Muss ich das Ego loswerden um Stille zu finden?Teil 3

Fragen eines Freundes

11.01.2012

Muss ich das Ego loswerden um die Stille zu finden? Teil 1

Ist das Ego schuld an dieser kranken Welt? Teil 2

Ich fühle mich innerlich so zerrissen. Was soll ich tun um endlich Ruhe zu haben?

Teil 3

Wenn du einem fühlendem Wesen, nehmen wir einfach mal einen Menschen, in die Augen schaust, was siehst du?

Kannst du in dieser Dimension der Tiefe die Unendlichkeit der Stille, die absichtslose Liebe, die Manifestation der bedingungslosen Hingabe sehen? Oder spiegelt sich an der Oberfläche nur dein Abbild wieder? Ein Abbild von Zerrissenheit und Angst, verzweifelter Suche nach Ruhe und Sicherheit.

Wieso nimmst du eigentlich an, dass diese Zerrissenheit in dir sein könnte? Vielleicht weil du es irgendwo gelesen hast, oder es jemand gesagt hat und du sprichst es nun einfach ungeprüft nach? Oder weil es bequem ist Vorstellungen, Konzepte, Glaubenssätze und Behauptungen zu übernehmen und zu wiederholen? Seltsam, sonst zweifelst du an allem. Doch dieses Konzept nun übernimmst du einfach ungeprüft und nur allzu bereitwillig. Es wird vielleicht noch so weit kommen, dass du behauptest die Zerrissenheit zu sein und wir müssen auch noch ein Gespräch darüber führen, dass du offensichtlich nur der Ausdruck der anfangslosen Ganzheit sein kannst, jenseits von Ursache und Wirkung.

Lass das doch einfach gehen und entspann dich. Es kann dir keine Ganzheit geschenkt, verliehen oder erweckt werden. Deine Zerrissenheit ist eine Illusion, möglicherweise eine schmerzhafte, aber eben eine Täuschung. Ganzheit ist Realität. Die Suche nach Ganzheit, das Weglaufen von dem Gefühl der Zerrissenheit wird das Leid nicht beenden. Es wird die Täuschung nicht beenden, da du, erst durch die Suche nach Ganzheit, der Täuschung der Zerrissenheit einen gewissen Wert gibst.

Wenn der innige verzweifelte Wunsch besteht Ganzheit zu erfahren, so schau doch deine Zerrissenheit genau an. Schau genau hin und forsche nach was sich da so zerrissen fühlt. Diese Forschung kann niemand für dich machen, es ist deine Aufgabe. Dafür brauchst du keinen anderen Menschen. Deine inhärente Qualität ist völlig ausreichend und du musst nur aufrichtig sein, das zu akzeptieren was bei deiner Forschung zu tage kommt. Hier kannst du deinen Verstand einsetzen, deine Klugheit, deinen Willen und deine Entschlossenheit dein Leiden zu beenden.

Wird wirklich aufrichtig mit einem Forschergeist geforscht, wird nicht auf vorgefertigte Antworten zurückgegriffen, wird nicht vor dem Schmerz zurückgewichen, wird nicht vor der Liebe geflüchtet, ja dann kann da etwas geschehen das bisher nicht vorstellbar war.

Vielleicht findest du dann keine Worte um es auszudrücken, doch das ist völlig in Ordnung.
Vielleicht kommen ungeahnte Erfahrungen, auch das ist völlig in Ordnung.
Bleib ganz ruhig und greif nach nichts, was da auch immer in deiner Wahrnehmung erscheinen mag.

Da ist vielleicht nur eine stille leuchtende offene klare geistige Verfassung, die in sich ruht.
Gut.
Jetzt ruht der Verstand, und das ist auch völlig in Ordnung.

Doch keine Angst, der Verstand geht nicht weg, genau so wenig wie das Hören verschwindet oder die Fähigkeit des Riechens, Fühlens und Sehens.
Doch die Sinne können, befreit für einen Augenblick, wirklich frei wahrnehmen und das Wahrgenommene muss nicht durch den Filter von Konzepten und Verstandesarbeit durchgezogen werden.
Welch eine Last fällt da von den Schultern des Verstandes, entledigt von einer Aufgabe die viel zu groß für ihn ist, kann er in sich ruhen, wenn er nicht gebraucht wird.

Hier fällt jedes Gefühl von der Illusion der Zerrissenheit formlos in sich zusammen und es kann gesehen werden, dass Illusion einfach nur ein Nicht-Erkennen ist.

Erkennen zerstört jede Illusion und das Erkennen der Ganzheit, die du schon immer bist, vertreibt jeden Nebel der Täuschung.

Was bleibt ist ein einfaches nacktes Leben, wirklich recht simpel. Entspannt, ruhig, wahrnehmend, unterscheidungsfähig, unaufgeregt und aus sich heraus wissend.

In gewisser Hinsicht erscheint so ein Leben einfacher als das gewohnte Leben durch ein Selbst, unspektakulärer eben.

Es ist nüchtern und klar, doch scheinbar kann so die volle Ladung der Liebe, die durch die Form aufscheint, erlebt werden, ohne das Form sofort verglüht.

Das Selbst ist tatsächlich die einzige Verteidigungslinie vor dem bedingungslosen Aufglühen dieser unfassbaren Wahrnehmung, doch der Preis ist verflucht hoch dafür.

So schau doch in dir nach, ob du bereit bist den Preis noch zu bezahlen.
Wenn ja, ist es völlig in Ordnung.

Doch wenn du fühlst, für dein sogenanntes Leben genug bezahlt zu haben, dann musst du dich darauf einstellen, dass Freiheit völlig kostenlos ist.

Das wird vielleicht ein Schock sein.

zu Teil 1 springen

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: