Quintessenz
Januar 3, 2013

Quintessenz

02.01.2013

Mit dem Rückblick auf die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahren fällt auf, dass sich eine Basis der Wahrnehmung manifestiert hat, die man vielleicht am besten mit Präsenz beschreiben könnte.

Diese  Präsenz könnte man als unzusammengesetzte Basis einer unpersönlichen Wahrnehmung, von Allem was erscheint, bezeichnen.

Diese Präsenz ist an sich nicht nur eine Erfahrung, sondern in dieser Präsenz tauchen alle Erfahrungen auf.

Es sollte klar sein, dass das nur Bezeichnungen für etwas Unbeschreibbares sind.

Diesem formlosen Unbeschreibaren wird durch Worte ein Gewand übergestülpt und damit Form verliehen. So wird es betrachtbar.
Scheinbar.

Die Nacktheit der direkten Sicht geht allerdings somit zwangsläufig verloren. Was bleiben kann, ist ein verhüllter Hinweis in Richtung Wahrheit.
Vielleicht.

Die Frage warum es überhaupt beschrieben werden muss, kann nicht zufriedenstellend beantwortet werden.

Die Bandbreite der möglichen Antworten reicht von Wichtigtuerei bis zum Verlangen in tiefem Mitgefühl den leidenden Menschen zu helfen.

Beide Pole haben ihren jeweils bedingten Beigeschmack.
Denn es wird unmittelbar gesehen, dass tatsächlich helfen zu können, aus den verschiedensten Gründen, hier kaum möglich ist.

Wenn Wichtigtuerei die Basis für all diese Gespräche und Aufzeichnungen sein sollte, wäre ein Höchstmaß an Heuchelei erreicht.

Das Gute an dieser Nicht-Antwort ist, der darin verborgenen Aufforderung nachzugehen und selber die Wahrheit zu finden.

Was hier bleibt ist Achtsamkeit gegenüber der Motivation, die dem Ausgedrückten zu Grunde liegt. Oft erscheint keine Motivation und das was ausgedrückt wird erscheint einfach so.
Das ist möglicherweise ein gutes Zeichen.

Somit kann hier zumindest festgestellt werden, dass keine Motivation erscheint den jeweiligen Gesprächspartner zu verändern oder zu verbessern.

So wie es erscheint ist es perfekt, spontan und aus sich heraus frei von jeglichen Makeln.
Somit erscheinen die Worte unkonstruiert direkt aus der Klarheit der Präsenz.

In den Gesprächen, von denen hier ein Teil wiedergegeben wurde, wird ausschließlich auf das anfangslose unbedingte immer vorhandene in jedem menschlichen Wesen existierende Potenzial zur absoluten Befreiung hingewiesen.

Wenn irgendetwas einen Wert haben könnte, von den Worten die hier niedergeschrieben wurden, dann sind es die fünfundzwanzig Gedichte, die unter der Überschrift >Kuss der Stille< zusammengefasst sind.

Diese Zeilen haben sich in einer Ektase mit einer Eindeutigkeit und Klarheit manifestiert, die nicht zurückzuweisen war.

Da das in keinster Weise eine persönliche Leistung war, ist es möglich, dass sie einen gewissen Wert, in Sinne von Fingerzeig auf Wahrheit, beinhalten bzw. ausdrücken könnten.

Obwohl nicht explizit über all diese Erfahrungen gesprochen werden mochte, haben Gespräche darüber stattgefunden.

Sicher kam es dabei, bei aller Klarheit, zu Missverständnissen. Bei dem durchsehen der Texte, die diese Gespräche wiedergeben, musste festgestellt werden, dass sie genügend Potenzial für weitere Missverständnisse  bieten.

Sicher ist es dem ohnehin nicht einfachen, im Grunde unbeschreibbaren, Thema geschuldet, allerdings auch zum anderen der eigenen mangelnden Kapazität und Fähigkeit.

Das herausreißen der Texte aus der Gesamtstimmung, aus der Gesprächsatmosphäre und aus dem Kontext des Fragestellers hat es bestimmt nicht einfacher gemacht überhaupt irgendetwas verständlich zu vermitteln.

Doch es ist nun so wie es ist.

Zur möglichen Klärung kann gesagt werden, dass sich immer zwei grundsätzliche Themen für Missverständnisse anboten.

Zum Einem ist es der Wert und die Sinnhaftigkeit eines, wie auch immer gearteten, spirituellen Pfades mit seinen Methoden und zum Anderen die Diskussion über den Stellenwert und Notwendigkeit eines Meisters, Gurus oder spirituellen Lehrers.

Hier wurde nie Propaganda für oder gegen irgendeine Lehre und ihre Protagonisten gemacht und auch jetzt wird das nicht geschehen. Alles hat seinen inhärenten Wert und in irgendeiner Art und Weise wird diese Erfahrung jedem an einem bestimmten Punkt bewusst.

Letztlich spiegeln alle Formen der spirituellen Lehren und alle Arten von Menschen, die als Meister, Gurus oder Lehrer bezeichnet werden und die dem Individuum begegnen, den jeweils eigenen aufscheinenden Bewusstseinszustand wieder.

Die Umstände und Erscheinungen sind nur der Spiegel, in dem die eigene Unwissenheit, unser Begehren und unsere Ablehnung wie Reflexionen erscheinen können.

Sie sind immer die Antwort auf unsere Flucht vor der Wahrheit.

Die Falschheit oder die Wahrhaftigkeit mit dessen man sich, besonders bei der spirituellen Suche, konfrontiert sieht, ist letztlich das Maß der Falschheit oder Wahrhaftigkeit des Ausdruckes als Individuum selbst.

Aus dieser Perspektive kann es keine falschen oder richtigen Wege geben.
Aus dieser Perspektive kann es keine falschen oder richtigen Meister geben.
Aus dieser Perspektive erscheint unseren Sinnen immer nur das eigene Potenzial in Form von Objekte in der individuellen Dimension.

Was jedoch eindeutig gesagt werden kann, dass keine Lehre, kein Pfad, kein Mensch, kein Wesen unserer anfangslos wahren perfekten lichthaften Natur irgendetwas hinzufügen oder wegnehmen kann. Es ist anfangslos rein, ewig unberührt und aus sich heraus ohne Makel.

Das zu erkennen kann man Klarheit und Weisheit nennen.
Das nicht zu erkennen kann man Ignoranz und Unwissenheit nennen.

Was ein wahrhaftiger Pfad und ein wahrhaftiger Mensch vermag, ist uns auf unsere Unwissenheit bzw. unsere Ignoranz über diese wahre Natur hinzuweisen.

Die Wahrheit über die wahre Beschaffenheit der wirklichen Natur zu entdecken, liegt ausschließlich bei jedem Individuum.
Niemand kann das für einen erledigen.

Es ist individuelle Erfahrung von Ignoranz, die die wahre Natur überdeckt und es ist die individuelle Erfahrung von Klarheit, die sie enthüllen wird.
Es ist intelligent wenn dabei alle notwendigen geschickten Mittel angewendet werden, die zur Verfügung stehen.

Unsere antrainierte Trägheit und Bequemlichkeit verleitet uns Menschen nur zu oft sich an etwas zu hängen, sei es eine Methode, ein Mensch oder ein Gegenstand, in der Hoffnung, dass diese den ureigenen Job für uns erledigen.
Diese Hoffnung ist unberechtigt.

Etwas was ebenfalls auffällt, sind endlose intellektuelle Diskussionen. Wir Menschen sind in einem beindruckenden Maße süchtig danach unseren Verstand bei jeder Gelegenheit einzusetzen.

Es ist kein Plädoyer für oder gegen den uns gegebenen Verstand und seinen Funktionen. Ein trainierter scharfer Verstand ist ein wertvolles Instrument.

Es ist wie mit einem gut trainiertes Pferd oder einem gut erzogener Hund, manchmal hilfreich und notwendig.

Doch aus einer bestimmten Perspektive kann man beobachten, dass die Sucht des Denken-Müssens und die Früchte, die diese Sucht trägt, die Ursache für die Furchtbarkeit zu sein scheint, die wir auf diesen Planeten als menschliche Gesellschaft erleben müssen.

Letztlich kann klar werden, dass der Verstand mit seinem Funktionen nicht mehr ist als ein Sinnesorgan, wie unsere Ohren oder unser Nase. Er ist besitzt seine Komplexität, doch es wird nie über seinen Funktionsbereich hinausweisen können. Er hat seine Aufgaben und im optimalen Fall werden diese mit höchstmöglicher Präzession erledigt und das war es auch schon damit.

Alles was in der Dimension des Verstandes erdacht werden kann, gehört zu seinem  mentalen Universum, es wird zwangsläufig zu einem erscheinenden Objekt und hat damit ein Zerfallsdatum.

Aus einer bestimmten Perspektive kann wahrgenommen werden, dass Denken nur eine Erfahrung an sich ist, die wiederum Erfahrungen produzieren kann. Das wird vor lauter Denken-Müssen schnell übersehen.

Viele spirituelle Pfade benutzen unter anderem auch mentale Methoden um Erfahrungen zu erzeugen. Erfahrungen haben für sich genommen nur den Wert den wir ihnen geben. Ihr tatsächlicher objektiver Wert liegt jedoch nicht in der Erfahrung selbst, sondern sie können uns darauf hinweisen dass Erfahrungen in etwas erscheinen.

Somit bietet das Erzeugen von Erfahrungen die Möglichkeit auf die Potenzialität des Erscheinen-Könnens aufmerksam zu machen. Da alle möglichen Erfahrungen erscheinen können, besteht eine Möglichkeit zu bemerken, dass diese Potenzialität universal sein könnte.

Das könnte also bedeuten, dass Potenzialität absolut unkonditioniert und eigenschaftslos sein muss, damit Erfahrungen, die Träger von Eigenschaften zu sein scheinen, überhaupt frei erscheinen können.

Wird versucht diese eigenschaftslose unkonditionierte Potenzialität direkt zu erfahren, erscheint die Erfahrung, dass das nicht geht.

Alles erscheint als Erfahrung, inklusive die Erfahrung, dass alles was erscheint aus einer scheinbaren persönlichen Perspektive wahrgenommen werden muss.

Wir müssen das für die einzige wahre Perspektive halten, bis diese Erfahrung einfach rückstandslos verschwindet.
Erfahrungen ändern sich einfach sobald die Basis, auf der diese Erfahrung gründet, sich verändert oder verschwindet.
Die Erfahrung der Ich-bezogenen Wahrnehmung der erscheinenden Welt kann einfach aufhören.

Das Gefühl einer Entkontraktion begleitet dieses Aufhören. Hier war es so. Ob es zwangsläufig so ist, ist unbekannt.

Ob die Kontraktion die Basis für die Erfahrung der Ich-bezogenen Wahrnehmung war oder nur ein begleitender Umstand, kann rückwirkend nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden.

Wie es auch sei, was nun aufscheint ist eine ungeahnte Stille in den Erfahrungen von Klarheit, Leerheit und Empfindungen erscheinen, die eine unvorstellbare Tiefe annehmen können.

Die Sinnesorgane funktionieren weiterhin, haben allerdings nicht mehr die Führung.

Was bedeutet hier Führung?
Die Sinnesorgane vermitteln in der Erfahrung der Klarheit, alle notwendigen Impulse zur Wahrnehmung, jedoch das Sinnesorgan Mind oder wie wir auch immer dazu sagen wollen, liefert nicht sofort die gewohnten konzeptuellen Beschreibungen mit, die das Wahrgenommene normalerweise augenblicklich als ein uns bekanntes Objekte präsentieren.

Was sie dort vermitteln kann nicht sinnvoll beschrieben werden. Doch es ist mehr als ausreichend um sich zu orientieren. Diese Vermittlung von Sinnesdaten, ohne sofortiges Eingreifen des Verstandes, wurde hier immer als >Sehen< bezeichnet.

Bedauerlicherweise vermittelt das Wort nicht annähernd das was >Sehen< aus der Klarheit heraus bedeutet. Doch da >Sehen< in der Potenzialität von jedem menschlichen Wesen liegt, kann es auch von jedem erfahren werden. Alle Menschen sind absolut frei, diese Erfahrung von Klarheit selber zu machen.

Da sich viele Fragen in den Gesprächen immer um das Konzept von Erleuchtung drehten, wird hier noch mal in aller Eindeutigkeit darauf hingewiesen, dass diese Präsenz, in der die Erfahrungen von Klarheit, Leerheit und Empfindungen erscheint, nichts mit Erleuchtung zu tun hat.

Abgesehen davon dass das Konzept von Erleuchtung sicher einer der größten Missverständnisse  überhaupt ist, kann hier zum Einem darauf hingewiesen werden, dass die Potenzialität anfangslos leuchtend und frei von allen Beschränkungen ist. Zum Anderen kann in aller Klarheit gesehen werden, wie in dieser leuchtenden unbeschränkten Potenzialität das menschliche Muster mit seinen Limitationen auftaucht.

Es kann gesehen werden, wie diese Limitationen mit Greifen und Ablehnung beginnen, noch bevor mentale Bewegungen Konzepte hervorbringen können.

Warum ist das Konzept von Erleuchtung so faszinierend?

Wir Menschen, aus der Perspektive des Ich-bezogenen verstandesgeprägten Wahrnehmungsmusters, wissen instinktiv, dass wir so gesehen, vergängliche Erscheinungen sind.

Die Erfindung des erleuchteten ICH kommt aus der Dimension des Verstandes.
ICH möchte überleben, um jeden Preis.

Schauen wir nur unser Leben an, wie wir uns tagtäglich verbiegen und erniedrigen nur um zu überleben.

Das Konzept von Erleuchtung ist ein cleveres Konzept unseres Verstandes und hat seinen Wert, wenn überhaupt, auch nur innerhalb der Dimension des Verstandes. Das bedeutet, endet die Herrschaft des Verstandes, so endet dieses Konzept.

Doch die Potenzialität in der das menschliche Muster erscheinen kann, ist jenseits des Verstandes. Gleichwohl erscheint auch Verstand darin als Erfahrung.

Die Potenzialität ist von leuchtender und erfahrungsloser Natur. Von dieser Quelle erscheinen alle Manifestationen. Genauer ausgedrückt, die Potenzialität erscheint als Manifestation. Somit erscheint auch die Erfahrungen von Klarheit, Leerheit und Empfindungen als Manifestation der Quelle.

Aus einer tiefen Sicht heraus, sind diese Erfahrungen tatsächlich mit Menschsein gleichzusetzten.

Man kann nun >Sehen< das diese Manifestationen erscheinen. Das ist nicht so selbstverständlich, da unsere Wahrnehmung üblicherweise schon von der Bewegung des Erscheinens der jeweiligen Manifestation paralysiert ist.

Doch nun wird also Erfahren, das da etwas wahrnimmt, dass in der Erfahrung der Klarheit das >Sehen< aus der Stille ermöglicht.

Doch das >Sehen< enthüllt nun ebenfalls, ohne jegliche mentale Bewegung, dass da also noch Bedingtheiten erscheinen, die diese Erfahrungen vermitteln.
Es kann somit nicht freie Wahrnehmung sein.
Es kann damit nicht Bedingungslosigkeit sein.
Es kann also nicht endgültige Freiheit sein.

Denn
Stille wird erfahren.
Klarheit wird erfahren.
Leerheit wird erfahren.
Empfindungen werden erfahren.
Es wird erfahren, dass etwas erfährt.

Ist es also das Ende?
Nein, denn das Sehen dessen kann zum Zusammenbruch von Erfahrung an sich führen. Was dann noch bleiben kann ist pure Wahrnehmung.

Das ist jenseits von Sehen, wie hier >Sehen< definiert wurde. Über das Sehen kann noch mit vielen Verrenkungen berichtet werden.

Über pure Wahrnehmung selbst kann nichts mehr gesagt werden.
Denn wenn Wahrnehmung stabil bleibt, nimmt sich DIES jenseits von Erfahrung selbst wahr.

Gleichwohl geschieht etwas scheinbar Paradoxes. Obwohl alles Erfahren endet und damit auch das was noch erfährt, wird >gewusst<, dass DIES sich selber unvermittelt wahrnimmt.

Dieses>gewusst< ist jenseits aller mentalen Prozesse und Konstrukte.
Es ist DIES als Wissen der Wahrnehmung selbst.
Es ist die erfahrungslose unberührbare Potenzialität, die sich erfährt und somit sich selbst berührt.

Wenn wir uns gehenlassen wollen, könnten wir diese Beschreibung als Beschreibung von Erleuchtung benutzen.
Allerdings taucht hier die Vorliebe auf, es nicht mehr zu beschreiben.

Es scheint nun so als ob der Zyklus des Beschreiben-Müssens endet.
Es bleibt nur ein Wunsch offen.
Mögen alle Menschen diese wahre leuchtende Natur, die wir in aller Einfachheit sind, erkennen.

Dies was erscheint und dies in dem es erscheint und dies was das Erscheinen erkennt, ist anfangslos das Selbe.
Es ist somit jenseits von Einheit, da es unteilbar ist.

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Was ist diese Stille die ständig gesucht wird? Brauchen wir nun Gurus oder Meister um Stille zu erfahren? Brauchen wir Meditationstechniken?
Februar 2, 2012

Fragen eines Freundes

06.01.2012

Was ist diese Stille die ständig gesucht wird? Brauchen wir nun Gurus oder Meister um Stille zu erfahren? Brauchen wir Meditationstechniken?

 

Wird diese Frage gestellt um Antworten anzuhäufen, sie zu archivieren, zu diskutieren oder um Argumente für oder wider deiner Überzeugungen zu sammeln? Dann hat die Antwort keinen Wert für dich, außer dass du noch mehr Ballast mit dir herumschleppst. Überprüfe doch bitte deine Motivation. Möchtest du mehr Ballast oder Freiheit. Beides zusammen geht nicht. Das ist eine Tatsache. Doch glaube nichts, überprüfe selber ob das die Wahrheit ist. Schau dir still dein Leben an und finde es selbst heraus. Nur eine Bitte, folge der Antwort, die hier hervortritt für diesen Moment einfach ganz still. Keine Ablehnung, keine Zustimmung, nur stille Achtsamkeit. Vielleicht gelingt es dir so nicht noch mehr Müll zu deinem Ballast hinzu zufügen. Du gehst schon ganz krumm unter dem ganzen Gewicht deiner Müllbeutel.

Die gewöhnliche Reaktion von uns Menschen ist grundsätzlich extrem. Entweder wir lehnen etwas ab, in der Extremform hassen wir es dann. Oder wir greifen danach und verteidigen es mit allem was uns an Mitteln zur Verfügung steht. Dann hassen wir, wieder in seiner Extremausprägung, diejenigen die das ablehnen, an was wir glauben. Wir beginnen unseren Glauben zu verteidigen. Eine dritte gewöhnliche Reaktion ist Ignoranz. Doch in seinem Kern ist Ignoranz keine Reaktion, sondern Nichterkennen oder Nichtwahrnehmen. Es ist also eher Dummheit oder Dumpfheit und beinhaltet keinerlei Intelligenz. Während in den erstgenannten beiden Reaktionsformen eine Art von Intelligenz wahrgenommen werden kann. Hier ist ein Rest von Lebendigkeit erkennbar.

Was ist also diese Stille und können wir Mediationsmethoden gebrauchen um die Natur dieser Stille zu erfahren? Bitte forsche still in dir mit, folge nicht den Worten, sondern schau in was diese Worte erscheinen, auf was sie hinweisen. Wir haben einen Deal ausgemacht, keine Diskussion in dir.

Grundsätzlich sind alle Methoden eine Art und Weise Erfahrungen zu überprüfen. Da gibt es zum Beispiel eine Methode um aus Trauben ein alkoholhaltiges Getränk herzustellen. Doch zuerst war da die Erfahrung, dass irgendwie aus Trauben eine berauschende Substanz entstehen konnte. Durch unbekannte Umstände, vielleicht Wärme und bestimmte Einflüsse ist da etwas entstanden. Du kostest von dieser Substanz. Du bist berauscht. Das gefällt dir. Du denkst dir eine Methode aus um diese Erfahrung zu wiederholen. Du hast Erfolg und denkst dir eine Methode aus, wie diese Erfahrung dauerhaft wiederholt werden kann. Du hast Erfolg und du denkst dir eine Methode aus, einfacher und mehr von dieser Substanz herzustellen. Du hast Erfolg und so hast du dir eine funktionierende Technologie erdacht. Du produzierst jetzt eine Menge davon und benennst das Ergebnis. Es heißt ab jetzt Wein. Die Menschen um dich herum möchten das auch haben. Du gibst es ihnen. Es gefällt ihnen. Sie lieben dich. Du bist ein Wunder. Du bist ein Meister. Du bist Gott. Du glaubst es selber. Du bist ein Narr.

Die Erfahrung war also plötzlich da und das Denken hat eine Methode erdacht, diese Erfahrung noch einmal hervor zu bringen, zu wiederholen, zu sichern.

Da ist also eine Erfahrung der Stille und du denkst dir eine Methode aus um diese Erfahrung zu wiederholen. Du hast die besten Absichten. Du wendest diese Methode an. Das Erfahrene erkennt sich wieder.  Die Menschen um dich herum möchten auch diese Erfahrung haben. Du gibst ihnen die Methode. Du begehst das Gute*. Sie wenden die Methode an. Doch sie hatten nicht diese Erfahrung. Was soll denn nun eigentlich erfahren werden? Wie soll also ein Wiedererkennen erfolgen, wenn die Erfahrung dort nicht erfolgt ist? Sie fragen dich. Du erklärst die unerklärliche Erfahrung, die unabweisbar erfolgt ist. Du erklärst die Stille mit Worten. Du erklärst die undenkbare Stille mit Sprache, die ein Instrument des Denkens ist. Du erklärst Stille mit Denken. Die Menschen verstehen nicht. Die Menschen wenden die Methode an. Eine Erfahrung taucht auf. Mit der Erfahrung taucht der Gedanke auf: das könnte gemeint sein, jetzt habe ich es. Sie kommen zu dir und legen dir den Gedanken der Erfahrung zu deinen Füssen. Eine Trophäe der Jagd nach Stille. Ein Objekt. Du musst sagen, dass es das nicht ist.

Die eine Hälfte ist wütend. So viele Jahre der Methode, völlig umsonst. Sie schreien dich an und beschuldigen dich der Scharlatanerie. Sie gründen eine eigene Bewegung mit einer besseren Methode.

Einige gehen nach Hause und betrinken sich mit Wein für den Rest ihres Lebens.

Die andere Hälfte denkt sich: wenn ich nur lange genug die Methode anwende, dann werde ich diese Erfahrung schon irgendwann mal haben. Ich muss nur härter meditieren. Du sagst ihnen, dass sie die Erfahrung nicht haben können, weil sie schon das Erfahrene sind. Du sagst ihnen, dass sie die Erfahrung nicht zu einem Objekt machen dürfen. Du sagst ihnen, dass sie sich die Stille nicht erdenken können. Du sagst ihnen, dass sie schon Stille sind. Es geht um das Wiedererkennen deiner wahren Natur. Du sagst ihnen, entspannt euch.

Sie verstehen dich nicht. Sie wenden die Methode noch härter an.

Du gehst in den Wald und in der Stille, die du bist, erscheint Trauer.

Die Natur des Denkens ist grundsätzlich mechanisch. Mechanik ist nicht intelligent. Mechanik produziert Stückwerk, Bruchstücke, Splitter, doch es kann sie nicht zu einem Gesamtbild zusammensetzten, dazu brauchte es Intelligenz. Schau dich einfach in der Welt um, jede Menge Fragmente, kein funktionierendes Gesamtbild und dazwischen verwirrte Menschen die Unsinn reden und glauben alles im Griff zu haben. Narren.

Jede Methode, die das Denken erdenken kann, ist somit ein Fragment, eine Scherbe. Jede Meditationsmethode, die das Denken erdacht hat, ist der fragmentarische Versuch über sein eigenes Denkuniversum hinaus zu schauen, um einen Blick auf das Gesamtbild erhaschen zu können. Das Denken kann ganz schön schlau sein. Es weiß von seiner fragmentarischen Natur und versucht sich umzuschauen nach Ganzheit, ohne aber seine mechanische Natur aufgeben zu wollen. Du bist ganz schon schlau, du möchtest dein Ballast behalten und dich mit Gepäck in die Freiheit mogeln. Aus Sicherheitsgründen, denn man weiß ja nie, oder?

Doch Schlauheit ist nicht Intelligenz. Stille ist Intelligenz. Stille ist leuchtende intelligente Lebendigkeit. Stille ist knisterndes Potenzial. Stille ist Gesamtheit, ist Einheit. In der Stille erscheint diese Welt mit seinem Denken. Du bist Stille, die in Stille als Denker erscheint, der denkt nicht in Stille zu sein.

Geht’s noch deutlicher? Natürlich. Sieh doch selbst.

Ein Mensch, in dem die Mechanik des Denkens angehalten hat, ist Stille. Stille das sich wiedererkennt, dass es Stille ist, in einer menschlichen Form, nennt man Meister auf dieser Erde. Eigentlich müsste es einfach Mensch heißen, doch diesen Titel hat sich schon der Denker geraubt.

Da jeder Mensch Stille ist, kann er nicht mechanisches Denken sein. Das ist erfahrbar und wahrnehmbar. Hier ist die Aufforderung das selber herauszufinden, sonst machst du diese Antworten zu einem Objekt. Wenn du eine Methode anwendest, berühre die Erfahrung nicht und die Stille fließt durch die Scherbe der Erfahrung zu dem Gesamtbild zusammen, zu dem Spiegel in dem alles erscheint.

Das bist ewig DU.

Ist es nicht seltsam, dass wir immer gebettelt werden müssen unser Leiden zu beenden. Du brennst ab wie eine Fackel und hier kommt höflich, bittend, bettelnd der Hinweis; Eh, du brennst wie eine Scheune, wie wäre es denn mal mit einem Sprung ins Wasser? Ah, jetzt noch nicht, ok. Später vielleicht?

Der Mensch in Stille ist der lebendige Hinweis, dass du diese Stille ebenfalls bist. Machst du ihn zu einem Gott, bewirfst du ihn mit deinem Müll. Würde er diesen Müll annehmen, wäre er ein Idiot.

Wenn die Mechanik des Denkens aussetzt, ist spontan die Gesamtheit wieder da. Es wird gesehen, dass sie nie weg war, sondern nur überdeckt.

Von hier geht Lebendigkeit erst los. Hier ist alles möglich.

Lebendig Stille
Dein glühend Kuss
verbrennt die Dunkelheit
zu leuchtend Sternenstaub
reine Liebe entfaltet ihre Feuerschwingen
und offenbart die Dimension der Ewigkeit

*dieser Ausspruch stammt von einem unbekannten Schüler von Frau Míla Tomášová

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