Was ist das Mirakel des Erwachens?

Fragen eines Freundes

 10.09.2012

Was ist das Mirakel am Erkennen des Formlosen und das Erwachen im Körper?
Wie weiß die Formlosigkeit/Bewusstsein in welchem Körper es erwacht?

Das ist eine ziemlich ungewöhnliche Frage. Es ist doch schon erstaunlich, was wir Menschen alles wissen möchten. Wir suchen immer jenseits, um das Wunder der Existenz zu begreifen, dabei liegt die Antwort genau hier in dieser Welt, quasi vor unserer Nase.

Da die Frage nun mal gestellt wurde, wird auch eine Antwort erscheinen. Ob diese Antwort wirklich die Frage beantworten kann, liegt ausschließlich an der Motivation des Fragestellers. Somit ist jede Frage immer nur der Spiegel für den Fragenden und verweist ausschließlich auf die verborgensten  Grenzen im eigenen Geist. Die Antwort ist nur der Putzlappen, der den Spiegel poliert.

Mehr nicht.

Die reinste Motivation ist, wenn keine Motivation mehr erscheinen muss. Dann kann Wahrheit unvermittelt aufscheinen und es kann gesehen werden, dass die Frage schon immer die Antwort war.

Die Fragen beinhalten einige Formulierungen, die geklärt werden sollten. Da wird das Wort Mirakel verwendet. Oft werden Worte verwendet, die unbewusst etwas ausdrücken, so dass die Quelle des Leidens aufdeckt wird und sichtbar werden kann. Leiden hat immer etwas mit Greifen oder Ablehnung zu tun.

Greifen und Ablehnung liegt der gleiche Impuls zugrunde. Wir fühlen uns nicht vollständig oder unvollkommen. Wir wollen etwas haben, wollen uns also etwas hinzufügen oder wir weisen etwas zurück, das uns, in unserer Vorstellung von uns selbst, als unpassend und störend erscheint.

Beide Bewegungsformen implizieren, dass wir Menschen unvollständig sind und dann wünschen wir uns dieses oder jenes um Vollständigkeit zu erlangen. Oder wir weisen etwas zurück um Vollständigkeit zu behalten. Beides sind Gedankenkonzepte unseres Verstandes und haben nichts mit Wahrheit zu tun.

Kannst du das Muster sehen?

Das ist die Gefangenschaft. Das sind die Gitterstäbe unseres Käfigs.

Das Wort Mirakel bedeutet in der deutschen Sprache Wunder und in einer sehr ursprünglichen Bedeutung des Wortstammes ist der Begriff Wunsch oder wünschen verborgen.

Das Wort Formlosigkeit verweist auf einen Zustand jenseits der Form, jenseits der bekannten und vertrauten Festigkeit des Körpers und damit dieser Welt.

Hier kann darauf hingewiesen werden, dass die Festigkeit dieser Formenwelt nur erfahren wird und somit nicht IST. Erfahrungen können sich ändern. Erfahrungen kommen und gehen, doch sie sind immer ein Hinweis darauf, dass Erfahrung in etwas auftaucht. Dieser Hinweis wird gewöhnlich übersehen, da sich Wahrnehmung an die auftauchende Erfahrung fixiert und den Urgrund, der das Auftauchen ermöglicht, ausblendet.

Wir sind da gewöhnlicher weise nicht besser dran als eine Katze, die mit dem Blick der Schwalbe folgt und dabei den endlos leeren Himmel übersieht.

Es können Erfahrungen auftauchen, die uns völlig andere Visionen, von der uns gewöhnlich vertrauten Beschaffenheit der Welt und den Eigenschaften der Materie vermitteln.

Na und.

Das mag vielleicht spektakulär erscheinen, doch geschieht ein Greifen danach, so wird nur die nächste Runde des Gefangensein eingeläutet. Unser Verstand ist darauf abgerichtet Kopien von Erfahrungen anzulegen und aus diesen Kopien Konzepte abzuleiten. So leben wir gewöhnlicherweise immer aus der Vergangenheit heraus. So stinkt unser gewöhnliches Leben immer nach Verwesung und wir überdecken den Gestank des Todes mit dem Parfüm der sinnentleerten Aktivität.

So simulieren wir also Leben. Wir bauen das Leben nach und bleiben auf der Größe einer Landschaft in Modelleisenbahnabmessungen beschränkt, da uns die Unermesslichkeit und Weite Furcht einjagt.

Die Frage ist doch, kann das alles enden?

Kann sich der Mensch, obwohl er vor Angst vor dem Unbekannten zittern mag, aufrichten und seiner grotesken Kleinmütigkeit und seiner absurden hysterischen Geschäftigkeit, die zur Zerstörung seiner natürlichen Lebensgrundlage führt, direkt ins Auge blicken? Ohne Ausweichen oder Entschuldigungen über seine angebliche Unzulänglichkeit?

Find es heraus, wenn du magst.

Desweiteren wird das Wort Bewusstsein im Zusammenhang mit dem Wort Formlosigkeit verwendet. Vielleicht sollten wir uns erst einmal der Frage nachgehen was Bewusstsein bedeuten könnte.

Also was ist Bewusstsein? Lassen wir all diese bekannten Definitionen beiseite, sie sind jetzt nicht hilfreich, sie sind jetzt totes Wissen.

Schauen wir nur darauf was nun unvermittelt auftaucht, auf was das Wort versucht hinzuweisen.

Wir könnten sagen, dass alles was erscheint Bewusstsein ist. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit, es ist auch Bewusstsein in dem das Alles erscheinen kann. Doch es ist immer noch nicht vollständig geklärt. Es ist auch Bewusstsein das sieht, dass das Alles auftaucht und dass alles in diesem auftaucht.

Also wenn Bewusstsein das Alles ist, ist somit Bewusstsein und Inhalt das Selbe, es ist Eins.

Das könnte bedeuten, dass das menschliche Bewusstsein der Inhalt seiner selbst ist.

Wenn Inhalt und Bewusstsein dasselbe ist, dann ist der Mensch als Inhalt, nichts anders als Bewusstsein selbst. Inhalt ist alles was hier aufscheint und drückt somit Menschsein aus.

Somit kann Bewusstsein nicht in einem Körper erwachen, wie es die Frage vermuten lässt, sondern Bewusstsein erscheint als Körper. Die Frage, die dazu erschienen ist, ist ebenfalls Inhalt und somit Bewusstsein.

Das Gefühl, das erscheinen kann, wenn Morgens der Körper erwacht und die Frage darüber wie das überhaupt möglich ist, ist das Nicht-Bemerken das Bewusstsein als Körper erscheint.

Wenn der Geist ganz ruhig ist und wach, kann es geschehen, dass gesehen wird, dass Körper morgens erscheint und mit diesem Erscheinen die gesamte Vision der Welt. Dann kann auch ein Gedanke erscheinen, wie es möglich ist, dass Bewusstsein in diesen speziellen Körper erwacht. Doch das ist alles immer Bewusstsein als beliebiger Inhalt und somit als beliege Form und somit auch als beliebige Formlosigkeit.

Wenn schon einige Erfahrungen mit der Natur des Geistes aufgetaucht sind, wenn Wahrheit schon gesehen wurde, dann taucht manchmal ein Konzept auf, das als die Flucht in die Formlosigkeit genannt werden kann.

Es ist tatsächliche eine mühselige Angelegenheit als Körper mit seinen Limitationen, Krankheiten und Schwächen zu existieren. Der Schwung der Wahrnehmungsfixierung geht sehr tief, Gefangenschaft in Materie kann sehr schmerzhaft sein. Auch das Sehen des Traumes beendet nicht unbedingt die Bindung, die Fixierung. Doch die Flucht in Formlosigkeit ist immer noch Gefangenschaft, da sie als Pendant zur Form an sich existieren muss.

Die wahre Frage lautet doch, kann Bewusstsein völlig inhaltsfrei sein und das obwohl diese Frage im Widerspruch zu der Aussage zu stehen scheint, dass menschliches Bewusstsein gleichbedeutend mit dem erscheinenden Inhalt ist?

Kann also Bewusstsein bestehen obwohl sich kein Inhalt ausdrückt?

Verstehst du die Dimension dieser Frage?

Kann Bewusstsein frei von menschlichen Inhalten oder frei von jeglichen Inhalten, völlig unberührt von jeglicher Bewegung bestehen, ohne dass Wahrnehmung zusammen bricht?

Hier wird gesagt, dass das möglich ist.

Doch was bedeutet das für den Fragesteller?

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4 Antworten

  1. „Kann Bewusstsein frei von menschlichen Inhalten oder frei von jeglichen Inhalten, völlig unberührt von jeglicher Bewegung bestehen, ohne dass Wahrnehmung zusammen bricht?“ – Reizvolle Frage. Wenn ich „menschlichen Inhalt“ wörtlich und umfassend verstehe, heißt die Antwort aber: nein. Denn menschliches Bewusstsein hat immer menschliche Inhalte. Aber hinter der Frage steht wohl die Annahme, dass Bewusstsein etwas wäre, was die menschliche Praxis transzendieren könnte. Nur ließe sich darüber gar nicht sprechen, denn Sprache ist wiederum menschliche Praxis…
    LG Tom

    • Guten Morgen Tom, Du hast es exakt getroffen. So wie es aussieht, erscheint menschliches Bewusstsein als menschlicher Inhalt und somit als Mensch. Das die bekannte Erscheinung Mensch, das Potenzial der menschlichen Erscheinungsmöglichkeiten vielleicht noch nicht mal annähernd angerissen hat, ist eine andere Sache.

      Es sind Erfahrungen aufgetaucht, die darauf hinweisen, dass Bewusstsein an sich scheinbar frei von (bekannten?) Inhalten bestehen kann und Wahrnehmung erhalten bleiben kann. Diese Erfahrungen zu beschreiben ist mir nicht möglich. Alle Worte die dazu erscheinen, tanzen quasi wie die Katze um den heißen Brei. Bestenfalls kommt unverständlicher Unsinn dazu heraus. Aber angenommen ich bin nicht total irre und diese Erfahrungen verweisen auf etwas jenseits alles Bekannten, auf etwas absolut Unaussprechliches oder Beschreibbares, aber völlig Lebendiges und Erlebbares. Was wäre wenn das die Wahrheit ist?
      LG Ruwenda

      • „Was wäre wenn das die Wahrheit ist?“ – Ja, wenn diese Erfahrungen da sind, dann sind sie auch real! Dennoch können sie keinen dauernden Zustand, also kein Sein bilden. Denn unverändertes Sein wäre illusionär, bedeutet letztlich eine Ichsubstanz zu wähnen, selbst wenn man zugleich sagen würde: „Es gibt kein Ich, keine Person.“ Im Strom des Werdens tauchen immer wieder Situationen auf, die dem Bewusstsein menschlichen Inhalt sozusagen aufzwingen. Man muss funktionieren in der von Menschen gestalteten Kultur, sogar als Einsiedler, wenn man Besuch bekommt. Dann sind sie wieder da, die menschlichen Inhalte. Natürlich werden sie mit andern Augen gesehen, vielleicht distanzierter. Aber diese Inhalte zwingen uns manchmal, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Vielleicht meinst du das mit dem Bewusstsein, das frei von Inhalten ist und trotzdem wahrnimmt (wahrnehmen menschlicher Inhalte bzw. Situationen, die uns „aufgezwungen“ sind)?

      • Hi Tom, es gibt einen Ausspruch von einem buddhistischen Meister, der sinngemäß sagte: „nur die wirklich Intelligenten und die echt Naiven können erleben, dass sich Wirklichkeit tranzendiert.“ Ich schreibe das in dieser passiven Form, da ich mich zum einem der letzteren Kategorie zurechnen muss und zum anderen die Erfahrung gemacht wurde, dass es genau so ist. Sehen der Wirklichkeit kann nicht getan werden und diese Erkenntnis ist etwas höchst frustierendes, wenn man zu der intelligenten Truppe gehören muss und meiner unmaßgeblichen Meinung nach, zählst Du zu dieser Kategorie.

        Da sind einige Freunde, dort nimmt die Suche einen ähnlichen Ausdruck an und die Erkenntnis das alles Wissen und alle Intelligenz nicht nützt, führt manchmal zu einer ziemlichen Verzweiflung.

        Das führt manchmal zu diesen Gesprächen, die aus einer inhaltlichen Bewertung heraus höchst widersprüchlich und unsinnig erscheinen müssen. Trotzdem enden diese Gespräche manchmal mit etwas das man mit „Erkennen“ umschreiben könnte. Irgendwie ein Verweisen auf etwas jenseits unseres gewohnten Muster von Greifen nach Verstehen wollen. Es kann gesehen werden, dass das „Erkennen“ schwankt, also kommt und geht bei diesen Freunden. Es wird solange schwanken, bis es entweder bleibt oder nicht mehr kommt. Man kann es nicht herbei diskutieren oder erreichen. Es ist präsent oder nicht präsent und es ist kein Verdienst mit dem man sich schmücken kann. Aus dieser Sicht wirkt der Rummel um Erleuchtung und all diesen spirituellen Absurditäten des Erlangen-wollens wirklich geradezu krotesk. Doch das ist eben, wie Du geschrieben hast: „Im Strom des Werdens tauchen immer wieder Situationen auf, die dem Bewusstsein menschlichen Inhalt sozusagen aufzwingen.“

        Aus meiner Sicht, sind dort bei dem Menschen der Tom genannt wird, alles schon an seinem Platz nur das Ganze wird noch aus Gewohnheit in Bruchstücken gesehen, aber natürlich weiß ich das nicht wirklich, aber es ist auch ganz klar zu sehen, wenn ich deine Texte lese.

        Bitte verzeih mir wenn ich nicht auf die Antwort in deinem Blog eingehe, ich bin unendlich müde und erschöpft von dem Frage- und Antwortspiel. Ich kann niemanden helfen oder jemanden zur Erleuchtung bringen. Das einzige was geht, sind ein paar dürftige Berichte von den Wahrnehmungsreisen und Erfahrungen anzufertigen und allen, die es lesen wollen, zur Verfügung zu stellen. Doch eins ist sicher, durch die, uns allen bekannte, Wahrnehmung scheint etwas unglaubliches durch. Es ist nicht beschreibbar und doch kann es erlebt werden oder vielleicht besser es kann zum Erleben werden.

        Herzliche Grüsse
        ruwenda

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