen.  Es kann nicht gesagt werden, dass während der ganzen Zeit tatsächlich irgendetwas verstanden wurde. Es wurde auch nicht verstanden, dass es nicht um das Verstehen geht.

Schließlich wurde in diesem ständigen Versuch des Verstehen-Wollens, der gesamte Körper und Geist Ende 2010 von einer Art Nervenfieber geschüttelt und kollabierte regelrecht. Ich schleppte mich ins Bett und war einverstanden zu sterben. Das zog sich über zwei Wochen hin, doch der Körper starb nicht.

Im Januar 2011 eines Nachts, auf dem Weg von der Toilette, implodierte plötzlich die Welt. In einer Reihenfolge von innen nach außen wurde alles wie in ein bodenloses schwarzes Loch aufgesaugt und verschwand rückstandslos im nirgendwo. Als Letztes wurde von diesem schwarzen Loch die Vision des mit einer Kerze beleuchteten Schlafzimmers  aufgesogen, dann brach alles Bekannte zusammen und die Welt erlosch.

Der Körper erwachte auf dem Boden. Wie lange er dort gelegen hatte, kann man nicht sagen. Vielleicht Stunden oder schon immer? Doch ein durchdringendes Gefühl, dass irgendetwas fehlte, war zu bemerken und überlagerte jede andere Frage. In den folgenden Tagen und Wochen erholte sich der Körper und der sonst immer ruhelose Verstand blieb einfach stumm. Es gab keine Antworten auf die Frage, was da anders war. Ein erstaunliches Merkmal dieser Ruhe im Kopf war, dass es keine Spur von Angst gab. Es war nicht mehr möglich Angst zu haben. Der Körper reagierte ganz natürlich bei Situationen von Gefährdung, aber das geschah völlig selbständig und unspektakulär.

Keine Beschreibung in der Literatur konnte gefunden werden, die das erklärte was da geschah. Die essentiell größtmögliche Näherung konnte ich in dem Buch von Bernadette Roberts finden, allerdings gab es da Schwierigkeiten mit dem Verstehen des christlichen Kontexts.

Monate später schaute ich einem Menschen in die Augen, wie in einen tiefen Spiegel. Die Stille stand als dieser Mensch einfach zur Verfügung, ohne Regung, ohne Absicht. Dort fand plötzlich Erkennen statt und alles Nicht-Gewusste fiel an seinen Platz, einfach so, völlig mühelos.

Es folgte ein ungekanntes Aufblühen von Klarheit und Lichtheit, in einer Schlichtheit des Sehens, die unbeschreibbar ist. Lichtheit ist hier wörtlich zu nehmen. Es konnte ein inneres Leuchten wahrgenommen werden, als wenn eine kleine Sonne verschluckt wurde. In diesem Sturm in Stille reihten sich einfach Worte aneinander und versuchten das Unbeschreibbare zu beschreiben. In Tagebuchnotizen versuchte ich wenigsten einen Schimmer der Sicht festzuhalten. Doch gelungen ist das wohl eher nicht.

Es wurde klar, dass die Person oder das Selbst weg war und nichts an deren Stelle getreten ist. Ich würde es als ein Wegfallen von etwas völlig Überflüssigem bezeichnen. Man kann ganz gut ohne ein persönliches Gefühl einer Existenz leben, sowieso gibt es keine Wahl, denn die Person kam nicht zurück.

Im Herbst dann, wurde die Stille noch tiefer und obwohl das kaum für möglich gehalten wurde, kann auch das Nicht-Selbst verschwinden. Das Gefühl dazu ist als ob der gesamte Bewusstseinsinhalt durch ein winziges Schlüsselloch in eine unerkennbare Dimension gedrückt wird. Dabei gibt es gute Tage, in denen diese Fixierung auf das „Schlüsselloch“ nicht so ausgeprägt ist und es gibt schlechte Tage, da ist außer dem Hinstarren auf diese winzige Öffnung nichts möglich. Körper und Geist ist dann so fixiert, dass dann keine Regung möglich ist, stundenlang. Wo das hinführt ist unbekannt, aber es ist einfach so. Heute ist ein guter Tag.

Manchmal finden Gespräche mit Menschen statt und auf die Fragen kommen einfach Antworten. Die Antworten werden entweder aufgezeichnet oder sie lösen sich einfach auf. Das Gedächtnis funktioniert tadellos, allerdings kann es irgendwie nichts lernen und in einer bekannten Art und Weise speichern. Es findet einfach in spontaner Form ein beantworten statt und nach dem Aussprechen der Antwort ist dann einfach nur antwortlose Stille da, in sich spannungsfrei. Es ist einfach Antwort da, weil eine Frage auftaucht. So ist es auch mit allen Dingen des täglichen Lebens.

Die Reise ist nicht zu Ende, aber alle Erwartungen sind beendet.

Falls noch Antworten kommen, werden sie hier vielleicht wiedergegeben. Wenn nicht, ist es auch gut.

Noch mal eine Frage zur Meditation und zur spirituellen Suche.
Februar 1, 2012

Fragen eines Freundes

05.01.2012

Noch mal eine Frage zur Meditation und zur spirituellen Suche.
Es beruhigt mich ungemein, wenn ich mich hinsetzte und meine Meditationspraxis mache. Dieser Frieden und die Glücksmomente die ich dabei erfahre, bringen mich durch den Tag. Warum sollte ich das aufgeben? Was bleibt mir dann noch?

Niemand gibt hier irgendwelche Ratschläge und fordert dich auf etwas aufzugeben. Es gibt auch keine Vorschläge, dieses zu tun oder jenes zu lassen. Soweit sollte das klar sein.

Hier wird lediglich darauf hingewiesen, dass spirituelle Suche genauso zu einer Sucht werden kann, wie Kaffeetrinken oder Selbstbefriedigung. Sucht ist nicht Freiheit. Süchtige sind nicht frei. Sucht ist Flucht. Also wenn Freiheit gesucht wird, kann die Sucht nicht das Mittel sein Freiheit zu erfahren. Vielleicht kann die Sucht aufzeigen, dass du nicht frei bist. Aber das weißt du doch sowieso schon, sonst würdest du ja nicht auf der Suche nach Freiheit sein müssen.

Abhängige sagen immer: Eines Tages werde ich nicht mehr süchtig sein, dann bin ich frei.
Warum eines Tages? Wann ist irgendwann?
Willst du frei sein? Jetzt?

Finde doch selbst die Antwort in dir. Willst du wirklich frei sein, ohne jetzt zu wissen was das tatsächlich bedeutet? Jenseits deines Klammerns an dein Meditationskissen? Jenseits deiner Angst und Sehnsucht? Wirklich frei sein, jenseits deiner Vorstellungen und deiner Konzepte von Frieden und Freiheit? Kannst du jetzt in Stille und Klarheit nach innen schauen und das Suchtmuster erkennen? Kannst du das ertragen, ohne es zu berühren, ohne es verändern oder transformieren zu müssen? Kannst du dein Klammern an Etwas, um Jemand sein zu können, erkennen? Vielleicht glaubt du auch noch etwas Besonderes, etwas Besseres als dein Nachbar, Lebenspartner oder deine Freundin zu sein? Kannst du deine Flucht erkennen?

So verwandelt dich deine Meditationspraxis in etwas Monströses. Kannst du das krankhafte an diesen Konzepten von >Ich bin spirituell< und >Ich werde erleuchtet< erkennen? Kannst du das sehen? Jetzt?

So jetzt besteht vielleicht die Möglichkeit für ein gesundes Gespräch.

So wie es jetzt aussieht, sitzt du eine halbe Stunde auf dein Kissen und machst diese Erfahrung von Frieden. Diese Erfahrung bringt dich also durch den Tag. Das bedeutet am Abend ist die Erfahrung aufgebraucht, dein Glückseligkeitstank ist leer. Du schleppst dich auf dein Meditationskissen um aufzutanken, doch deine Kinder lassen dich nicht in Ruhe, deine Mutter ruft schon zum fünften Mal an und auf dem Küchentisch liegen die unbezahlten Rechnungen. Die Rechnungen wissen nichts von deinem leeren Konto, doch du weißt davon und du weißt auch, dass verdammt viel Monat noch vor dir liegt.

Das ist die Realität. Du bist nicht alleine damit in dieser verrückten Welt.

Nun, wenn du jetzt den Mut hast, schau dir deine Verzweiflung an, die deine Erfahrung des Friedens ausgelöscht hat. Wie ist das möglich, nach all deinen positiven Erfahrungen und des jahrelangen Trainings in den verschiedensten Methoden? Ist vielleicht etwas falsch mit den Methoden? Suchst du jetzt eine andere bessere Methode, denn die Bisherigen haben es ja nicht gebracht?

Oder ist das Ende der Flucht erreicht? Vielleicht schaust du dir deine Verzweiflung nun an? Kannst du das? Kannst du dir diesen Kummer, diese Einsamkeit anschauen, ohne auf dein Meditationskissen zu flüchten? Es ist der Kummer und die Einsamkeit der ganzen Welt, der gesamten Menschheit. Kannst du dich der Wucht der Trauer dieses Menschseins in dieser irren kalten Welt stellen, nackt, völlig entblößt von jeglicher Methode, verletzlich, ohne auszuweichen, ohne Hoffnung auf Rettung?
Kannst du das mein liebstes Menschenkind?
Kannst du, obwohl du zitterst vor Angst, deine Augen heben und schauen in den anfangslosen Raum der dich umgibt.

Spürst du den Kuss der Stille auf deinen Lippen? Dies kann nie wieder vergessen werden. Du bist schon frei.

Willkommen meine Liebste.

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