Wie kann es sein, dass bestimme Verstrickungen überhaupt zustande kommen?
März 23, 2012

Fragen eines Freundes

31.01.2012

Wie kann es sein, dass bestimme Verstrickungen überhaupt zustande kommen?
Warum verschwinden sie scheinbar und kommen dann doch wieder ans Licht, um erkannt und gelöst zu werden?

Wenn wir von Verstrickungen in unserem Leben sprechen, haben wir oft die Angelegenheiten und Abläufe unseres Lebens vor den Augen, die unserer Meinung nach nicht funktionieren, nicht gerecht oder irgendwie nicht richtig zu sein scheinen. Diese Ereignisse sind unerwünscht, werden abgelehnt, bereut und bekämpft. Das ist ein so automatisierter Ablauf des Kämpfens mit der aktuellen Situation, dass es die allermeisten Menschen nicht einmal bemerken. Ein Reflex der Ablehnung gegen den Ausdruck des Lebendigen, wie es sich gerade als dieser Moment manifestiert. Ein Reflex des Nicht-Erkennens der Wahrheit, ein Reflex der Ignoranz, der natürlich auch sehr subtil sein kann.

Da diese Frage gestellt wurde, bedeutet es, dass etwas zutiefst Intelligentes aufgewacht ist, sich die Dimension des Erkennens aufgetan hat. In dieser Dimension kann zwischen Menschen ein wahrhaftiges Begegnen stattfinden, zum Beispiel dieses Gespräch.

Das Öffnen dieser Dimension des Erkennens bedeutet nicht, dass dort jemand getroffen werden kann der auf alle Fragen eine Antwort hat oder eine übermenschliche Fähigkeit errungen hätte, nein überhaupt nicht. Es bedeutet eher das Gegenteil davon. Es ist gewissermaßen gewöhnlich und unspektakulär.

Die Dimension der Ignoranz jedoch ist das außerordentlich Besondere und es bedarf eine bedeutende Anstrengung in diesem Zustand zu verharren. Es scheint als ob wir Menschen unser Leben so lange mühselig auf Zehenspitzen tippelnd umherirrend verbringen, bis uns vielleicht mal auffällt, dass man auch einfach gehen kann. Entspannt. Entkontrahiert.

Die Dimension des Erkennens ist Ausdruck des Lebens in menschlicher Form, gekennzeichnet durch Hingabe, Harmonie und natürlicher Intelligenz. Sie ist ein Einfließen in Ausdrucksform der vibrierenden Lebendigkeit jenseits von Bedingtheit. Sie ist die formgewebte unpersönliche Lichtgestalt der einen anfangslosen ungeschaffenen Liebe.

Ein Zusammentreffen hier bedeutet also, dass sich einfach die gewöhnlichsten Menschen treffen. Frei von der Last jemand sein zu müssen, kann die schmale Brücke des bürdenlosen Lebens leichten Fußes überquert werden.

Nun da du hier bist, siehst du, dass deine Fragen nur Teil des Zehenspitzentanzes auf dem Parkett der Ignoranz gewesen sind. Ein Tanz der Formen, scheinbar fester Wesen, in der Aufführung eines Theaterstückes mit dem Titel:

„Ich, mein Leben und wie schwierig alles war, ist und sein wird.“

Leuchtende Potenzialität kann sich eben auch, im funkelnden Kleid der menschlichen Form, als Vergessen erheben.
Tanzend, klagend, fordernd und vergehend.

So kann vielleicht gesagt werden, dass Verstrickt-Sein an sich die Wahrnehmungsperspektive eines Tänzers ist, der vergessen hat, dass durch ihn nur eine Rolle gespielt wird, in einem Theaterstückes Namens Leben. Und so ist da immer die Sehnsucht nach dem ersten Preis, der Anerkennung, des Beifalls und die Kapelle des Begehrens spielt dazu die süße Melodie der Vergessenheit.

Sicher, es scheint so bedeutungsvoll die Herausforderungen dieser Welt zu bezwingen. Doch wenn die Zeit gekommen ist, wird selbst die Asche des erfolgreichsten Bezwingers, mit dem Staub der anderen ehemals sich bedeutungsvoll fühlenden Menschen, einfach den Fluss hinunter in den Ozean der Wesenslosigkeit gespült werden und sich auflösend in den Tiefen der Unendlichkeit versinken.

Spurlos, vergessen, ewig ungekannt.
Zu spät.

Nun da du es selber siehst, kann erkannt werden, dass alle Verwicklungen, alles Ablehnen und Greifen, alle Hoffnungen und Wünsche, alle Ängste und Sehnsüchte nur der vibrierende Ausdruck der einen Lebendigkeit ist, die sich, durch diese Form die einen Namen bekommen hat, in die Welt ergießt.

Unablässig, leuchtend, betörend und in sich bedeutungslos.

Nun da du es selber siehst, kann erkannt werden was sich jenseits des Bekannten an Unbeschreiblichem manifestieren kann, wenn der Tänzer schon vor dem letzten Lied gehen kann.

Nun da du es selber siehst, erhebt sich jedoch die Frage, ob du von der Süße der Verstrickung lassen kannst.

Vielleicht ist das die einzige Frage, die in diesem scheinbaren Leben entscheidend ist.

Bedenke klug die Antwort.
Denn es kann tatsächlich geschehen, dass Verstrickungen nur noch als das erscheinen können, was sie schon immer sind, Ereignisse die einfach geschehen. Das Ende der Verstrickungen bedeutet dann also auch, dass der Verstricker hinein schmilzt in dieses ewig Unbekannte.

Bedenke klug!
Denn mein Freund, dann ist der Tanz von Bedeutung endgültig aus. Dann fallen alle Schleier der Hoffnung auf Etwas für immer und dann fällst auch du.

Deine Frage ist also die Frage nach
Freiheit vom Verstrickt-Sein-Müssen.

Tatsächlich ist es die Frage nach Freiheit vom Vergessen-Müssen.

Letztlich jedoch ist es die Frage nach
Freiheit vom Mensch-Sein-Müssen.

Wie also wird die Antwort sein?