Was ist der Unterschied zwischen Freiheit und Befreiung?

Im Zusammenhang mit meiner Suche nach Freiheit  lese ich immer wieder von den Begriffen >Leerheit< oder auch >Das Nichts<. Was hat das mit Freiheit oder Befreiung zu tun?

25.02.2018

Worte führen sehr schnell in die Irre. Wir hören sie und verstehen oder verstehen nicht.

An diesem Punkt ist der Irrtum schon geschehen.

Denn wenn wir >verstehen< oder >nicht verstehen<  benutzen wir unseren Verstand und dieser kann nur innerhalb der ihm bekannten faktischen Bibliothek agieren. Der Verstand verarbeitet, vergleicht, misst, wiegt, beurteilt usw. Die gesammelten und gespeicherten Informationen in dieser Verstandes-Bibliothek nennen wir unser Wissen. Die daraus konstruierten Zusammenhänge bilden die Basis unserer Überzeugungen und diese stützen das Fundament des Selbstverständnisses  >eine Person zu sein und ein Leben zu haben<.

Befinden sich in unserer Verstandes- Bibliothek eventuell Informationsfragmente zum Thema >Leerheit< in Verbindung mit den Begriffen  >Freiheit< und >Suche<  sagen wir „ich verstehen“ oder „ich weiß“. Werden keine abgespeicherten Informationen gefunden, sagen wir „ich verstehe nicht“ oder „ich weiß nicht“.

Haben wir vielleicht noch ein paar oder auch viele buddhistische Bücher, in denen der Begriff >Leerheit< vorkommt, gelesen oder waren auf einem Seminar/Retreat wo ein Mensch darüber referiert hat, so haben wir möglicherweise mehr Informationen gesammelt als der Durchschnitt. Dann glauben wir dass wir klüger sind als andere. Sind wir gut erzogen sprechen wir das natürlich nicht laut aus, aber selbstverständlich sind wir davon fest überzeugt und denken: „der/die ist dümmer als ich…ich bin wirklich klug“

Haben wir wesentlich mehr Informationen als der Durchschnitt gesammelt, so halten wir uns für Experten.

Glauben wir das wirklich von uns, sind wir weiter entfernt von Freiheit als es der größte Idiot jemals sein könnte.

Wenn du nur für dieses eine Gespräch mal aufhören würdest Informationen zu sammeln, könnte dein Verstand mal ein bisschen verweilen und das Ruhen der Funktionen  >sammeln, bewerten, speichern oder verwerfen, etc.<   gibt dir vielleicht die Energie über das Verstehen hinaus selbst zu Sehen. Du könntest ein Eindruck von dem erhalten was wirklich IST.

Nur „dein“  Sehen kann dir Wahrheit direkt vermitteln. Das Gespräch hier kann bestenfalls ein Impuls dazu sein. Was hier als „Sehen“ bezeichnet wird ist schon etliche Male beschrieben worden.

Also Sehen wir einfach mal zusammen. Kein Sprechender und kein Zuhörender, nur DIES, die Quelle welche sich selbst ins Ohr flüstert.

Wenn wir die Existenzbasis von Objekte, die in unserer Wahrnehmung erscheinen,  wie diese Vase dort oder wie der Gedanke der dazu erscheint „ die Vase ist sehr schön“  gründlich untersuchen, müssen wir feststellen dass wir nicht herausbekommen können woher sie eigentlich kommen. Oder anders ausgedrückt wir finden keinen existenziellen Quelle dem die Vase und der Gedanke dazu ursächlich entsprungen sein könnte.

Bei dem Objekt Gedanke ist es recht einfach, forsche einfach der Energiespur des gerade noch bestehenden Gedankens entlang und versuche den Ursprungsort zu lokalisieren.

Bei der Vase gehe einfach den ganzen Fabrikationsprozess zurück, dann weiter zu der Entstehung der entsprechenden Roh-und Hilfsstoffe bis hin zur atomaren und subatomaren Ebene und dann darüber hinaus.

Forsche selber nach! Es ist nichts zu finden. Es gibt letztlich keine zu lokalisierenden ursächliche Quelle der Entstehung. ALLES erscheint offensichtlich ursachlos.

Die nicht-auffindbare Basis der Entstehung von ALLEM kann Leerheit genannt werden oder auch NICHTS.

Doch sieh jetzt aufmerksam hin. Wenn das Wort Leerheit benutzt wird, entsteht gewöhnlicher Weise in unserem Verstand sofort ein Konstrukt das sich etwa so wie ein „Unendlicher leerer  schwarzer Raum der Nichts enthält“ erklärt. In diesem  „Unendlicher leerer  schwarzer Raum der Nichts enthält entstehen  aus dem Nichts zwar auf unerklärlicher Weise aber eben irgendwie Irgendetwas“. Zum Beispiel eine Vase oder der Gedanke dazu.

Hast Du es bemerkt? Es passiert etwas ziemlich absurdes.

Der Verstand hat jetzt einfach das „ ich weiß oder weiß nicht“ durch „ich glaube oder ich glaube nicht“ ersetzt. Als Nebeneffekt unseres gemeinsamen „Sehens“ hast du gerade bemerken können dass du dem Verstand nicht trauen kannst. Der Verstand ändert einfach die Regeln und präsentiert das als ganz selbstverständlich.

Einem Menschen, der sich so verhält, würden wir mindestens als fragwürdig  bezeichnen, aber unter keinen Umständen würden wir ihm besonders großes Vertrauen entgegenbringen.

Dem Verstand folgen wir gewöhnlich absolut blind. Was für ein absurdes widersprüchliches Verhalten von uns Menschen.

Der „Unendlicher leerer schwarzer Raum der Nichts enthält und in dem auf unerklärlicher Weise irgendwie Irgendetwas entstehen soll“ ist also offensichtlich ein Glaubensakt des Verstandes. Es ist der gleiche Glaubensakt der dich glaubend machen möchte eine separate Person zu sein. Also dort der unendliche (leere) Raum und hier die separate (einsame) Person. Das wird Dualismus genannt.

Zu Glauben fängt der Verstand gewöhnlich dann an wenn er nicht mehr weiter weiß. Er kann ja nicht „Sehen“ er kann nur vergleichen, messen…etc.

Doch du kannst Sehen, denn du bist nicht der Verstand.  Obwohl du dir genau das aus Gewohnheit und Bequemlichkeit oft vordenken lässt.

Lass uns also „weiter“ Sehen.

Wenn wir aus der „Perspektive“ der Leerheit Sehen ist dort tatsächlich Nichts. Aus dieser Sicht gibt es keine unerleuchteten Wesen, keine erleuchteten Wesen, überhaupt keine Wesen, keine Suche, kein Finden, nichts zu verlieren und nichts zu gewinnen, keine Vase und kein Gedanke, kein du, kein ich, kein hier oder dort, kein Anfang, keine Ende, einfach gar nichts.

Doch die Leerheit ist nicht einfach die vollständige ewige Abwesenheit von Etwas. Das wäre wieder ein Gedanke über Leerheit und Ewigkeit und nur eine weitere Variante des schon erwähnten Glaubensaktes des Verstandes.

Die Leerheit ist absolute Nichtexistenz  von ALLEM. Sie ist kein grenzenloser leerer Raum. Es ist der Aspekt der Singularität als Nicht- Raum, Nicht- Zeit und unmanifestierter Potenzialität  jenseits von Ursache und Wirkung repräsentiert.

Ein anderer Aspekt ist die manifestierte Potenzialität der Singularität als ALLES. Doch über diesen Aspekt reden wir gerade nicht. Es gibt noch einen dritten Aspekt und jeder von diesen vermittelt DIES durch bestimmte Erfahrungen. Nur der vollständigkeitshalber, wir demontieren gerade das unteilbare Eine in verschiedene Aspekten um darüber sprechen zu können. Damit haben wir uns schon sehr weit vom Sehen entfernt.

Dieses DIES, die „Singularität“ IST die Existenz und Nicht-Existenz von ALLEM. Da sie immer existent und nicht-existent zur gleichen „Zeit“ IST, kann sie nur Nondual sein.

Es sind nicht zwei Zustände die gleichzeitig existieren. Es ist weder UND noch ODER. Es IST einfach.

Die Singularität ist prinzipiell undenkbar, ultimativ unbeschreibbar und unsehbar. Doch ist DIES in seinen Aspekten, jenseits des üblichen elektro-mechanischen Denkprozesses, erfahrbar,  da wir selbst diese Singularität als sein manifestiertes Potenzial sind und somit die Potenzialität der unkonditionierten Reflektionsfähigkeit verkörpern.

Wenn wir versuchen die Singularität direkt wahrzunehmen, erscheint die Erfahrung dass es nicht geht.

Sehen bleibt bei den erwähnten Aspekten hängen.

Bei dem Sehen von Leerheit nehmen wir oft „Die Schwarze Absolute Stille“ oder auch „schwarzes Licht“ wahr. Es ist eine Erfahrung von Leerheit.

Das ist ein wichtiger Punkt.

Die Erfahrung ist nicht das Erfahrene und schon gar nicht das Gesehene. Wir lassen uns allerdings schnell dazu verleiten etwas nachlässig zu sein und eine Erfahrung als das Gesehene zuzulassen. Das sind Subfunktionen des Verstandesmechanismus. Diese Subroutinen laufen auch noch lange weiter nachdem der ganze Wirkmechanismus  der Person auseinander geflogen ist. Bei Unachtsamkeit können diese Subroutinen von der Energie der Faszination des Sehens weiter gespeist werden. Wir dürfen uns hier nicht selber in die Falle gehen. Sehen (wie es hier beschrieben wurde) ist auch nach Verlöschen des persönlichen Gefühls einer separaten Existenz noch immer dual, wenn auch sehr subtil.

Verweilen in der Wahren Natur IST Nondualität.

Nondualität IST jenseits des Sehens.

Nondualität IST jenseits von Erfahrung.

Nondualität IST absolut unkonstruiert.

Nondualität IST unsere Wahre Natur.

Hier sind einige bekannt die mühelos ständig in Präsenz und Klarheit verweilen.

Hier ist allerdings niemand bekannt der unabgelenkt dauerhaft vierundzwanzig Stunden am Tag in der Wahren Natur verweilt.

Gleichwohl geschieht es ständig.

Es fühlt sich hier an wie ein Hineingleiten und Herausfallen aus der Wahren Natur. Das passiert ständig jedem Menschen. Der einzige Unterschied zwischen „erwachten“  Menschen und „nicht-erwachten“ Menschen ist dass die einen das Hineingleiten und Herausfallen durch Präsenz und Klarheit bemerken können und die anderen nicht. Wenn man zu denen gehört die es bemerken und nicht danach (als Erfahrung) greifen, verlängert sich das unabgelenkte Verweilen in der Wahren Natur. Zumindest wird es hier so erfahren.

Auch das Gefühl des Hineingleitens und Herausfallens ist eine Erfahrung. Tatsächlich ist unsere Existenz die Wahre Natur. Wir sind diese Wahre Natur. Die Wahre Natur kann nicht aus sich selbst herausfallen oder hineingleiten.  Was tatsächlich passiert ist Abgelenktheit. Wahrnehmung hängt sich an eine erscheinende Erfahrung und Abgelenktheit erscheint als Erfahrung des Herausfallens.

Was ist der Unterschied zwischen Präsenz und dem Verweilen in der Wahren Natur?

Wenn das Gefühl der persönlichen eigenständigen Existenz erloschen ist, ist Präsenz möglich weil das Nicht-Befolgen-Müssen von konditionierten Wahrnehmungskonzepten erscheint und eine Menge Energie, die bis dahin in der Aufrechterhaltung der „Person“ gebunden war, freigesetzt  wird. Klarheit scheint auf.

Das Verweilen in der Wahren Natur IST die absolute Abwesenheit von jeglichen Konzepten.

Das Erstere ist Befreiung.

Das Zweite ist die Freiheit selbst.

Es ist hier völlig klar dass dies mangelhafte und dürftige Erklärungen sind. Aber es ist nun eben so dass das Leben hier so erscheint und sich so ausdrückt.

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