Befreiung
Februar 25, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Befreiung

14.7.2011

 

Entfesselte Urgewalt in Form von Blitz und Donner, Regen und Wind, tobte in der Nacht über der Stadt und wischte die eingebrannte Hitze des Sommertages von dem Straßenpflaster und den Hauswänden.

Der Himmel wurde von sich verzweigenden Blitzen durchzogen, die sich manchmal zu einem riesigen Baum aus zuckenden Lichtfäden aufbaute, um dann spurlos zu vergehen.

Dann war der Himmel wieder blank und unberührt. Unveränderbar spannte er sich leer über der Stadt. Die Gewitterwolken zogen weiter in Richtung Norden.

Von dort flammten noch gelegentlich diese gigantischen gleißenden Blitze auf und warfen ihr Schattenspiel an den Horizont, bis auch das verschwand.

Später dann kamen dicke schwarze Regenwolken.

Der Regen fiel so dicht, dass die Kirche gegenüber manchmal nur noch als Schemen zu erkennen war. Fast schien es als ob sich das tausend Jahre alte Gemäuer in Raum und Zeit zu Nichts auflöste.

Nun am Morgen ziehen weiße Wolken dahin und durch kleine Lücken dazwischen leuchtet der blaue Himmel unbewegt auf die Erde herunter.

Das heftige Gewitter hat keinen Makel im Blau des Himmels hinterlassen können. Majestätisch erlaubt der Himmel den kleinen Wolken ihren Weg zu ziehen und so treiben ahnungslos die kleinen weißen Wolken über die ewige Endlosigkeit dahin, bis sie sich schließlich auflösen.

Zwischen der Ahnungslosigkeit der kleinen weißen Wolken und dem normalen Leben der Menschen gibt es keinen großen Unterschied.

Da gibt es dieses hektische Tun der Menschen, von Angst geprägt nicht genug zu haben, die wiederum durch die Angst geprägt ist, nicht genug zu sein.

Ahnungslose Existenz in der bedingungslosen Liebe der Ewigkeit.

Dem blauen Himmel allerdings ist alles willkommen. Auch dieses hektisch angsterfüllte Tun, das man normales Leben nennt, findet darin die gleiche heitere gelassene Betrachtung und hat die gleiche Wichtigkeit wie das Dahintreiben der weißen Wolken, die hier und da ihre Schatten auf das fieberhafte wahnsinnige Leben der Menschen werfen.

Die Menschen, ihren Begierden ergeben und in Ignoranz versunken, blind von Gier und Neid getrieben, nennen das ein normales Leben.

Doch es ist die Normalität des Wahnsinnigen, der alles zerstört, was um ihn herum erscheint. Ein Albtraum, als mein Leben benannt, Ertrinkende im Strudel von Verrücktheit, Boshaftigkeit und Gewalt.

Die Ignoranz, das Nicht-Hinsehen, die Nicht-Suche, ist aber doch ein Sehen, und zwar auf die Fixierung der Unwissenheit. Damit der Wahnsinn bestand haben kann, bedarf es eine bedeutende Kraftanstrengung.

Ohne diese Anstrengung endet der Wahnsinn sofort, da das Sehen immer ist und nie verlernt werden kann.

Mühelosigkeit, die Abwesenheit von Anstrengung sein-zu-müssen, ist Sein.

Das Fliegen des Vogels ist die Mühelosigkeit des fliegend Seins.

Das Schwimmen des Fisches ist die Mühelosigkeit des schwimmend Seins.

Die Form an sich ist die Mühelosigkeit des geformten Seins.

Das Fliegen des Vogels hat kein Drama in sich und das Schwimmen des Fisches ist ebenso frei von jeder Dramatik.

Das Leben des Menschen ist in seiner Substanz genauso frei von Drama und das ist der gleiche natürliche Zustand wie der dramafreie Flug des Vogels.

Da gibt es keinen Unterschied.

Könnte der fliegende Vogel seinen Flug als ungenügend oder nicht ausreichend empfinden, könnte die Möglichkeit der Selbstreflexion bei dem fliegenden Vogel über seine vorgebliche Ungenügendheit die gleiche mörderische Dimension der Menschen annehmen, so hätte man einen sehr unglücklichen Vogel.

Es würde die Suche nach dem Vogelglück und nach dem Sinn des Fluges selbst beginnen. Vielleicht würde es die Suche nach dem perfekten Flug sein, wer weiß das schon. Die Sucht der Suche löst die Sucht der Nicht-Suche ab.

Würde dann auf dieser Basis ein besonders waghalsiges und außergewöhnliches Flugmanöver gelingen, das dem unglücklichen Vogel die Anerkennung der anderen unglücklichen Vögel einbringen würde, dann wäre das ein glücklicher Vogel.

Allerdings nur bis zu dem Moment, an dem das waghalsige und außergewöhnliche Flugmanöver nicht mehr ausreicht, um Glück zu produzieren.

Nun muss das nächste waghalsige, außergewöhnliche Manöver gefunden werden und eine Spirale ist erschaffen, aus der es erst mit dem Tod des Vogels Befreiung zu geben scheint.

Doch Befreiung von Wahnsinn braucht nicht erst den Tod.

Befreiung ist schon und Ist das Leben selbst.

So gibt es keinen glücklichen oder unglücklichen Vogel, sondern nur Leben, das als Vogel fliegend am blauen Himmel seine Kreise zieht.

So gibt es nur das Leben, das auch als Mensch erscheinen kann und eben in dieser Form Lebendigkeit feiert, in all seiner scheinbaren Komplexität oder auch Schlichtheit.

Das Leben zieht seine Kreise am blauen Himmel der Existenz und hinterlässt keine Spuren.

Es ist nur für diesen Moment entstanden und vergeht auch wieder in Diesem.

Nicht mehr und nicht weniger.

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Was ist Erleuchtung?
Januar 31, 2012

Fragen eines Freundes

04.01.2012

Was ist Erleuchtung? Ich lese so oft von spirituellen Suchenden, die um Erleuchtung zu erlangen zu einem Guru oder Meister gehen. Was hat es mit der Erleuchtung auf sich und was kann ich überhaupt von so einem Meister erhalten oder erwarten. Ehrlich gesagt habe ich tiefe Zweifel an dem Sinn dieses ganzen Rummels. Aber ich muss auch zugeben, dass ich Angst und Sorgen vor der Zukunft habe. Würden meine Ängste und meine Sorgen verschwinden wenn ich erleuchtet wäre?

Was ist Erleuchtung? Wir sind es gewohnt Fragen zu stellen und sind es gewohnt sofortige Antworten zu bekommen. Bekommen wir die Antworten nicht sofort und verständlich, verlieren wir das Interesse oder fühlen uns bestätigt in unseren Überzeugungen, z.B. das die Angelegenheit so oder so sei. Oder wir schauen im Internet nach einer Definition über Erleuchtung. Und dann sagen wir, aha das ist es also so. Erleuchtung ist also dieses oder jenes.

Doch das ist alles Wissen aus der Konservendose. Eine Konservendose deren Haltbarkeit schon lange abgelaufen ist, und wenn wir die Dose aufmachen stinkt uns der Inhalt entgegen und wir sagen; klar, habe ich schon mal gelesen oder na klar, das weiß ich doch schon längst. Dann wenden wir uns dem nächsten Objekt zu und so kann uns die Wahrheit nie erreichen.

Also lass uns gemeinsam die Antwort finden und stimme weder zu, noch lehne ab. Einfach nur stilles Zuhören ohne Akzeptieren oder Zurückweisen. So forscht du in dir selber nach der Wahrheit und der, der hier spricht, ist nur eine Stimme, die auf jenes oder dieses hinweist, keinerlei Autorität. Sei besser misstrauisch wenn dir jemand sagt: ich gebe dir die Antwort auf deine Frage und diese Antwort ist selbstverständlich die Wahrheit. Vielleicht ist es tatsächlich die Wahrheit, vielleicht ist es sogar die absolute Wahrheit. Doch was nutzt es, wenn du die Wahrheit nicht selber sehen kannst?

Vielleicht ist der, den du fragst, genauso blind wie du. Du kannst es ja nicht sehen, ob der andere blind ist, du bist ja auch blind, sonst würdest du nicht fragen. Vielleicht behauptet er ja nur dass er sehen kann und dann verirrt ihr euch beide. Also sei achtsam und still. Kannst du achtsam und still sein?

Bemerkst du das Geschwätz in deinem Kopf? Das Kommen und Gehen der Gedanken, die ständigen Kommentare und Urteile. Kannst du dieses ständige Brummen im Kopf abstellen? Kannst du ohne Gedanken zuhören? Völlig ruhig in Stille sitzen und ohne greifen nach Bedeutung von Wörtern und Konzepten zuhören? Kannst du das Geschwätz jetzt abstellen? Genau jetzt? Überprüfe das einfach, finde es in dir heraus.

Aha, es geht also nicht. Seltsam, oder? Wo wir doch so gebildet und wissend sind, so viele Dinge tun können und clever unsere Bedürfnisse erfüllen können. Doch der Verstand denkt einfach was er will und wann er will. Wir können zwar sagen „sei still !“  doch er schwatzt einfach weiter und darüber hinaus ist es uns oft noch nicht mal bewusst, dass der Verstand genau das tut. Finde selber heraus ob das die Wahrheit ist.

Kannst du also das Geschwätz abschalten? Die Tatsache ist das wir das nicht können. Niemand kann das, selbst der größte Meister kann das Geschwätz nicht abschalten. Wenn der Meister oder Guru ehrlich ist, muss er diese Antwort geben.

Doch das Geschwätz kann enden. Das pausenlose Rotieren des Verstandes kann zum Stillstand kommen. Stille. Nun kann gesehen werden wie sich Energie in Gedanke formt, aus der Tiefe aufsteigend wie bunte Seifenblasen, vorüberzieht und ohne das der Gedanke gedacht werden musste wieder vergeht.

Was für eine Befreiung.

Freiheit

Freiheit nicht von Gedanken (Gedanken kommen oder kommen nicht), aber vom Denken müssen.

Was kümmert dich das Geschwätz von Erleuchtung? Was kümmert dich das Geschwafel von spiritueller Suche? Die Sklavenschaft des Denken-Müssens kann enden. Der mechanische Verstand kann völlig stillstehen und in dieser Stille kann gesehen werden was du schon immer bist. Finde es heraus, wenn du genug hast von deinen Ängsten und Sorgen. Hast du genug?

Ein wahrer Meister kann dir nichts geben. Er hat nichts mehr was er deinem Geschwätz hinzufügen könnte. Du bist schon so voll, wie willst du da etwas entgegen nehmen können? Ein wahrer Meister ist Stille selbst. Das Geschwätz endete. Diese Stille ist ansteckend. Ein wahrer Meister steckt dich mit Stille an, weil es nicht seine oder deine Stille ist. Die Stille, die Du bist, erkennt die Stille die der Meister Ist. Die Stille erkennt sich wieder. Die Stille, die DU schon immer anfangslos bist. Du hast es nur vergessen. Du schwatzt zu laut.

Finde es selbst heraus, wenn du willst. Willst du?