Was ist das Mirakel des Erwachens?
September 11, 2012

Fragen eines Freundes

 10.09.2012

Was ist das Mirakel am Erkennen des Formlosen und das Erwachen im Körper?
Wie weiß die Formlosigkeit/Bewusstsein in welchem Körper es erwacht?

Das ist eine ziemlich ungewöhnliche Frage. Es ist doch schon erstaunlich, was wir Menschen alles wissen möchten. Wir suchen immer jenseits, um das Wunder der Existenz zu begreifen, dabei liegt die Antwort genau hier in dieser Welt, quasi vor unserer Nase.

Da die Frage nun mal gestellt wurde, wird auch eine Antwort erscheinen. Ob diese Antwort wirklich die Frage beantworten kann, liegt ausschließlich an der Motivation des Fragestellers. Somit ist jede Frage immer nur der Spiegel für den Fragenden und verweist ausschließlich auf die verborgensten  Grenzen im eigenen Geist. Die Antwort ist nur der Putzlappen, der den Spiegel poliert.

Mehr nicht.

Die reinste Motivation ist, wenn keine Motivation mehr erscheinen muss. Dann kann Wahrheit unvermittelt aufscheinen und es kann gesehen werden, dass die Frage schon immer die Antwort war.

Die Fragen beinhalten einige Formulierungen, die geklärt werden sollten. Da wird das Wort Mirakel verwendet. Oft werden Worte verwendet, die unbewusst etwas ausdrücken, so dass die Quelle des Leidens aufdeckt wird und sichtbar werden kann. Leiden hat immer etwas mit Greifen oder Ablehnung zu tun.

Greifen und Ablehnung liegt der gleiche Impuls zugrunde. Wir fühlen uns nicht vollständig oder unvollkommen. Wir wollen etwas haben, wollen uns also etwas hinzufügen oder wir weisen etwas zurück, das uns, in unserer Vorstellung von uns selbst, als unpassend und störend erscheint.

Beide Bewegungsformen implizieren, dass wir Menschen unvollständig sind und dann wünschen wir uns dieses oder jenes um Vollständigkeit zu erlangen. Oder wir weisen etwas zurück um Vollständigkeit zu behalten. Beides sind Gedankenkonzepte unseres Verstandes und haben nichts mit Wahrheit zu tun.

Kannst du das Muster sehen?

Das ist die Gefangenschaft. Das sind die Gitterstäbe unseres Käfigs.

Das Wort Mirakel bedeutet in der deutschen Sprache Wunder und in einer sehr ursprünglichen Bedeutung des Wortstammes ist der Begriff Wunsch oder wünschen verborgen.

Das Wort Formlosigkeit verweist auf einen Zustand jenseits der Form, jenseits der bekannten und vertrauten Festigkeit des Körpers und damit dieser Welt.

Hier kann darauf hingewiesen werden, dass die Festigkeit dieser Formenwelt nur erfahren wird und somit nicht IST. Erfahrungen können sich ändern. Erfahrungen kommen und gehen, doch sie sind immer ein Hinweis darauf, dass Erfahrung in etwas auftaucht. Dieser Hinweis wird gewöhnlich übersehen, da sich Wahrnehmung an die auftauchende Erfahrung fixiert und den Urgrund, der das Auftauchen ermöglicht, ausblendet.

Wir sind da gewöhnlicher weise nicht besser dran als eine Katze, die mit dem Blick der Schwalbe folgt und dabei den endlos leeren Himmel übersieht.

Es können Erfahrungen auftauchen, die uns völlig andere Visionen, von der uns gewöhnlich vertrauten Beschaffenheit der Welt und den Eigenschaften der Materie vermitteln.

Na und.

Das mag vielleicht spektakulär erscheinen, doch geschieht ein Greifen danach, so wird nur die nächste Runde des Gefangensein eingeläutet. Unser Verstand ist darauf abgerichtet Kopien von Erfahrungen anzulegen und aus diesen Kopien Konzepte abzuleiten. So leben wir gewöhnlicherweise immer aus der Vergangenheit heraus. So stinkt unser gewöhnliches Leben immer nach Verwesung und wir überdecken den Gestank des Todes mit dem Parfüm der sinnentleerten Aktivität.

So simulieren wir also Leben. Wir bauen das Leben nach und bleiben auf der Größe einer Landschaft in Modelleisenbahnabmessungen beschränkt, da uns die Unermesslichkeit und Weite Furcht einjagt.

Die Frage ist doch, kann das alles enden?

Kann sich der Mensch, obwohl er vor Angst vor dem Unbekannten zittern mag, aufrichten und seiner grotesken Kleinmütigkeit und seiner absurden hysterischen Geschäftigkeit, die zur Zerstörung seiner natürlichen Lebensgrundlage führt, direkt ins Auge blicken? Ohne Ausweichen oder Entschuldigungen über seine angebliche Unzulänglichkeit?

Find es heraus, wenn du magst.

Desweiteren wird das Wort Bewusstsein im Zusammenhang mit dem Wort Formlosigkeit verwendet. Vielleicht sollten wir uns erst einmal der Frage nachgehen was Bewusstsein bedeuten könnte.

Also was ist Bewusstsein? Lassen wir all diese bekannten Definitionen beiseite, sie sind jetzt nicht hilfreich, sie sind jetzt totes Wissen.

Schauen wir nur darauf was nun unvermittelt auftaucht, auf was das Wort versucht hinzuweisen.

Wir könnten sagen, dass alles was erscheint Bewusstsein ist. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit, es ist auch Bewusstsein in dem das Alles erscheinen kann. Doch es ist immer noch nicht vollständig geklärt. Es ist auch Bewusstsein das sieht, dass das Alles auftaucht und dass alles in diesem auftaucht.

Also wenn Bewusstsein das Alles ist, ist somit Bewusstsein und Inhalt das Selbe, es ist Eins.

Das könnte bedeuten, dass das menschliche Bewusstsein der Inhalt seiner selbst ist.

Wenn Inhalt und Bewusstsein dasselbe ist, dann ist der Mensch als Inhalt, nichts anders als Bewusstsein selbst. Inhalt ist alles was hier aufscheint und drückt somit Menschsein aus.

Somit kann Bewusstsein nicht in einem Körper erwachen, wie es die Frage vermuten lässt, sondern Bewusstsein erscheint als Körper. Die Frage, die dazu erschienen ist, ist ebenfalls Inhalt und somit Bewusstsein.

Das Gefühl, das erscheinen kann, wenn Morgens der Körper erwacht und die Frage darüber wie das überhaupt möglich ist, ist das Nicht-Bemerken das Bewusstsein als Körper erscheint.

Wenn der Geist ganz ruhig ist und wach, kann es geschehen, dass gesehen wird, dass Körper morgens erscheint und mit diesem Erscheinen die gesamte Vision der Welt. Dann kann auch ein Gedanke erscheinen, wie es möglich ist, dass Bewusstsein in diesen speziellen Körper erwacht. Doch das ist alles immer Bewusstsein als beliebiger Inhalt und somit als beliege Form und somit auch als beliebige Formlosigkeit.

Wenn schon einige Erfahrungen mit der Natur des Geistes aufgetaucht sind, wenn Wahrheit schon gesehen wurde, dann taucht manchmal ein Konzept auf, das als die Flucht in die Formlosigkeit genannt werden kann.

Es ist tatsächliche eine mühselige Angelegenheit als Körper mit seinen Limitationen, Krankheiten und Schwächen zu existieren. Der Schwung der Wahrnehmungsfixierung geht sehr tief, Gefangenschaft in Materie kann sehr schmerzhaft sein. Auch das Sehen des Traumes beendet nicht unbedingt die Bindung, die Fixierung. Doch die Flucht in Formlosigkeit ist immer noch Gefangenschaft, da sie als Pendant zur Form an sich existieren muss.

Die wahre Frage lautet doch, kann Bewusstsein völlig inhaltsfrei sein und das obwohl diese Frage im Widerspruch zu der Aussage zu stehen scheint, dass menschliches Bewusstsein gleichbedeutend mit dem erscheinenden Inhalt ist?

Kann also Bewusstsein bestehen obwohl sich kein Inhalt ausdrückt?

Verstehst du die Dimension dieser Frage?

Kann Bewusstsein frei von menschlichen Inhalten oder frei von jeglichen Inhalten, völlig unberührt von jeglicher Bewegung bestehen, ohne dass Wahrnehmung zusammen bricht?

Hier wird gesagt, dass das möglich ist.

Doch was bedeutet das für den Fragesteller?

Advertisements

Ego
Februar 29, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Ego

22.7.2011

Das Bewusstsein, das sich selber reflektiert und sich selbst zum Gegenstand von Betrachtung erfährt, erlebt sich durch diesen Prozess als Selbst-Bewusstsein.

Da aber auch das sich selbst beobachtende Bewusstsein keine anderen Qualitäten aufweist als das sich nicht selbst beobachtende Bewusstsein, ist das Selbst oder auch das Ego nicht das Selbst-Bewusstsein an sich, sondern es entsteht lediglich bei dem Akt des Beobachtens des Bewusstseins, das sich selbst beobachtet, eine Reflektion, die auf sich selbst zurückgeworfen wird, ein eher unbestimmtes Gefühl.

Eine Reflektion, die sich im Spiegel der Bewusstheit selber reflektiert. Gewissermaßen ein Abfallspaltprodukt, dessen Reststrahlung eine Hintergrundstrahlung verursacht. Ein Hintergrundrauschen, das sich selber beim Rauschen hört.

Allein der Vorgang dieser Reflektion erzeugt das Gefühl der unabhängigen Selbstexistenz und wird dann durch reflektorisches Denken unterstützt.

Was für ein gewaltiger Selbstbetrug.

Dieser „innere“ reflektorische Vorgang ist schon alles, worauf der Mensch seine gesamte sogenannte eigenständige Existenz begründet.

Es entsteht der Glaube ein Leben zu haben, statt ein Ausdruck des Lebens zu sein.
Dieser Glaubenssatz wird fast nie hinterfragt.
Dieser Glaube, genannt auch Ego oder Selbst, ist alles, was trennt.
Eine winzige Reflektion auf den Wellen des Ozeans der Unendlichkeit.

Der Mensch, mit dem ungeprüften Glaubenssatz ein unabhängiges Selbst zu sein, wandelt buchstäblich in der Luft ohne festen Grund. Das erzeugt ungeheure Angst.

Diese Angst führt zu Aktivität, die mit Lebendigkeit verwechselt wird.
Willkommen in dieser Welt.

Hier wird jeder Mensch zum Priester der Sekte des heiligen Selbstbetruges ausgebildet.
Die Messe in dieser Kirche wird vierundzwanzig Stunden pro Tag und sieben Tage in der Woche zelebriert.
Sie dient der Zementierung des Glaubenssatzes der unabhängigen Selbstexistenz.
Beweise sollen die Angst bezwingen.

Jedoch sind alle Beweise vom Ego selber konstruiert worden.
Es ist ein Schneeballsystem des Selbstbetruges.

Die letzte Verteidigungslinie lautet: „Aber wenn ich Beweise konstruieren kann, die letztlich durch die Selbstkonstruktion entstehen, so bin ich!“

Das wäre so, als wenn sich die Reflektion in einem Spiegel für permanent existent erklären würde, weil es das reflektierte Objekt vor dem Spiegel als seine Wirkung erklären würde.

Das Gefühl des Egos ist eine Auswirkung des Lebendigseins und nicht die Ursache des Lebens.
Die Ursache könnte man als Quelle bezeichnen, in der Dies alles so erscheint.

Das Ego möchte nicht sterben.
Das Paradox ist, dass das Ego nie gelebt hat.

All das sind Geschichten über das Unerklärbare.
So wie diese Geschichte hier.

Ein Sonnenstrahl gleitet durch die Wolkendecke, die den blauen unendlich weiten Himmel zu bedecken scheint, und wandert über die Erde wie ein Finger aus Licht.

An einer Felswand einer Schlucht bricht sich das Licht in glänzendem Gestein und die wunderbarsten farbigen Reflektionen spiegeln sich unzählige Male wieder und wieder. Das ganze Tal ist erfüllt mit Regenbogenlichtern und glitzernden Farbspielen.

„Oh, wie wunderbar, wie wir alle glitzern und diese Welt in Farbenpracht hüllen“, jubeln die Reflektionen und rätseln über den geheimnisvollen Sonnenstrahl, der die Felswand entlangwandert.

Doch viele Reflektionen beschäftigen sich lieber mit der Farbenpracht und unterteilen sie in Kategorien und geben sich Namen, wie blau, gelb oder rot. Diese dann wurden von anderen Reflektionen wieder in Unterkategorien unterteilt, um dann diese noch weiter zu unterteilen. Denn die ersten groben Farbunterteilungen waren doch vielen Reflektionen nicht genug.

So fühlte sich oft eine Reflektion mit dem Namen Indigoblau als das bessere Blau, besonders im Vergleich mit einem simplen Hellblau.

Der Sonnenstrahl wanderte das Tal entlang. Die Reflektionen wurden geboren und vergingen. Dann erreichte der Sonnenstrahl das Ende des Tals, um schließlich seine Reise über den angrenzenden Ozean fortzusetzen.

Die letzten Reflektionen am Ausgang des Tales erzählten sich flüsternd Geschichten aus längst vergangenen Zeiten, in denen das Tal förmlich in allen Farben geglüht habe, und ihre verblassenden Farben sangen ein letztes Lied über die Kürze des Lebens. Und dann war Dunkelheit.

Der Sonnenstrahl tanzte weiter über das Meer und sein Licht brach sich an der Wasseroberfläche in wundervolle Farben und kleine Wellen warfen sich Regenbogenlichter zu.

Was ist Suche und was ist Finden?
Februar 6, 2012

Fragen eines Freundes

07.01.2012

 Was ist Suche und was ist Finden?

Nun was kann man schon dazu sagen, was noch nicht gesagt wurde. Vielleicht sagt dir diese Geschichte etwas dazu. Wenn du wirklich mit dem Herzen zuhörst, schenkt dir diese Geschichte das was du wissen willst. Kannst du noch mit dem Herzen zuhören? Kannst du noch mit wachem intelligentem offenem Bewusstsein zuhören, voller Staunen und Wunder wie ein reines Kind? Dann, wer weiß das schon, kann ein Wunder geschehen. Wer weiß schon, was für ein Potenzial sich offenbaren kann, dort in diesem Menschen, das sich als ich vergessen hat. Niemand kann das wissen. Du musst selber ausprobieren, ob du noch fliegen kannst.

Doch nun höre.

Es war einmal ein Narr.

Und eines Tages saß der Narr wieder unter dem alten Baum, am Rande eines uralten mächtigen geheimnisvollen Waldes. Der Narr hatte dort sein ganzes Leben verbracht und oft unter dem Schatten des Baumes Zuflucht vor der sengenden Hitze der Sonne gefunden. Schon wenn er ein kleiner Narr gewesen war, hatte der Baum mit seiner mächtigen Krone einen riesigen Schatten geworfen und schon seit Ewigkeit, so schien es, raschelten seine Blätter immer das gleiche Lied in den Wind.

Des Narren Blick schweifte über die Weite des angrenzenden Meeres und er sann darüber nach wie wohl Glück aussehen mochte. Nicht das er wirklich unglücklich war, nein, er hatte alles was so ein Narr zum leben brauchte, und doch irgendetwas fehlte. Etwas nagte seit langem schon tief in ihm und in letzter Zeit saß er oft hier, schaute sehnsuchtsvoll in die Ferne und träumte vom Glück. Er hörte schon lange nicht mehr das Lied, welches ihm die Blätter des Baumes vorwisperten und die Anmut des mächtigen mystischen Waldes hatte er schon ewig nicht mehr wahrgenommen.

Da kam ein anderer Narr des Weges, setzte sich zu ihm und erzählte von seinen Reisen. Er erzählte auch, dass ihm eine Legende erzählt worden wäre, dass jenseits des Meeres ein Land existieren würde, mit einem mystischen Wald in dem das größte Glück zu finden sei. Besonders ein uralter Baum spielte in den Geschichten eine Rolle. Ein riesiger alter Baum, der am Rande des Waldes stehen würde. In seinem Schatten gingen alle Wünsche in Erfüllung, man müsse nur eine Weile still dort sitzen, dann seinen Wunsch aussprechen und schon geschehen Wunder.

Der Narr war begeistert, genau das war es was er suchte. Enthusiastisch rief er aus, dass er lieber sterben wolle, als ohne dieses Glück weiterleben zu müssen. Er und der zweite Narr fällten alle Bäume des Waldes und bauten das prächtigste Schiff, das diese Küste jemals gesehen hatte. Den mächtigen Baum, unter dem sie sich getroffen hatten, fällten sie als Letzten und fertigten daraus einen Mast, der bis in den Himmel zu ragen schien. Dann segelten sie los, immer in Richtung Horizont, in Richtung Glück. So vergingen Wochen und Monate. Es war still dort auf dem Meer, denn seit dem sie die Küstenregion verlassen hatten, begegnete ihnen schon lange kein anderes Schiff mehr. Hier draußen waren sie völlig allein. Da sie den Kurs nicht kannten, fuhren sie immer in Richtung Horizont.

Eines Tages, gegen Mittag, kam ihnen ein anderes Schiff entgegen. Als es näher kam, erkannten sie, dass es genau so groß und prächtig war wie ihr eigenes Schiff. Stolz und herausfordernd pflügte es das Wasser. Es ragte wie eine Festung empor und sein Mast schien das Firmament zu berühren. Da der Narr inzwischen Experte im Bootsbauen geworden war, erkannte er, dass das Holz aus dem das Schiff gefertigt war, von uralten Bäumen stammen musste. Als sie sich schließlich trafen, musste er erkennen, dass das Schiff sogar ein bisschen prächtiger als sein eigenes Schiff war.

Neid erfüllte ihn und so war sein Ton, als er den Kapitän des anderen Schiffes über die Reling anrief, rau und ziemlich unhöflich. Er fragte wohin sie des Weges waren und erfuhr, dass der Kapitän, auf den Spuren einer Legende, eine Küste mit einem mystischen Wald und einem legendären wunscherfüllenden uralten Baum suchte, um sein Glück zu finden. Der Narr war erstaunt und gestand, dass er ebenfalls auf der Suche nach diesem Mythos war. Doch er bestand darauf, dass das die legendäre Küste in etwa der Richtung liegen müsste wo das fremde Schiff hergekommen war. Denn dort wo der Narr herkam, dort gab es nichts, das wusste er genau.

Der Kapitän des fremden Schiffes bestritt das energisch, denn da wo er herkam, da gab es nichts. Dort war nur ein normaler Wald gewesen und alle Bäume hatte er für sein Schiff verwendet. Aus dem größten Baum hatte er seinen Mast gefertigt und war losgesegelt, das Glück zu suchen. Sie bezichtigten sich gegenseitig der Lüge und befürchteten insgeheim, dass jeweils der andere etwas verheimlichte, damit dieser das Glück nicht teilen müsse. Sie beschimpften sich und gerieten schließlich in einen furchtbaren Streit, der letztlich in einen langen Kampf auf Leben und Tod mündete, in dem dann beide Schiffe sanken.

Der Narr erwachte im Wasser treibend. Es war ganz ruhig um ihn herum und der Mond und die Sterne spiegelten sich leuchtend in der stillen See. Er rief nach dem anderen Narren, er rief nach dem fremden Kapitän, doch niemand antwortete. Der Narr war ganz allein. Er klammerte sich an ein Stück Holz und trieb durch diese leuchtende Nacht. Nach dem er, heiser und erschöpft, sein Rufen aufgab, umgab ihn nur noch Stille.

Die Stille floss in ihn hinein und brachte jede innere Regung zum Stillstand. Die See wurde spiegelglatt und so sah es aus als ob er, im Spiegelbild der leuchtenden Sterne, durch das Universum trieb. Völlig lautlos, völlig reglos. Tiefes Staunen überkam ihn und es schien als ob er, mit seinen großen staunenden Augen, ebenfalls zu einem glitzernder Stern unter all diesen glitzernden Sternen, durch die er schwebte, wurde. Sein Griff an das Stück Holz, das ihn bisher getragen hatte, lockerte sich. Und wenn er es hätte sehen können, dann hätte er bemerkt, dass das Holz was ihn bis hierher getragen hatte, ein Teil des Mastes war, ein Stück des Wunderbaumes unter dem er seit seiner Kindheit jeden Tag gesessen hatte.

Der Narr breitet die Arme und schwebte frei durch die leuchtendende Ewigkeit. Jetzt sah er es und seine Tränen küssten die funkelnden Gestirne. Er wurde die Sterne und die Sterne wurden er. Jede Zeit hörte auf zu existieren, jede Existenz hörte auf, Lebendigkeit überflutete alles. Die Lebendigkeit verschmolz den der sah, mit dem was gesehen wurde und es wurde Eins. Es sah, es war nie getrennt, war nur vergessen im Traum des Lebens.

Stille.

Eins.

Das Eine, in dem alles erscheinen kann, sogar ein Narr.

Weißt du, die Suche an sich ist das Versteckspiel der Stille. Finden ist das  Aufdecken deiner wahren Natur. Es ist mehr ein Wiedererkennen als ein Finden. Denn du hast dich nicht verloren, du hast dich vergessen.

Ein Leben ohne dieses Wiedererkennen ist so viel wert wie eine zerbrochene Tasse.

Die wirkliche Frage ist doch, ob du dich erinnern wirst.

Willst du dich erinnern?

Wahrnehmung
Februar 5, 2012

Kuss der Stille/Tagebuchnotizen 2011

Wahrnehmung

05.7.2011

Ein unerhörter Strom von Lichtketten, Lichtwolken, Lichtfetzen mit einer unmenschlichen Geschwindigkeit schießt durch den Körper, so scheint es.

Der Körper ist diesem unaufhörlichen Strom leer und mit einer Hülle wie aus dünnem Papier ausgesetzt. Wie erstarrt und gleichzeitig mit jeder Faser vibrierend liegt der Körper im Bett. Jegliches bekannte Wollen scheint ausgelöscht, jegliches bekannte Körpergefühl scheint ausgelöscht und Bewegen scheint kaum möglich.

Alles scheint zu sterben. Das Körpergefühl schmilzt und es bleibt nur Wahrnehmung.
Es ist nichts Glückseliges oder Euphorisches in dem, nur reine Wahrnehmung in vollem Bewusstsein.

Angst taucht nicht auf.

Es gibt kein Ort, wo Angst auftauchen könnte.
So etwas wie Einverständnis taucht auf und die letzten dünnen Grenzen scheinen wegzuschmelzen.
Einverständnis taucht aus sich selber auf, weder Körper noch Geist, noch irgendwas ist dabei involviert.
Jede Zelle vibrierend fällt endlos in leuchtende Leere, durchströmt von reiner Lebendigkeit.

Irgendwie wird aus dem Endlosstrom etwas fixiert und entlädt sein Inhalt im gleichen Augenblick. Bilder, Ereignisse, Einblicke, es gibt keine Begrenzung.
Wie das geschieht, es gibt keine Worte dafür.

Manche dieser Inhalte können einen Sinn geben, das bedeutet, es kann irgendwie eine Beziehung zwischen gesehenem Inhalt und dem Sehen hergestellt werden, und dann entstehen Worte, die auf Papier erscheinen.
Das Meiste dessen geht verloren, die Geschwindigkeit ist zu hoch oder der Körper zu langsam.

Es ist, als ob ein Fernsehgerät alle Kanäle gleichzeitig anzeigt.
Allerdings nicht in kleinen Bildchen nebeneinander, sondern tatsächlich alles gleichzeitig, übereinandergelegt, ineinander verschlungen, sich durchdringend.

Der Körper ist entsetzlich müde.

Dann ist da oft ein Kommentar, der aber keine Stimme ist, die von irgendwo kommt. Es ist mehr eine Gewissheit zu wissen, was zu tun oder zu lassen ist. Ein Wissen, was anweist dieses anzuschauen oder jenes zu lassen oder das nicht anzufassen. Das ist diese Gewissheit, die man aus Gewohnheit Stimme nennen könnte, und sie ist immer richtig. Es gibt da keine Fehler.

Und doch ist es nur eine Erfahrung der Fehlerlosigkeit.
Stille als fehlerlose Gewissheit. Bedeutungslos angesichts der Unermesslichkeit dessen, was sich offenbart.

Ab und zu scheint es so, als ob das Gehirn versucht irgendein Teil des Mechanismus anzuwerfen, aber die gewohnten Automatismen mit ihren Interpretationen funktionieren nicht mehr.

Manchmal hört sich das an wie ein altes Echo aus einer tiefen Schlucht, bis es schließlich wieder verstummt. Der Mechanismus scheint zu zerfallen und die einzelnen Teile, so ist die Vermutung, zerfallen selbst weiter in Teile.
Vermutung deshalb, weil es keine Reflektion über das alte Innenleben gibt.

So ist Vermutung das Einzige, was verbleibt, wenn sich Aufmerksamkeit darauf richtet. Das ist aber nicht oft der Fall. Dort wo mal etwas gewesen zu sein scheint, ist Leere. Leere, die Stille Ist und die wahrnimmt.
Da das nicht durch Rückmeldung bestätigt werden kann, kann nur durch die Auswirkungen geschlossen werden, dass da nichts ist.

Vieles von dem, was da im Strom der Sicht vorüber zieht, gibt überhaupt keinen Sinn. Es gibt keine Möglichkeit, das irgendeinem Kontext zuzuordnen, und es gibt nichts, was man dazu niederschreiben könnte. Es gibt keinen bekannten Bezugsrahmen, der sinnvolle Worte für dies bereitstellt.

Das betrifft das Allermeiste von dem, was sich offenbart.

Humane Interpretationskontexte scheinen in der Unermesslichkeit des Gesehenen eher selten.
Alles passiert, wenn man das überhaupt so beschreiben kann – denn es passiert nichts – sondern es IST jetzt alles. Und dies wird vom gesamten Körper wahrgenommen. Wahrnehmung dessen geschieht überall gleichzeitig.

Es gibt keinen bevorzugten Ort im Körper für Wahrnehmung wie den Kopf oder die Augen. Die Hand, der Fuß, der Oberkörper „sehen“ genauso.
Alles nimmt wahr, ununterbrochene, uninterpretierende Wahrnehmung, nur Ist sehend.

Manchmal ist der Druck des Sehens so hoch, dass sich Bewusstsein vom Körper zu trennen scheint. Wie eine kleine Ohnmacht, die nur Millisekunden zu dauernd scheint. Als ob ein Stromkreis zusammenbricht und sich wieder aufbaut. Doch weder Bewusstsein noch Wahrnehmung geht verloren.

Doch dann wird nur Leere, Stille ohne Inhalt gesehen, und obwohl es dann so scheint, als ob das Sehen auch zusammenbricht, sieht das Sehen weiter. Es sieht dann nur Nichts. Der Zusammenbruch des inhaltlichen Sehens wird währenddessen wahrgenommen und nicht später rekonstruiert.

Also sehende Wahrnehmung als Sehen bleibt auch dann bestehen, auch wenn Nichts gesehen wird.
Es sieht so aus, als ob Sehen unabhängig vom System Mensch erfolgen kann. Das Sehen seiner selbst benötigt kein menschliches Wesen, aber es ist auch durch ein menschliches Wesen möglich. Die Menschen sind weit davon entfernt, die Krone irgendeiner Schöpfung zu sein. Sie reihen sich nur ein in einer unbeschreiblich großen Anzahl von fühlenden wahrnehmenden Erscheinungsformen.

Für die Beschreibung des Gesehenen braucht es scheinbar diesen menschlichen Körper, da eben für Menschen geschrieben wird.

Dies braucht nichts, auch keine Menschen. Dies erscheint unter vielem anderen auch als Mensch. Eine kleine Welle auf dem endlosen Ozean der Tiefe.

Ein Rückschluss, dass der alte Mechanismus mit seinem ich und selbst kaputt sein muss, ist, dass er Dies sicher nicht aushalten würde.
Der zweite Rückschluss ist, dass wenn er noch da wäre, dieses Schreiben nicht funktionieren würde. Die Direktheit des Sehens erlaubt keine Reflektion oder ein mechanisches Aufnehmen und Wiedergeben.

Gewissheit, dass der Mechanismus kaputt ist, beziehungsweise nicht mehr da ist, gibt es nur indirekt. Die Leitung zum Maschinenraum ist gekappt worden und es gibt keine Regung sie auch wieder herzustellen.

Da ist nur Sehen und es erfordert alle Kraft.
Und diese Kraft wird mit dem Sehen zur Verfügung gestellt und dient nur dem Sehen selbst.

Der Körper hat fast keine Kraft für etwas anderes als für sich selbst.
So bleibt es beim Sehen und sonst nichts.

All dies ist in endloser Stille und die Schau ist grandios, endlos tief, leuchtend und voller Wunder.

%d Bloggern gefällt das: