Fragmente, ein Gespräch über Non-Dualismus und andere Aussagen
Januar 13, 2019

Fragmente, ein Gespräch über Non-Dualismus und andere Aussagen

Dezember 2018

Wir habe letztens über solche Aussagen wie „absolute Freiheit“ besonders im Kontext zu „Befreiung oder Erfahrung der Befreiung“ gesprochen. Weiterhin ob diese und andere Aussagen dazu wahr sind und besonders warum überhaupt solche Sätze benutzt werden…. „da ist niemand der etwas tut oder lässt, bewirken könnte… die Quelle drückt sich als du aus und du bist schon Wirkung… usw.“

Nun direkt gesagt ist die Aussage da ist „niemand“ genauso falsch wie die Aussage da ist „jemand“, da sie sich aufeinander beziehen und somit von einander abhängig sind. Gegenseitige Abhängigkeit repräsentiert aber relative Umstände und ist dualer Natur. Die absolute Wahrheit jedoch ist sogar jenseits von Non-Dualität da sie keinerlei Qualitäten aufweist.

Insofern ist diese Aussage zu…  niemand ist… prinzipiell unwahr bzw. Nicht-Wahrheit.

Hier wird allerdings trotzdem die Aussage  „da ist niemand… “ bevorzugt, da sie scheinbar in eine Richtung weist die gerne als Wahrheit benannt wird. Diese Aussage scheint also in eine bestimmte Richtung, die Befreiung und Freiheit genannt werden könnte, zu zeigen. Das wird hier als „richtiger“ gesehen. Wenn du jetzt nachfragst und wissen möchtest für „wen“ wenn es doch „niemanden“ gibt, wird das ganze Paradox sichtbar. Dann sind wir genau am Punkt.

So kann durch Sprache und prinzipiell unwahre Aussagen, z.B. die Unwahrheit „der unhinterfragten Annahme eine feste unabhängige Existenz zu haben“ sichtbar gemacht werden.

Das Instrument Sprache, welches ein Ausdrucksmittel des analytischen Verstandes ist, wird so gegen das gewohnheitsmäßige Muster der üblichen Wahrnehmung … ich und du, Objekt und Subjekt, hier und dort etc…. gerichtet.

Das Ergebnis kann sein, dass dieses gewohnheitsmäßige Muster zu funktionieren aufhört, temporär oder dauerhaft. Dann tauchen vielleicht andere Erfahrungen auf als die bisherigen Erfahrungen, die dir bis gerade eben noch das Bild einer festen Welt vermittelt haben.

Warum ist die Aussage „da ist niemand…oder da ist Nichts“ aber nicht wirklich wahr? Weil es eine extreme und paradoxe Aussage ist. Sie ist genauso extrem und paradox wie zu sagen „ich existiere, weil ich Schmerz spüre, wenn mein Fuß sich an einem Stein stößt und diese Erfahrung vermittelt, dass die Welt fest ist…“

Die Sicht vermittelt die Erfahrung das hier niemand schreibt. Die Erfahrung mit dem Kopf gegen die Wand zu stoßen vermittelt eindringlich eine physische Existenz.

Was ist also Wahrheit?

Beides gemeinsam drückt gleichzeitig Wahrheit und Nicht-Wahrheit aus. Es ist nur ein Paradox für den gewohnheitsmäßigen Denkvorgang. Berührt weder die Sicht noch das Gefühl die scheinbaren Gegensätze bist Du Wahrheit. Die Mitte manifestiert sich und damit offenbart sich der scheinbare Gegensatz von Befreit und Nicht-Befreit mühelos zu Freiheit.

Relativ gesehen können extrem und paradoxe Aussagen Instrumente sein um etwas in dem Frager zu bewegen oder hervorzubringen. Also etwas ins Licht zu bringen was er/sie schon wusste, sonst hätte die Frage nicht gestellt werden können. Der Frager bettelt um den Schlag der ihn von dem Rausch der Vernebelung aufwachen lassen soll.

Natürlich bettelt sich die Quelle in Form des Fragenden und des Antwortgebers selber an und gibt sich selber die Antwort und den Schlag.

Das jedoch ist nur die dürftige Beschreibung zu einem unbeschreiblichen Vorgang.

Was hier gesagt wird ist dass die Wesen die Befreiung erfahren regelmäßig in die „Falle des Sehens und der Klarheit“ tappen können weil sie „klarsehen“ und versuchen das „gesehene“ zu beschreiben. So wie die Wesen die keine Befreiung erfahren haben in der „Falle der Verdunkelung, Dumpfheit und Illusion“ gefangen sind, weil dort gar nicht erst der Versuch aufkommt sich mit Wahrheit, Sehen und Befreiung auseinanderzusetzen.

Es sind beides Fallen, allerdings scheint es so zu sein, dass dem Wesen das Befreiung erfahren hat, die inhärent vorhandene Klarheit den Aus-Weg, aus diesen und anderen „Fallen der Befreiung“, aus sich selbst heraus zu weisen scheint.

Das konnte bei den in tiefer Dumpfheit und Illusion gefangenen Wesen so bisher noch nicht beobachtet werden.

Was ist die „Falle des Sehens und der Klarheit“?

Das Sehen und die Klarheit vermittelt Einsichten und Wahrheit. Es sieht dann so aus als ob es tatsächlich so ist, doch es sind ebenfalls nur Erfahrungen die vermittelt wahrgenommen werden. Wenn nicht gesehen werden kann, dass dies auch nur Erfahrungen sind, weil vielleicht gerade die Faszination über die Einsichten und Wahrheit überwiegt, dann ist das ein Fallstrick auf dem Weg zur Freiheit.

Und entschuldige, wenn dich das jetzt noch weiter verwirrt… diesen Weg in die Freiheit gibt es natürlich nicht…. allerdings muss hinzugefügt werden…. Befreiung und Freiheit sind auch nicht nur Metaphern…

Es besteht hier grundsätzlich die Tendenz, auf dem nicht-vorhandenen Weg in die Freiheit, in alle möglichen Löcher zu fallen, über alle möglichen Fallstricke zu stolpern und sich in die offensichtlichen Fallen zu verheddern, hier wird also aus reichlich individueller Erfahrung berichtet.

Die Wahrheit die gesehen wird, kann nicht in Sprache ausgedrückt werden, also ist, sobald Sprache benutzt wird, der „Besitzer der Sprache“ also der Verstand mit im Boot und mit dem Verstand unweigerlich die Subroutinen die „früher“ die Erfahrung einer unabhängigen festen Existenz vorgespielt haben.

Es ist letztlich immer der Versuch absolute Wahrheit mit relativen Erkenntnissen und Erfahrungen zu beschreiben. Das geht natürlich regelmäßig schief und ist somit offensichtlich unvermeidbar.

Solange über das Sehen gedacht, gesprochen, berichtet etc. werden muss, wird es zu etwas Gesehenem und somit zu einem Objekt.

Wenn jedoch dieser Prozess, des zu-Objekts-werdens, während des Sprechens, Berichtens, Denkens gesehen werden kann, ist das selbst-befreiend und Fallen-los.

Wenn allerdings von der Erfahrung berichtet werden muss „da ist niemand der das erfahren kann oder etwas tun kann oder tun konnte oder tun können wird…etc.…“ als etwas das geglaubt-werden-muss, als etwas das eine absolut wahre Aussage ist, ist das eine Falle.

Es gibt einige non-dualistische Strömungen die betonen diesen Aspekt der Erfahrung besonders stark und benutzen ihn als non-dualistische Kernaussage. So kann es passieren das eine wahre non-duale Erfahrung zur Religion wird und somit die Illusion der Dualität gestärkt statt schwächer wird.

Es kann immer nur der vergebliche Versuch sein das Unausdrückbare auszudrücken. Insofern muss das scheitern und in dieser Vergeblichkeit leuchtet die sich entfaltenden Schönheit der unvermittelbaren Wahrheit… die Wahrheit dass Du schon immer Freiheit bist.

Aus dieser Perspektive kann man durchaus sagen, dass Buddha pausenlos gelogen hat um die Wahrheit auszudrücken.

Warum wird dann überhaupt ständig der Versuch unternommen Wahrheit auszudrücken?

Das ist unbekannt.

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